WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen
100 Prozent Grupp

Deutsche Firmen mitverantwortlich für Tote in Bangladesh

Seite 2/2

Lückenlose Transparenz für den Verbraucher

So sauber sind unsere Modelabels
Eine Frau mit einer Zara-Tasche Quelle: REUTERS
Ein Laden von Tommy Hilfiger Quelle: AP
Platz 12: PrimarkEs ist gar nicht einfach, den H&M-Herausforderer aus Irland zu kontaktieren. Primark hat weder in Deutschland noch im Rest der Welt eine Pressestelle, an die Journalisten ihre Anfragen richten können. Erst nach einer knappen Woche melde sich eine externe PR-Agentur und beantwortet einige Fragen zu Recherchen der WirtschaftsWoche: Dass eine Primark-Bestellung bei einem Zulieferer landete, der westlichen Standards nicht entspricht, sei ein Einzelfall gewesen. Ein lizenzierter Lieferant habe die Order ohne Kenntnis und Einverständnis der Iren an diese Fabrik ausgelagert. Was eigentlich gar nicht passieren darf, denn über seine Homepage verpflichtet nagelt sich der irische Discounter auf „ethischen Handel“ und höchste Sozialstandards bei Lieferanten fest. Dies wird allerdings nicht nur durch die Recherchen der WirtschaftsWoche konterkariert – zumal der Hersteller insgesamt bei Details merkwürdig mauert: Primark will weder die Zahl der Lieferanten oder die der internen Auditoren kommunizieren, noch die wichtigsten Lieferländer und den Anteil der Direktimporte nennen. Transparenz -Kontrolle -Verantwortung - Quelle: Screenshot
Ein New Yorker-Store in Braunschweig Quelle: Screenshot
Menschen vor einer Ernsting's Filiale Quelle: Presse
Das Logo der Modekette Tom Tailor Quelle: dapd
Eine Verkäuferin reicht in einem Esprit-Store in Düsseldorf eine gepackte Einkaufstasche über die Kasse Quelle: dpa

Billiganbieter wie Kik, der auch Kleidungsstücke aus der eingestürzten Fabrik in Bangladesh bezog, hätte es während des Wirtschaftswunders in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg nicht gegeben. Dass solche Händler überhaupt eine Chance auf dem deutschen Markt haben, ist die Schuld jener Unternehmen, die durch Jobverlagerungen Millionen von Arbeitslosen geschaffen haben. So ist ein Heer von Menschen entstanden, die sich Textilien im heutigen mittleren Preisniveau nicht mehr leisten können. Auf diese Weise haben die Unternehmen die Basis für Billigläden wie Kik geschaffen. Wenn wir das ändern wollen, müssen wir Unternehmer mehr Arbeitsplätze mit fairer Bezahlung in Deutschland und nicht Jobs zu Dumpinglöhnen schaffen. Dann kämen wir erst gar nicht in die Lage, mit Billigstware Geld verdienen oder Billigstware kaufen zu müssen. Es ist doch interessant, dass MediaMarkt in der gegenwärtigen Phase steigender Einkommen nicht mehr mit "Geiz ist geil" wirbt, was für mich schon immer indiskutabel war.

Dass die Unternehmen, die Waren aus der eingestürzten Fabrik in Bangladesh bezogen, sich um nichts scheren, hat einen weiteren Grund. Sie müssen nicht für den Schaden haften, den sie mit ihren Preisdiktaten anrichten. Das gilt natürlich auch für die Fabrikanten in Bangladesh, die Leute unter solchen verachtungswürdigen Umständen arbeiten lassen. Wer ruinösen Wettbewerb betreibt, sollte unbedingt dafür bezahlen, wenn so etwas wie in Bangladesh passiert.

Wir brauchen lückenlose Transparenz für den Verbraucher, wo und unter welchen Bedingungen ein Bekleidungsstück hergestellt wird. Anders können wir die Unternehmen nicht zur Vernunft bringen. Die Kritik in den Medien kann da gar nicht laut genug sein. Dann können die Verbraucher am Ende ja entscheiden, welche Unternehmen sie mit ihrem Einkauf unterstützen und welche nicht. Nur so kommt die Verantwortung wieder zurück in die Unternehmen. Ich werbe ja auch nicht in gewissen privaten Fernsehsendern, deren Programm ich nicht akzeptiere.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Ich hatte vor über 40 Jahren Angst, Kapazitäten in Deutschland aufzubauen, weil ich fürchtete, das T-Shirt könnte nur eine Modeerscheinung sein. Deshalb entschied ich mich damals, 300.000 T-Shirts in Honkong fertigen zu lassen. Ich habe die Fabriken besichtigt. Es wäre für mich indiskutabel gewesen, einen Auftrag zu vergeben, wenn die Menschen wie heute über weite Strecken in Bangladesh gearbeitet hätten.

Das wäre für mich unter meiner Würde als Unternehmer gewesen. Diesen Versuch einer Auslandsproduktion habe ich aber kurzfristig wieder beendet, nachdem ich festgestellt habe, dass ich mit Arbeitsplätzen in Deutschland per Saldo mindestens genauso günstig produzieren kann.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%