WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Arbeitgeber-Image Wie Mittelständler Talente in die Provinz locken

Kleine Unternehmen haben oft große Probleme bei der Personalsuche. Wie Mittelständler auch ohne Millionenbudget Talente in die Provinz locken.

Die beliebtesten Arbeitgeber der Wirtschaftswissenschaftler
Platz 20: Hugo Boss5,5 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich Hugo Boss als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 19: Boston Consulting Group5,6 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich die Boston Consulting Group als Arbeitgeber. Quelle: Presse
Platz 18: EZB6,0 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich die Europäische Zentralbank als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 17: L'Oreal6,1 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich L'Oreal als Arbeitgeber. Quelle: REUTERS
Platz 16: Deutsche Bank6,2 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich die Deutsche Bank als Arbeitgeber. Quelle: dpa
Platz 15: PwC6,3 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich PwC als Arbeitgeber. Quelle: dapd
Platz 14: Unilever6,4 Prozent der befragten Wirtschaftswissenschaftler wünschen sich Unilever als Arbeitgeber. Quelle: dpa

Zwei Mitarbeiter der Deutschen-Bahn-Logistik-Tochter Schenker verstauen behutsam ein altes Gemälde in einer Holztruhe. „Rembrandt, Botticelli und Co. beim Umzug helfen“, sagt eine Stimme aus dem Off. Dann sieht man ein Pärchen, das sich am Bahnhof umarmt. „Mehr Menschen zusammenbringen als jede Partnerbörse“, heißt es nun. Schließlich ein Schweißer, der an einem neuen ICE arbeitet – helle Funken sprühen. Der Kommentar: „Heavy Metal zum Beruf machen“.

Der Spot „Kein Job wie jeder andere“ lief 2012 wochenlang im TV, wurde begleitet durch bundesweit geklebte Plakate und war Teil einer großen Imagekampagne der Deutschen Bahn. Eigenmarketing für Millionen – teuer, aber überlebenswichtig: Bis zu 7000 Stellen muss die Deutsche Bahn jährlich neu besetzen – eine Mammutaufgabe, auch wegen des angestaubten Images des Ex-Staatskonzerns.

Die Aktion schlug an: In den ersten zwölf Monaten nach Ausstrahlung der Spots stieg die Zahl der Bewerbungen um 30 Prozent auf rund 200 000, 3,6 Millionen Menschen besuchten die Karriere-Web-Seite der Bahn, 1,3 Millionen schauten sich die Stellenbörse an.

Das Beispiel zeigt, was Unternehmen mit einer gut positionierten Arbeitgebermarke erreichen können – auch und gerade in Zeiten von Fachkräftemangel und einer alternden Gesellschaft.

Erfolgreich, aber unbekannt

Doch nicht alle Unternehmen können so aufwendig um neue Mitarbeiter buhlen – gerade kleinere Firmen in der Provinz, die zwar wirtschaftlich erfolgreich, aber unbekannt sind: Selbst wenn sie in ihrer Nische zu den Weltmarktführern gehören, gelingt es ihnen oft nicht, sich ausreichend Gehör im Wettbewerb um Talente zu verschaffen.

Die Gründe: Anders als Konzernen wie der Bahn oder McDonald’s fehlt ihnen das Millionenbudget für aufwendige Kampagnen. Und anders als etwa die Automobil- oder die Unterhaltungselektronikindustrie, Investmentbanken oder Beratungsunternehmen können viele dieser Hidden Champions neue Mitarbeiter weder mit bekannten Produkten, Spitzengehältern oder coolen Büros in hippen Metropolen wie Berlin, Hamburg oder München locken.

