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Arbeitsorganisation bei WWFVom Panda lernen: So klappt flexibles Arbeiten auch nach Corona

Wie lässt sich flexibles Arbeiten auch nach dem Ende der Pandemie vernünftig organisieren? Unternehmen arbeiten weltweit an Lösungen. Ein Vorbild könnte die Betriebsvereinbarung der Umweltschutzorganisation WWF sein.Lars-Thorben Niggehoff 13.02.2022 - 11:39 Uhr

Mit dieser Betriebsvereinbarung verschafft der WWF seinen Mitarbeitern maximale Flexibilität im Homeoffice oder Büro.

Foto: Getty Images, Getty Images

Bald tritt die Welt in das Jahr drei der Homeoffice-Epoche ein, und nüchtern betrachtet muss gesagt werden: Manch eine Firma hat gehörig die Nase voll. Ein aktuelles Beispiel aus Großbritannien: Kaum verkündete Premierminister Boris Johnson vor rund zwei Wochen das baldige Ende aller Coronamaßnahmen, forderten Banken aus der Londoner City wie die Citygroup ihre Mitarbeiter auf, sich doch bitte bald wieder im Büro einzufinden. Die Zeit von Videokonferenzen und Heimarbeit, sie kann für manchen Manager wohl gerne gemeinsam mit der Pandemie auslaufen. Nur sehen Mitarbeiter das oft ganz anders.

Eine Studie des internationalen Meinungsforschungsinstitutes Kantar ergab neulich, dass fast drei Viertel der Beschäftigten nicht mehr täglich ins Büro möchten. Ohne Homeoffice-Option würden 40 Prozent sogar über einen Jobwechsel nachdenken. Es könnte damit in vielen Unternehmen bald ungemütlich werden: Sollten Firmen ihre Beschäftigten wieder ins Büro zwingen und so womöglich reihenweise Kündigungen riskieren – oder sollten sie ihnen ihren Willen lassen?

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Eberhard Brandes meint einen guten Kompromiss gefunden zu haben. Brandes, Jahrgang 1962, graumeliertes Haar, leitet zwar keine internationale Großbank. Aber als Deutschland-Chef der Nichtregierungsorganisation Word Wide Fund for Nature (WWF) ist er verantwortlich für gut 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Und früher als die meisten Unternehmen hat der WWF nun feste Leitplanken für das Arbeiten in einer Post-Corona-Welt eingezogen. Zwischen dem Management und der Belegschaft gibt es eine Betriebsvereinbarung, die klar regeln soll, wer wann und wo arbeitet.

„Wir haben festgestellt, dass wir alle sehr unterschiedliche Bedürfnisse haben, so dass unsere alte Betriebsvereinbarung nicht mehr ausreichte“, sagt Brandes. Herausgekommen ist ein Arbeitsmodell, das, so zumindest erklärt der WWF-Deutschland-Chef stolz, den Mitarbeitern ein enormes Maß an Flexibilität geben und gleichzeitig garantieren soll, dass keine Projekte auf der Strecke bleiben. Sollte dieser Balanceakt gelingen, dürften sich viele Unternehmen interessiert zeigen.

Der Vorteil motivierter Mitarbeiter


Der WWF war schon immer einer der Rockstars der NGO-Szene. Gegründet unter anderem von zwei europäischen Prinzgemahlen und einem Rockefeller, ist die Organisation mit dem Panda im Logo heute eine der bekanntesten Umweltschutzorganisationen der Welt. Für sein Markenbild und die Kommunikation gewann der WWF schon zahlreiche Preise.
„Einer unserer Vorteile ist, dass unsere Kolleginnen und Kollegen in der Mehrzahl sehr intrinsisch motiviert sind“, sagt Brandes. Niemand komme zum WWF, um nur einen Gehaltsscheck zu kassieren. „Entsprechend war unser Betriebsrat auch schnell bereit, mit uns gemeinsam eine Lösung zu entwickeln.“

Allerdings trägt auch der Idealismus beim WWF die Belegschaft nur bis zu einem gewissen Punkt, wie Ulrike Hellmessen, Leiterin Organisationsentwicklung, berichtet. „Geschlossene Schulen und andere Belastungen haben auch unsere Kolleginnen und Kollegen getroffen.“ Spätestens im Sommer 2020 sei dann auch absehbar gewesen, dass es ein einfaches Zurück zur alten Arbeitswelt nicht mehr geben werde. „Also wollten wir uns gemeinsam überlegen, wie wir die neue Realität vernünftig gestalten“, erklärt Hellmessen.


Mehr Freiheit, mehr Unterstützung

Eine neue Betriebsvereinbarung sollte helfen. Denn eine Mitarbeiterbefragung hatte die Problemlage klar gemacht: Ein One-Size-fits-All-Ansatz würde nicht ausreichen. „Ein Viertel der Kolleginnen und Kollegen will gar nicht mehr ins Büro, ein Viertel jeden Tag kommen, und etwa die Hälfte so zwei bis drei Tage“, erläutert die Organisationsentwicklerin. Nach einiger Überlegung sollen die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz nun dort einrichten dürfen, wo sie mindestens drei Tage arbeiten, egal ob zuhause oder in der Zentrale. Wer überwiegend zuhause arbeitet, bekommt flexible Arbeitsmöglichkeiten in der Zentrale.

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Noch wichtiger findet Eberhard Brandes aber eine andere Lehre, die der WWF aus der Pandemie gezogen hat. „Unsere Mitarbeitenden müssen offen damit umgehen können, dass sie alle verschiedene Lebenskonzepte und Bedürfnisse haben“, sagt der Deutschland-Chef. „Wir wollen ein organisiertes, besseres Miteinander von privaten und beruflichen Bedürfnissen gestalten.“ Gerade Eltern von jungen Kindern könnten nicht immer die Arbeit in den Vordergrund stellen. Das WWF-Management will den einzelnen Teams dazu reichlich Freiheit einräumen, solange die Erreichbarkeit und Arbeitsfähigkeit grundsätzlich gewährleistet ist. „So kann man ruhig erst um ein Uhr anfangen, nachdem die Kinder versorgt sind.“

Unternehmen ziehen gleich

Inwieweit das konkrete Modell des WWF für Unternehmen taugt, ist sicherlich diskutabel. Die Betriebsvereinbarung als Rahmen für Homeoffice-Praktiken setzt sich aber zunehmend durch. Die Autobauer Porsche und Volkswagen etwa haben jüngst solche verkündet, auch die Deutsche Bank einigte sich mit dem Betriebsrat. Immer geht es um die Frage, wie viel von Zuhause aus gearbeitet werden darf, und wie das ganze vergütet wird.

Eberhard Brandes kann einer New-Work-Zukunft durchaus etwas abgewinnen. „Ohne Dienstreisen und ähnliches sparen wir natürlich CO2, was für eine Umweltschutzorganisation gut passt“, sagt er. Und an Bewerbungsgespräche an der frischen Luft, etwa beim Spaziergang, könne er sich auch gewöhnen. „Die Atmosphäre ist viel lockerer, sie lernen die Bewerberinnen und Bewerber besser kennen.“ Ganz verzichten auf weiteren persönlichen Kontakt will er aber nicht. „Mitarbeitende nur über Zoom zu integrieren, das funktioniert nicht. Das werden wir nach der Pandemie zum Glück wieder anders handhaben.“

Mehr zum Thema: Das Coronavirus verändert die Arbeitswelt. Was verbirgt sich hinter dem Schlagwort „New Work“? Ein Themenschwerpunkt.

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