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Mittelstand Wie aus einem Hobby eine lukrative Geschäftsidee wird

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Nemo-Tauchtouristik-Gründer Herrmann (links), Breinig

Ihre ersten Kunden waren Freunde und Bekannte, über Mundpropaganda „und ein paar Anzeigen“ gewann sie neue Interessenten. Das war vor 20 Jahren. Heute hat die Unternehmerin einen Kundenstamm mit rund 20.000 Adressen, „viele davon sind Wiederholer“. Auch Promis aus Show, Sport, Politik und Wirtschaft zählen zu ihren Stammkunden – die Schauspielerin Ursula Karven zum Beispiel oder der Ex-Fußballstar Thomas Helmer. Beyer: „Die meisten wollen nicht genannt werden, Diskretion ist in unserem Geschäft notwendig.“

Mit ihren sieben Mitarbeitern gibt sie drei Kataloge heraus, „aber das sind nur Anregungen und Ideen, jede Reise ist handgemacht“. Wie die letztlich aussieht und was sie kostet, hängt von den Wünschen ihrer Kunden ab. Der durchschnittliche Reisepreis liegt bei rund 3500 Euro – die Grenze nach oben ist offen. „Ein flottes Wochenende im Luxushotel auf einer griechischen Insel lässt sich aber auch schon für gut 800 Euro organisieren“, sagt Beyer.

Ihr Geschäftsmodell ruht auf zwei Säulen: „Wir verkaufen auch Reisen anderer Veranstalter und peppen sie mit eigenen Ideen auf, aber der Löwenanteil sind Eigenveranstaltungen.“ Die werden zum Teil auch mit Medienpartnern wie der Glamourzeitschrift „GQ“ gemeinsam vermarktet. Ein Großteil dieser Reisen führt immer noch auf die Malediven. Sabine Beyer kennt jedes Hotel auf den 87 für Touristen freigegebenen Inseln des Urlaubsparadieses im Indischen Ozean. In der deutschsprachigen Tourismusszene gilt die Unternehmerin als die Malediven-Spezialistin.

Sie bekam darum auch den Zuschlag, als ein Schweizer Privatsender nach einer geeigneten Location für die neueste Staffel der Sendung „Supermodel“ suchte – die von Franziska Knuppe moderierte, eidgenössische Variante von „Germany’s Next Topmodel“. Beyer empfahl die Malediven und organisierte für insgesamt 45 Leute – Models, Kamerateams, Maskenbildner, Regisseure und Jury – Flüge und Aufenthalt: „Ein toller Job.“

Pläneschmieden beim Neujahrstauchen

Die Malediven haben auch Thomas Breinig und Jürgen Herrmann aus Frankfurt an der Oder im Visier – langfristig zumindest. Die beiden sind seit mehr als 40 Jahren begeisterte Hobby-Taucher und haben vor zwei Jahren die Nemo-Tauchtouristik gegründet. Ihre Geschäftsidee: „Wir wollen U-Boote für Touristen bauen und an Veranstalter oder Privatpersonen verkaufen.“ Das Unterwasser-Gefährt ist vier Meter lang, fast zwei Tonnen schwer und bietet zwei Personen Platz. Angetrieben wird es von zwei Elektromotoren.

Der ungewöhnliche Plan entstand vor drei Jahren beim Neujahrstauchen – einer Veranstaltung am Frankfurter Helenensee, einer ehemaligen Braunkohlegrube, am jeweils ersten Wochenende im Jahr. „Ein Bekannter hatte sich mit Material aus dem Baumarkt sein eigenes Klein-U-Boot gebaut und das dort auf den Namen ,Nemo‘ getauft“, erzählt Herrmann. „Aus Spaß“ habe er dann einen Businessplan geschrieben. Dessen Kern besteht darin, Lizenznehmern in aller Welt die Boote, das dazugehörige Betreiberkonzept und die notwendige Ausbildung zu verkaufen.

Der Plan überzeugte auch die Sparkasse Oder-Spree, die gemeinsam mit der Bürgschaftsbank Brandenburg die Anschubfinanzierung über 1,5 Millionen Euro sicherstellte. Anfang September 2008 ging der Prototyp auf Jungfernfahrt – montiert in der Werkstatt eines ehemaligen Autohauses mit Teilen von Zulieferern aus der Umgebung. „Der Durchbruch kam auf der Messe ,Boot‘ in Düsseldorf im Januar dieses Jahres“, freut sich Herrmann. Zwei Boote sind fest bestellt und angezahlt, für fünf weitere gibt es Verträge mit einem Exklusivhändler in Spanien, „mit etlichen anderen Interessenten verhandeln wir noch“.

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