Das sind Europas beste Arbeitgeber 2014
Die Idee war einfach: Im Jahr 1981 nahmen zwei Wirtschaftsjournalisten in den USA den Auftrag an, ein Buch über die 100 besten Arbeitgeber des Landes zu schreiben. Daraus entstand das Institut Great Place To Work. In dem Buch stellten die beiden Journalisten in den Vordergrund, was einen guten Arbeitsplatz eigentlich zu einem guten Arbeitsplatz macht – und einen schlechten zu einem schlechten. Mittlerweile verfügt das Institut auch über eine Niederlassung in Deutschland und ermittelt auch die besten Arbeitgeber in Europa in drei Kategorien: multinationale Unternehmen, kleine und mittlere Unternehmen sowie nicht-internationale Großunternehmen. Wer die Sieger in den Kategorien sind – das Ranking zum Durchklicken. Quelle: Handelsblatt Online
Multinationale UnternehmenPlatz 10: MarsDie Mars Incorporated aus Virginia, USA, stellt nicht nur den gleichnamigen Schoko-Riegel und andere Süßigkeiten wie Milky Way oder M&M's her, sondern auch andere Lebensmittel wie den Uncle Ben's Reis und vor allem: Tierfutter. Marken wie Frolic, Whiskas oder Pedigree stammen allesamt aus dem Hause Mars. Außerdem kommen die Mitarbeiter in den europäischen Niederlassungen am zehntgernsten zur Arbeit. Um als Multinationales Unternehmen zu gelten, muss ein Konzern mindestens 1000 Mitarbeiter weltweit beschäftigen und mindestens 40 Prozent davon außerhalb des Heimatlandes. Um es zudem noch ins Ranking zu schaffen, muss das Unternehmen in drei europäischen Ländern unter den besten Arbeitgebern sein. Mars ist das gelungen. Quelle: AP
Platz 9: EbayDas größte Internetauktionshaus der Welt beschäftigt weltweit etwa 28.000 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von circa elf Milliarden Dollar. Zumindest für die Europäer unter diesen 28.000 scheinen die Geschäfte des Konzerns in angenehmer Arbeitsatmosphäre stattzufinden. Quelle: AP
Platz 8: DiageoDer Name des größten Spirituosenhersteller der Welt setzt sich zusammen aus „dies“, dem lateinischen Wort für „Tag“, und „geo“, dem griechischen Wort für „Welt“ – nicht, dass das von weiterführender Bedeutung wäre. Aus dem Hause Diageo kommen Marken wie Guiness-Bier, Johnnie-Walker-Whiskey und Smirnoff-Wodka. In Deutschland und Österreich beschäftigt der Konzern 180 Mitarbeiter. Ob die und ihre Kollegen aus Spanien, den Niederlanden, Irland und Großbritannien so gerne zur Arbeit kommen, weil sie die Produktpalette besonders gerne verkosten? Wer weiß. Falls ja, hat es dem Gewinn von Diageo bislang nicht geschadet. Im vergangenen Jahr machte das Unternehmen ein Plus von drei Milliarden Euro. Quelle: REUTERS
Platz 7: EMC Computer SystemsEMC ist das erste von vielen Software-Unternehmen unter den den Top Ten. Vom ursprünglich reinen Speicherhersteller hat sich EMC inzwischen zu einem Experten für Problemlösungen in Rechenzentren entwickelt, sowohl im Hardware- als auch Software-Bereich. So widmet sich der Konzern unter anderem auch Back-up Lösungen und der Informationssicherheit. Das Arbeitsklima dabei: Top-Ten-würdig. Quelle: Handelsblatt Online
Platz 6: Cisco SystemsDas Telekommunikationsunternehmen Cisco leitete seinen Namen von den beiden letzten Silben seiner Heimatstadt, San Francisco, ab. Vor allem als Anbieter von Routern und Switches sowie Verteilern, die Netzwerksegmente miteinander verbindet, hat sich Cisco einen Namen gemacht. Mitte der 1990er Jahre war das Unternehmen kurzzeitig sogar das teuerste der Welt. Die Arbeitnehmer stört der Verlust des Titels offenbar nicht. In Europa ist das Unternehmen des sechstbeliebteste Arbeitgeber. Quelle: dapd
Platz 5: NetAppNetApp wurde schon NetApp genannt, als das Unternehmen noch „Network Appliance“ hieß. 2008 benannte man sich offiziell um. Spezialisiert auf Datenspeicherung und Datenmanagement, gehört es zu den 1000 umsatzstärksten Firmen der USA, seine deutsche Niederlassung liegt in Kirchheim bei München. NetApp wurde bereits 2009 von dem Wirtschaftsmagazin „Fortune“ zum Top-Arbeitgeber in den USA gekürt und zahlt Gehälter weit über dem Durchschnitt. Das scheint auch die Zufriedenheit der Arbeitnehmer zu befeuern. Quelle: NetApp Quelle: Handelsblatt Online

„Aber gerade die jungen Talente zieht es aus der Provinz in die Städte“, sagt Armin Trost, Professor für Employer Branding an der Business School der Hochschule Furtwangen. Die Folgen der Landflucht: Mehr als 70 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen haben nach eigenen Angaben große Probleme, gut ausgebildete Mitarbeiter zu finden.

Laut EY Mittelstandsbarometer sind branchenübergreifend momentan rund 326.000 Stellen unbesetzt. Sechs Monate und länger dauert es, offene Stellen zu besetzen. Pro Jahr beträgt der Schaden durch so entgangene Aufträge mindestens 22 Milliarden Euro, schätzt das Institut der deutschen Wirtschaft (IW).

Familiäres Umfeld, flache Hierarchien

Dabei können sich knapp 70 Prozent der Studenten und Berufsanfänger vorstellen, bei einem Hidden Champion zu arbeiten, so das Ergebnis einer Studie der Agentur Serviceplan, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. Die befragten Absolventen und Jobeinsteiger vermuten gar konkrete Vorteile gegenüber Konzernen, wie familiäres Umfeld, flache Hierarchien und gute Aufstiegschancen.

„Eine attraktive Arbeitgebermarke ist in Zeiten des Fachkräftemangels sehr wichtig“, sagt Personalmarketing-Professor Trost, „Aber die Hidden Champions stellen ihr Licht oft unter den Scheffel und reden nicht genug über die tollen Sachen, die sie machen.“

Damit sich das ändert, ruft die WirtschaftsWoche zum großen Arbeitgeber-Award auf. Gemeinsam mit dem Prüf- und Zertifizierungsunternehmen Dekra suchen wir Unternehmen aller Branchen, die sich vorbildhaft auf die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter einstellen und das auch glaubhaft kommunizieren.

Die ersten Mutmacher im Mittelstand stellen wir Ihnen auf einer kleinen Deutschlandreise vor.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%