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Arbeitgeber-Image Wie Mittelständler Talente in die Provinz locken

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Individualisierte Angebote

Mit dem sich auch gut werben lässt: etwa im firmeneigenen Magazin „Mag“, das an alle Kunden verteilt wird. Personaler Sturm versucht auch, sich auf die jeweiligen Lebensumstände seiner Bewerber einzustellen: Für den Single aus Duisburg hat Sturm andere Argumente parat als für die Familie aus Würzburg oder den Facharbeiter aus Spanien.

So gibt es für jede Zielgruppe eigene Broschüren, die über passende Freizeitangebote, den Wohnungsmarkt oder Sprachkurse informieren. Auch Stellenanzeigen, Jobbeschreibungen und Social-Media-Aktivitäten sind individualisiert. „Ingenieure locken wir mit modernen Arbeitsplätzen, innovativen Produkten und unserer Technologieführerschaft.“

Angehende Azubis und Studenten ködert Personaler Sturm über Facebook, wo er das Firmenmaskottchen Leon Green auf Weltreise schickt: Die zahlreichen Selfies des kleinen Drachens aus London, Botsuana oder Reykjavik auf der Timeline des Netzwerks bieten einen etwas anderen Einblick ins Unternehmen.

Um auch künftig die rund 100 offenen Stellen im Jahr besetzen zu können, will Ebm-Papst im Ausland für sich werben. Schon jetzt gibt es etwa auf dem unternehmenseigenen YouTube-Kanal viele englische Videos, auf Twitter wird ebenfalls häufiger auf Englisch gezwitschert. „Wollen wir uns weiter als Champion positionieren“, sagt Sturm, „müssen wir künftig auch international sichtbar sein.“

Anlagenbauer in Telgte

Am letzten Tag seines Praktikums in Paignton, einem Küstenstädtchen im Südwesten Englands, hielt Stefan Rüter ihn bereits in den Händen: seinen selbst entwickelten Klo-Reiniger. Von der ersten technischen Zeichnung über den Prototyp bis zur anschließenden Serienproduktion – der 21-jährige Azubi verantwortete die komplette Entstehungsgeschichte des neuen Produkts. Und das alles in einem fremden Unternehmen mit ihm bis dato fremden Warengruppen und Kollegen, mit denen er nur auf Englisch sprechen konnte, rund 1000 Kilometer von seinem Ausbildungsbetrieb Münstermann entfernt – in seinem ersten Lehrjahr zum technischen Zeichner. „Ich war schon aufgeregt“, sagt Rüter, „aber es war eine super Erfahrung.“

Beliebteste Arbeitgeber für Ingenieure
Platz 18: HochtiefVorjahr: 27 Prozent: 4,1 Quelle: dpa
Platz 18: Deutsche BahnVorjahr: 19 Prozent: 4,1 Quelle: dpa
Platz 18: BombardierVorjahr: 71 Prozent: 4,1 Quelle: AP
Platz 17: Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)Vorjahr: 13 Prozent: 4,2 Quelle: Presse
Platz 16: ThyssenKruppVorjahr: 25 Prozent: 4,5 Quelle: dpa
Platz 15: BASFVorjahr: 15 Prozent: 4,9 Quelle: dpa
Platz 14: Max-Planck-GesellschaftVorjahr: 37 Prozent: 5,0 Quelle: Presse

Vier Wochen verbrachte der 21-Jährige im Rahmen seines dualen Studiums zum Technischen Produktzeichner und Maschinenbauingenieur in England, arbeitete Vollzeit und lebte in einer Gastfamilie. Eine Ausnahme? Nein – Standard bei Münstermann: Ein Auslandsaufenthalt ist Pflicht für alle Auszubildenden des Anlagenbauers aus dem 20.000-Einwohner-Städtchen Telgte, 15 Kilometer östlich von Münster. „Unsere Lehrlinge erfahren so mehr Selbstbewusstsein, lernen Eigenverantwortung und verbessern ihre Englisch-Kenntnisse“, sagt Magdalena Münstermann, die den Betrieb zusammen mit Mann und Sohn leitet.

„Diese Herausforderung war ein entscheidender Grund, mich für Münstermann zu entscheiden“, sagt Rüter. Auf das Angebot aufmerksam geworden war er durch ein Video auf der Web-Seite des Unternehmens. Dort erzählen mehrere Azubis aus ihrem Arbeitsalltag – und natürlich auch von ihren Erfahrungen während des Praktikums.

„Wer Job oder Lehrstelle sucht, kauft nicht mehr die Katze im Sack“, sagt Ronald Focken, Markenexperte und Geschäftsführer von Serviceplan. „Bewerber informieren sich vorher, wollen wissen, wo und wie man dort arbeitet.“ Er rät Unternehmen deshalb, in einen guten Internet-Auftritt zu investieren, der neben den fachlichen auch persönliche Einblicke ins Unternehmen liefert.

Denn egal, wie ein Bewerber auf einen potenziellen Arbeitgeber aufmerksam wird: Irgendwann landet er auf der Unternehmens-Web-Site. Ist die schlecht gemacht, ist der Bewerber schnell wieder weg.

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