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Mitarbeiterbeteiligung Ein Stück vom Unternehmen für die Angestellten

Unternehmen nutzen sie zur Kostenreduzierung, für Arbeitnehmer ist sie ein Investment in die Zukunft – und auch die Gewerkschaften zählen sich zu den Gewinnern. In der Krise hat die Mitarbeiterbeteiligung Konjunktur.

Opel-Arbeiter in Rüsselsheim Quelle: AP

Eine Mitarbeiterbeteiligung von bis zu fünf Prozent wollen die Gewerkschaften bei Volkswagen aushandeln. Auf diese Weise will der Betriebsrat die Belegschaft langfristig am Erfolg des Autokonzerns beteiligen.

Einen Zusammenhang mit den heute bei VW beginnenden Tarifverhandlungen für 94.000 Mitarbeiter gebe es zwar nicht, doch nutzen die Gewerkschaften die Krise, um den Erwerb von Firmenanteilen für die Arbeitnehmer zu erzwingen und um ihren Einfluss auszubauen. Protagonist der Offensive ist allen voran IG-Metall-Chef Berthold Huber.

Vorteile für Unternehmen

Aufgeschreckt vom kapitalistischen Engagement der Gewerkschafter lehnt die Arbeitgeberseite die Mitarbeiterbeteiligung als "generelles Modell" ab. Gesamtmetall-Präsident Martin Kannegiesser fürchtet, dass sich die Mitbestimmung zu Gunsten von IG Metall & Co. verschieben würde, sofern Arbeitnehmeranteile in Gewerkschaftsfonds gebündelt würden.

Doch das Modell hat für einige Konzerne dennoch Vorteile.

Für sie ist die Mitarbeiterbeteiligung ein Weg, um Kosten zu senken und den sozialen Frieden im Unternehmen zu sichern. So verzichten die Opelaner für ein zehnprozentiges Paket auf Lohn, Daimler muss auf diesem Weg eine 1900-Euro-Erfolgsprämie aus dem vorigen Jahr nicht auszahlen.

Und auch einen steuerlichen Vorteil gibt es. Unternehmen können seit April dieses Jahres statt 135 Euro bis zu 360 Euro pro Jahr geltend machen. Ein Chef, der einem seiner Angestellten Unternehmensanteile von bis zu 360 Euro übereignet, kann dies als Betriebsausgabe verbuchen.

Zuletzt hielt die Beteiligung der Belegschaft vor allem in der von der Krise gebeutelten Autoindustrie Einzug.

Aber auch in anderen Branchen ist sie längst verankert. wiwo.de nennt eine Auswahl.

Mitarbeiter der Schaeffler KG Quelle: dpa

Der Betriebsrat strebt eine Mitarbeiterbeteiligung von einem bis fünf Prozent an. Dafür sei ein Stiftung, ein Verein oder eine Genossenschaft geplant. Die Dividende soll für soziale Zwecke verwendet werden. Volkswagen hat mit der Marke Porsche mehr als 380.000 Mitarbeiter.

Bei Opel pochen die Mitarbeiter für einen Gehaltsverzicht auf eine Beteiligung. Zehn Prozent soll der Anteil betragen - so steht es in dem Konzept vom Übernahme-Interessanten Magna. Zurzeit wird überlegt, ob die Opelaner ihr Urlaubs- und Weihnachtsgeld im Unternehmen anlegen. An diesem Modell solle alle 25.000 Mitarbeiter in Deutschland beteiligt werden, wie viele an den internationalen Standorten dabei sind, ist noch unklar. Die Gesamtzahl könnte auf 40.000 anwachsen. Für die Mitarbeiterbeteiligung wurde die Aktiengesellschaft „Vorratsgesellschaft 4“ gegründet.

250 Millionen weniger Gehalt für die Schaeffler-Mitarbeiter

Nach einer Vereinbarung von Betriebsrat und Konzernführung wird eine Erfolgsprämie in Höhe von 1900 Euro für das vorige Jahr nicht ausgezahlt. Stattdessen soll das Geld in eine Kapitalbeteiligung umgewandelt werden. Auf diesem Weg würde die Belegschaft gut ein Prozent oder rund 280 Millionen Euro an Daimler halten.

Continental/Schaeffler

Bei dem klammen Autozulieferer Schaeffler verzichten die Mitarbeiter auf 250 Millionen Euro. Die eingesparten Personalkosten sollen in eine Beteiligung umgewandelt werden – dafür wird es bis Mitte kommenden Jahres keine Kündigungen geben. Auch für die Continental-Belegschaft wird ein Beteiligungsmodell mit den Gewerkschaften verhandelt.

Werbung für den Börsengang Quelle: dpa

General Motors/Chrysler

Der Gesundheitsfonds der US-Autogewerkschaft UAW soll künftig 17,5 Prozent an General Motors (GM) halten, bei Chrysler sind es schon heute 55 Prozent. Vor der Insolvenz der beiden Autobauer schuldeten diese dem Gesundheitsfonds gemeinsam mehrere Milliarden. Die Gewerkschaft will bis 2015 auf Streiks verzichten.

Hamburger Hafen und Logistik AG

Die Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) hat im vergangenen Herbst zum zweiten Mal Belegschaftsaktien angeboten – mehr als die Hälfte der rund 5000 Mitarbeiter griff zu. Die erste Tranche gab es beim Börsengang vor knapp zwei Jahren.

Eine Hälfte garantiert, eine Hälfte nach Leistung

Mehr als 70 Prozent der Angestellten der Optikerkette Fielmann sind am Erfolg des Unternehmens beteiligt.

Globetrotter

Der deutsche Marktführer unter den Outdoor-Spezialisten aus Hamburg beteiligt alle 1000 Mitarbeiter. Zehn Prozent des Gewinns vor Steuern wird ausgeschüttet. Davon die Hälfte garantiert. Der Rest errechnet sich individuell nach Arbeitstagen, Betriebszugehörigkeit und Beurteilung durch die Vorgesetzten.

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