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Arbeitgeber-Image Wie Mittelständler Talente in die Provinz locken

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Fachkräfte mit Berufserfahrung sind rar gesät

Hirschvogel kooperiert mit nahe gelegen Schulen und Hochschulen, zum Beispiel in Kempen, präsentiert sich auf Karriere-Messen und gründete eine Stiftung, die Stipendien und Auszeichnungen vergibt – etwa für die besten Schulabschlüsse an den drei deutschen Unternehmensstandorten in Denklingen, Schongau in Oberbayern und Eisenach in Thüringen. Oder baut ein neues Klettergerüst für den Ort.

Außerdem setzt das Unternehmen auf interne Weiterbildung: Jedes Jahr durchlaufen vielversprechende Talente vom Betriebswirt über den Ingenieur bis zum Meister ein berufsbegleitendes Programm für angehende Führungskräfte. Auf dem Lehrplan stehen etwa interkulturelle Trainings für den Umgang mit Kunden aus aller Welt.

„Wir haben trotzdem Schwierigkeiten, IT- und Finanz-Spezialisten zu bekommen, auch Fachkräfte mit Berufserfahrung sind rar gesät“, sagt Personalerin Völlmecke. „Da dauert es manchmal Monate, bis wir einen geeigneten Kandidaten gefunden haben.“

Deshalb setzt Hirschvogel zusätzlich aufs Geld – in Augen der Generation Y trotz all der weichen Faktoren immer noch wesentlich für die Attraktivität eines Arbeitgebers: Neben einem konkurrenzfähigen Gehalt zahlt der Automobilzulieferer Zuschüsse zu Fahrkosten und der privaten Altersvorsorge, außerdem schließt das Unternehmen bei Vertragsunterzeichnung neuer Mitarbeiter eine Unfallversicherung ab.

Seit ein paar Jahren können die Angestellten sich sogar am Unternehmen beteiligen. Ein schlauer Zug, denn eine Studie der Beratung hkp, die unter anderem in Zusammenarbeit mit Siemens, SAP und der Uni Göttingen erhoben wurde, hat festgestellt, dass Mitarbeiter, die finanziell an ihrem Arbeitgeber beteiligt sind, sich mehr mit dem Unternehmen identifizieren und sich im Job stärker engagieren. „Außerdem erzählen unsere Mitarbeiter das weiter“, sagt Völlmecke. „Das wird natürlich auch von neuen potenziellen Arbeitnehmern positiv wahrgenommen.“

Softwareentwicklung in Muflingen

An manchen Tagen sitzt Olga Wejt bereits um fünf Uhr morgens an ihrem Schreibtisch. Optimiert Software für die Fertigung oder bereitet eine Schulung für eine Fachabteilung vor. „Ich stehe dann zwar schon um vier Uhr auf“, sagt Wejt, „aber dafür bin ich wieder zu Hause, wenn andere erst in die Mittagspause gehen.“ Sie hat dann Zeit für ihren sechsjährigen Sohn, etwa wenn der Kindergarten mal früher schließen muss.

Wejt, als Mathematikerin mit Schwerpunkt Softwareentwicklung eine begehrte Fachkraft, kann bei Ebm-Papst kommen und gehen, wann sie will. Seit Anfang 2014 gilt Vertrauensarbeitszeit für rund 1000 der insgesamt 3000 Angestellten am Hauptsitz in Mulfingen, einem Dorf 40 Kilometer westlich von Rothenburg ob der Tauber.

Für Wejt ein zentraler Grund, beim Weltmarktführer für Ventilatorentechnik anzuheuern. Denn ohne diese Freiheit könnte Wejt Kind und Job nicht vereinbaren – Wejts Partner arbeitet im Schichtdienst bei der Bundespolizei. „Ich schätze das Vertrauen, das mir das Unternehmen entgegenbringt“, sagt die 27-Jährige. „Bei einem Konzern wäre das sicher komplizierter.“

Wo Absolventen nach Jobs suchen und was Berufseinsteiger überzeugt

Auf die Vertrauensarbeitszeit war Wejt während eines Praktikums bei Ebm-Papst aufmerksam geworden. Für die junge Mutter war bald klar: „Hier will ich bleiben. Für mich kam nur ein familienfreundlicher Arbeitgeber infrage.“ Neben den flexiblen Arbeitszeiten bietet der Mittelständler seinen Mitarbeitern auch Betreuungsangebote, etwa ein Sommer-Camp für Schulkinder in den großen Ferien.

„Wir wollen, dass unsere Mitarbeiter Familie und Beruf vereinbaren können, und geben ihnen deshalb Freiheiten“, sagt Ralf Sturm, Personalchef des Unternehmens. „Gerade wenn es darum geht, hoch qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen und zu halten, ist Work-Life-Balance ein wichtiges Argument.“

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