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Agrofert-Chef expandiert in Deutschland "Ich bin ja nicht Gott"

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Schnäppchenstrategie

Die größten Ernährungsmythen
Verlängern Chili-Schoten das Leben? Quelle: REUTERS
Schokolade Quelle: dpa
Je mehr Vitamine desto besser Quelle: dpa
Brot macht dick und ist ungesundGerade für die Verfechter kohlehydratarmer Nahrung steckt der Teufel im Brot: Es mache dick und trage sogar Mitschuld an Diabetes. Das ist so allerdings nicht richtig: Gerade Vollkornbrot (echtes Vollkornbrot, kein mit Malz eingefärbtes Weißbrot) hat sehr viel Ballaststoffe. Die sind gesund und machen satt. Außerdem liefert es verschiedene Vitamine sowie Iod, Flur, Magnesium und Zink. Quelle: dpa
"Light", "Leicht" oder "Fettarm" - das ist gut für die schlanke LinieDie Lebensmittelindustrie hat den Trend zu bewusster Ernährung entdeckt und nutzt ihn mit Fitness- und Wellness-Begriffen gezielt aus. Doch die Verbraucherorganisation Foodwatch warnt: Oft werden so Lebensmittel beworben, die alles andere als kalorienarm sind. Der Verein hat das Nährwertprofil von sogenannten Fitness-Müslis, Wellness-Wasser oder Joghurt-Drinks überprüft und kam zu dem Ergebnis, dass die scheinbar "gesunden" Lebensmittel Softdrinks oder Fast-Food-Snacks beim Zucker-, Salz- oder Fettgehalt oftmals in nichts nachstehen. Bei fettarmen Produkten wird der Geschmacksmangel häufig durch zahlreiche andere Inhaltsstoffe, etwa Stärke und Zucker, ausgeglichen - der Kaloriengehalt unterscheidet sich kaum, ist manchmal durch den hohen Zuckergehalt sogar höher - und gesund ist das Light-Produkt noch lange nicht. Quelle: dpa
Kartoffeln machen dick Quelle: dpa
Öko-Lebensmittel sind gesünder Quelle: dpa

Dank dieser Schnäppchen-Strategie ist Agrofert mit seinen 5,2 Milliarden Euro Umsatz der drittgrößte tschechische Konzern. Auch für Lieken hat der Investor sich wohl finanziell nicht strecken müssen: "Das bezahlt er locker aus den Dividenden der Vorjahre", sagt Geserick. Insgesamt hat Agrofert für 13 Übernahmen inklusive Lieken nur rund 117 Millionen Euro ausgegeben.

Bereits zwei Jahre vor dem Lieken-Kauf gründete Babiš in Bischofswerda seine Deutschland-Tochter, über die er in den Getreidehandel einsteigt. In den vergangenen Monaten hat das Unternehmen dazu in ganz Ostdeutschland Lagerflächen hinzugekauft. Den Jahresumsatz von 332 Millionen Euro will Agrofert Deutschland bis 2015 auf eine Milliarde Euro verdreifachen.

Babiš’ Deutschland-Strategie folgt dem tschechischen Muster. Auch dort begann Agrofert als Chemie- und Düngemittelproduzent und kaufte nach und nach Handelsunternehmen zu, dann Bäckereien, Fleisch- und Milchproduzenten. Derzeit bewirbt sich Agrofert um den kroatischen Chemiehersteller Petrokemija Kutina.

Im Kampf gegen Korruption

In Prag tritt Babiš nun auch politisch auf: Er will mit seiner Partei "Bewegung unzufriedener Bürger – ANO 2011" vor allem gegen Korruption vorgehen. Ausgerechnet einer, der nach der Wende reich wurde, als in Tschechien die Korruption blühte? So schimpfen seine politischen Gegner. Dass der Agrar-Tycoon nun auch Zeitungen aufkauft, gibt ihnen zusätzlich zu denken.

Mit Korruption habe er nur in einer Hinsicht zu tun gehabt, wehrt sich Babiš: "Ich bekämpfe sie." Selbst potenzielle Kritiker finden in Babiš’ geschäftlicher Vergangenheit wenig Verwerfliches. "Sein Imperium ist ziemlich transparent", lobt Radim Bureš von Transparency International Tschechien. Bureš sieht auch keine Anzeichen, dass sich Agrofert illegal an öffentlichen oder EU-Mitteln bereichere.

Anfänge im Halbdunklen

Einen Beinahe-Korruptionsskandal erlebte Babiš vor gut zehn Jahren bei der Privatisierung des Ölunternehmens Unipetrol: Agrofert bekam den Zuschlag, obwohl Mitbewerber mehr geboten hatten. Offizielle Begründung: Agrofert sei der bessere "strategische Partner". Am Ende zog Babiš sein Angebot aber zurück, weil der Unipetrol-Wert durch Flutschäden gesunken sei.

Im Halbdunkeln blieben auch die Anfänge von Agrofert. Gegründet wurde das Unternehmen kurz nach dem Ende der Tschechoslowakei im Januar 1993: als Prager Tochter des ehemaligen staatlichen CSSR-Außenhandelskonzerns Petrimex, der in der slowakischen Hauptstadt Bratislava saß. Gründer waren Petrimex-Manager Babiš und der slowakische Petrimex-Chef und Außenamtsstaatssekretär Anton Rakický, die Agrofert bald übernahmen. Ob und in welchem Umfang Babiš – bald ohne Rakický – seinem Ex-Arbeitgeber Startkapital entzog, ist offen. Agrofert jedenfalls blühte auf, Petrimex meldete 1998 Insolvenz an.

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