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Mischkonzern Neuer Chef plant Befreiungsschlag für Haniel

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Metro-Coup als Achillesverse

Haniel-Holding Quelle: Pressefoto Haniel

Die Haniels investierten konservativ, antizyklisch und langfristig, lautet dagegen die offizielle Version. „Am All-time-High“, so spottete Franz Markus Haniel 2004, könne schließlich „jeder kaufen“.

Keine drei Jahre nach dem kecken Spruch wagte Haniel selbst die größte Investition der Familienhistorie. Im August 2007 stockten die Duisburger ihre Beteiligung am Handelskonzern Metro von 18,6 auf 34,2 Prozent auf. Gemeinsam mit der Metro-Mitgesellschafterin, der Familie Schmidt-Ruthenbeck, übernahmen sie auf einen Schlag die Macht bei Metro. Der Coup kostete gut drei Milliarden Euro, trieb die Verschuldung nach oben und das Kreditrating nach unten.

Dabei sah das Drehbuch ursprünglich wohl ganz anders aus. Insider berichten, dass der damalige Haniel-Chef Eckhard Cordes den Deal eingefädelt hatte, um Metro aufzuspalten: Die Elektroniktöchter des Handelsriesen, Media Markt und Saturn, könnten an die Börse gebracht werden, die SB-Warenhauskette Real würde verkauft und die Kaufhof-Häuser an einen Investor weitergereicht, lauteten seinerzeit die Gedankenspiele zahlreicher Berater und Banker. Cordes selbst ließ derlei Zerschlagungsszenarien stets ins Reich der Fantasie verweisen.

Finanzkrise hinterließ Spuren

Es kam ohnehin anders. Kaum hatte Haniel-Chef Cordes in Personalunion auch den Metro-Chefposten geentert, brach die Finanzkrise los. Beteiligungsverkäufe waren plötzlich out und die Metro-Aktie im Keller. Die Pakete, die die Investmentbank Goldman Sachs eingesammelt hatte, verloren drastisch an Wert. Auf zeitweise rund 20 Euro brach der Kurs ein und mit ihm die Begeisterung einzelner Familienstämme an Cordes.

Spätestens als der Manager die 2008er-Dividende für die Eigentümerschar halbierte, brodelte es gewaltig. Dass die Familien-Granden dem Metro-Deal zuvor zugestimmt hatten und die schwerste Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten auch an den Haniel-Beteiligungen nicht spurlos vorbeigehen konnte, wurde von Kritikern geflissentlich übersehen. Auch Cordes selbst soll mit seiner Doppelrolle bei Haniel und Metro gehadert haben. Anfang 2009 lief schließlich die Suche nach einem Nachfolger für den Haniel-Job an.

Doch kaum war Kluge im Amt, tauchten die alten Zerschlagungsspekulationen wieder auf – geschürt von dem Cordes-Nachfolger persönlich. „Mehr kleine Stars wie die ELG oder Takkt wären schon klasse“, gab Kluge in einem Zeitungsinterview zu Protokoll. Im Übrigen dürfe es bei den Portfolio-Überlegungen „keine Tabus geben“.

Der Zeitpunkt für Großverkäufe jedenfalls ist günstig. Finanzinvestoren wagen sich wieder an dickere Brocken. Zudem ist Metro inzwischen besser portionierbar als je zuvor. Cordes, der sich nun komplett um den Handelsriesen kümmert, hatte im vergangenen Jahr den Zentraleinkauf aufgelöst. Die einzelnen Vertriebslinien agieren seither weitgehend unabhängig voneinander. Die Immobilien wurden in eine eigene Sparte ausgegliedert. Holdingfunktionen sollen jetzt zusätzlich von der Großmarktsparte mitübernommen werden. „Warum macht man das, wenn man nicht Teile herauslösen will“, fragt ein Betriebsrat.

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