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Mittelstand Wie aus einem Hobby eine lukrative Geschäftsidee wird

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Reiseunternehmerin Beyer

Sicher war der Erfolg des Miniatur Wunderlandes zu Beginn des Unternehmens keineswegs: „Modelleisenbahnen galten damals als antiquiertes Hobby von Eigenbrötlern“, erinnert sich Frederik. Das Erfolgsgeheimnis des Wunderlandes besteht darin, sowohl dieses Klientel zu begeistern, aber auch möglichst viele von denen, die nicht zu den Männern fortgeschrittenen Alters gehören, die ihre Freizeit am liebsten im Modellbahnkeller verbringen, um mit Kelle und Trillerpfeife die Abfahrt kleiner Loks freizugeben.

Das auf mehreren Etagen eines Backsteinspeichers in der Hamburger Hafencity entstandene Wunderland mit den sieben Abschnitten Hamburg, Harz, dem Fantasiestädtchen Knuffingen, den Alpen, Amerika, Skandinavien und der Schweiz schafft es, diese eigentlich unvereinbaren Welten für ein paar Stunden zu einer friedlichen Koexistenz zusammenzubringen. Dass sich Kinder wie Erwachsene und Männer wie Frauen für das Wunderland gleichermaßen begeistern, liegt daran, dass die Braun-Brüder mit ihrem Modellbauteam und den Technikern viel mehr geschaffen haben als eine überdimensionale Gleisanlage.

Zwölf Kilometer Schienen, 2500 Weichen, 1200 Signale, 890 Züge, 14.100 Waggons, 3500 Häuser und Brücken sowie 40 Computer, die alles steuern, sind nur die eine Hälfte der kleinen Welt. Für viele noch faszinierender ist die zu Szenerien arrangierte Umgebung mit 4700 kleinen Autos, fast 300.000 Lichtern und über 200.000 kleinen Figuren. Die computergesteuerte Beleuchtung simuliert in jeweils 15 Minuten einen ganzen Tag – inklusive Sonnenauf- und -untergang. Über im Boden verlegte Drähte fährt eine ganze Armada blau blinkender Feuerwehren, Krankenwagen und Polizeiwagen zu einem Großbrand. In der nachgebauten AOL-Arena jubeln Tausende kleiner Figuren, wenn der HSV ein Tor schießt. Schiffe bewegen sich durch Fjorde.

Dazu kommen kleine Miniaturen, die Kinder kaum bemerken, deren Eltern aber zum Schmunzeln bringen: Demonstranten, die mit Polizisten rangeln. Männer, die geduldig vor einem rot beleuchteten Wohnwagen am Stadtrand warten. Ein junges Liebespaar, das von einem verdeckt im Wald stehenden Spanner in Mönchskutte beobachtet wird. Oder ein Friedhof, bei dem auf Knopfdruck die Grabkammer sichtbar wird.

Ideen sind das wichtigste Kapital

Fertig ist das Miniatur Wunderland noch längst nicht: Seit dem Frühjahr 2008 baut das Team an einem Flughafen mit 30 richtig startenden und landenden Flugzeugen, die Abschnitte Italien und Frankreich sind in der Planung. „Und vielleicht kommen irgendwann auch Schmalspurbahnen durch den afrikanischen Dschungel und Hochgeschwindigkeitszüge in Japan hinzu“, sagt Frederik Braun.

Ideen sind auch das wichtigste Kapital von Sabine Beyer. Die Gründerin des Reiseveranstalters Stop Over Reisen aus Bad Friedrichshall in der Nähe von Heilbronn verdient ihr Geld damit, Träume zu verwirklichen. Zum Beispiel den vom romantischen Heiratsantrag bei einem am Strand einer Malediven-Insel servierten Dinner. Wo im Abendlicht, kurz bevor die Sonne langsam im Meer versinkt und just in dem Moment, wenn er ihr den Antrag macht, aus einem Helikopter 1000 rote Rosen auf das verliebte Pärchen regnen. „Wir organisieren das, Anruf genügt“, verspricht Beyer. Auch um die anschließende Hochzeit – falls der Antrag positiv beschieden wird – kümmert sie sich, inklusive Trauung unter Palmen: „Um die Details kümmert sich ein Hochzeitsplaner.“

„Anruf genügt“ war die Ausgangsidee der 47 Jahre alten Reiseunternehmerin. „Von Touristik hatte ich zwar keine Ahnung, dafür aber eine kaufmännische Ausbildung.“ Gelernt hat Beyer Einzelhandelskauffrau in einem Modehaus in Heilbronn. Nach der Beförderung zur Abteilungsleiterin heiratete sie. Die Hochzeitsreise führte auf die Malediven: „Das war Liebe auf den ersten Blick“, schwärmt sie. Als ihr Sohn drei Jahre alt war, wollte sie wieder arbeiten, „von zu Hause aus und möglichst etwas mit Reisen, denn das war schon immer mein Hobby“. Und etwas, für das kein Startkapital notwendig war. „Ich bin bis heute frei von Bankkrediten und sehr zufrieden damit – so kann mir keiner reinreden.“

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