WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Milliardengrab Landesbank Anatomie des BayernLB-Skandals

Seite 6/6

Der Fokus der bayrischen Bankführung liegt bald ganz woanders. Ihr riesiger Wertpapierbestand verliert durch die weltweite Finanzkrise dramatisch an Wert. Anfang 2008 muss Schmidt nach dem Bekanntwerden von Milliardenverlusten zurücktreten. Später im Jahr rettet Bayern seine Landesbank mit einer Zehn-Milliarden-Euro-Kapitalspritze vor dem Kollaps.

Schmidt wird nach seinem Abgang prompt von Berlin als Berater für die HGAA engagiert. Inzwischen untersucht die Staatsanwaltschaft München das Beratungsverhältnis.

Bei der Hypo läuft es immer schlechter. Die hohen Verluste erklärt Berlin, der die Bank seit der Übernahme leitet, mehrmals damit, dass er nun reinen Tisch gemacht habe. Doch das bleibt ein frommer Wunsch. Berlin gibt schließlich im April 2009 seinen Posten auf. Die BayernLB muss die HGAA bei mehreren Kapitalerhöhungen mit mehr als einer Milliarde Euro stützen und erhöht ihren Anteil so auf rund 67 Prozent. Außerdem bekommt die HGAA 900 Millionen Euro aus dem Rettungspaket des österreichischen Staates.

Die Münchner erarbeiten zu dieser Zeit ein Restrukturierungsprogramm mit dem passenden Namen Herkules. Der griechische Göttersohn musste als eine von zwölf Aufgaben den Stall des Königs Augias ausmisten. Fernziel des Programms ist der Verkauf oder Börsengang der HGAA.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    "Verkraftbare Verluste"

    Noch im September 2009 geht ein BayernLB-Vorstand im vertraulichen Gespräch von „verkraftbaren Verlusten im niedrigen dreistelligen Millionenbereich“ bei der HGAA aus. Doch im Dezember liegt der Kapitalbedarf auf einmal bei deutlich mehr als einer Milliarde Euro. Die Spirale nach unten dreht sich schneller und schneller.

    Der Snow Fun Park schließt nach gut einem Jahr. Bei Lars Windhorst versenkt die Hypo Alpe rund zehn Millionen Euro, weil der die georderten Aktien nicht abnimmt. Auch die Wörtherseebühne geht pleite. In der Wirtschaftskrise kippen viele ohnehin fragwürdige Projekte wie Dominosteine.

    Dramatisch ist die Lage in Kroatien. Für viele Projekte gibt es keine Anschlussfinanzierung, Investoren springen ab, das Bonitäts-Rating von Kreditnehmern verschlechtert sich. Da zudem die Grundstückspreise fallen, sind die Sicherheiten für die Kredite deutlich weniger wert. Die Abschreibungen werden höher und höher. Für die Bayern geht es schließlich nur noch darum, die angebliche Perle HGAA schnell loszuwerden.

    Gewinner und Verlierer

    Das Hypo-Debakel hat viele Verlierer und wenige Gewinner produziert. Berlins Investoren können sich über die schöne Rendite aus dem Verkauf ihrer Anteile freuen. Auch das Land Kärnten hat bei dem Deal einen guten Schnitt gemacht. Zwar musste es bei der Verstaatlichung noch einmal Geld nachschießen, gut 500 Millionen Euro bleiben nach heutigem Stand aber übrig.

    Größter Verlierer ist bisher der bayrische Steuerzahler mit 3,7 Milliarden Euro. Die finanziellen Auswirkungen auf Österreich sind noch nicht klar. Offen ist, was langfristig mit der HGAA geschieht. Eine geordnete Abwicklung scheint, wie aus österreichischen Politikkreisen zu erfahren ist, die wahrscheinlichste Option.

    Neben Kemmer musste auch Siegfried Naser zurücktreten. Der langjährige Präsident des bayrischen Sparkassenverbandes war zum Kaufzeitpunkt Mitglied des BayernLB-Verwaltungsrats. Die deutsche Staatsanwaltschaft ermittelt wegen verschiedener Delikte. Ob es zu einer Anklage kommt, ist unklar. Zusätzlich prüfte eine Kanzlei Schadensersatzansprüche.

    Neuer Vorstandsvorsitzender bei der BayernLB und damit auch Chefausmister wird am 15. April der ehemalige Dresdner-Bank-Manager Gerd Häusler. Als Mitglied des Verwaltungsrats der BayernLB war er an den jüngsten Verhandlungen mit Österreich beteiligt und hat dabei offenbar vor allem auf Fahrenschon Eindruck gemacht.

    Häusler muss nun einen weiteren Imageschaden fürchten, sollte es zum Prozess gegen seine Vorgänger kommen. Er muss sich um den immer noch riesigen Bestand ausfallgefährdeter Wertpapiere kümmern und mit einer wachsenden Zahl von Firmenpleiten und platzenden Krediten rechnen. Er muss die Interessen der Bank in Brüssel vertreten: Dort läuft ein Verfahren um die Zulässigkeit der Beihilfen des Freistaats, an dessen Ende der BayernLB harte Auflagen bevorstehen. Er muss die Bank voraussichtlich irgendwann in eine Fusion mit einer anderen Landesbank steuern. Und er muss die durch Sparrunden und Skandale demotivierten Mitarbeiter wieder auf Trab bringen.

    Der Mann ist um seinen Job nicht zu beneiden.

    Inhalt
    Artikel auf einer Seite lesen
    Zur Startseite
    © Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%