Autor Andreas Bachmeier Was der Mittelstand gegen „Unternehmerbashing“ tun kann

Autor Andreas Bachmeier beklagt „Unternehmerbashing“ in der Gesellschaft. Im Interview erklärt er, was Mittelständler dagegen tun sollten.

Der Autor ist Vorstand und Partner der Kommunikationsberatung Engel & Zimmermann. Quelle: Stefan Puchner / Engel & Zimmermann

DüsseldorfAndreas Bachmeier nutzt eine Workshop-Pause bei einem Kunden in der Nähe des Starnberger Sees, um über sein gerade erschienenes Buch „Unternehmerbashing - Wie eine gesellschaftliche Gruppe vom Idol zur Melkkuh und von der Melkkuh zum Feindbild wurde“ zu sprechen.

Als Vorstand und Partner der Kommunikationsberatung Engel & Zimmermann in Gauting hat er häufig mit Firmeninhabern zu tun. Dort trifft er auf die verbreitete Auffassung, dass Unternehmer meinen, „sie leisten etwas Besonderes, zahlen die meisten Steuern und tragen auch noch das ganze Risiko, zusätzlich setzt man seine eigene Familie der Öffentlichkeit aus“ Gleichzeitig beklagen die Firmeninhaber, dass Politik, Medien, NGOs und Gewerkschaften sich auf Kosten der Unternehmer profilieren.

Bachmeier teilt diese Analyse, spricht vom „Unternehmerbashing“ und davon dass sich Politik, Medien, NGOs und Gewerkschaften zum Kerngeschäft gemacht hätten, gegen Unternehmer zu sein. Der 40 Jährige sieht aber die Unternehmer selbst in der Pflicht, daran etwas zu ändern. Er selbst wollte schon als Schüler Unternehmer werden. Vor vier Jahren bekam er die Möglichkeit bei Engel & Zimmermann einzusteigen. Er verschuldete sich dafür und bereut es nicht.

Herr Bachmeier, wie kommen Sie darauf, dass das Unternehmerbild zurzeit an seinem Tiefpunkt angekommen ist?
Weil es sich so in der Breite der Gesellschaft verankert hat. Das fängt bei der Bürgerinitiative an, ohne die sie als Unternehmer keine Produktionshalle bauen können. Das geht über die Nichtregierungsorganisationen und Gewerkschaften und endet bei den Parteien wie der CDU. Auch dort sind doch die Fürsprecher des Unternehmertums immer rarer geworden.

Aber der CDU-Politiker Carsten Linnemann zum Beispiel meldet sich doch sehr häufig zu Wort….
Ja, aber zu höflich, das genügt nicht. Der Mittelständler, der etwas bauen will, ist mit wahnsinnig vielen Bürgergruppen konfrontiert. Und dann findet sich immer ein Politiker, der sich vor so eine Bürgerinitiative stellt und sagt: „Die Bürger müssen gehört werden.“

Aber das ist doch ein lokales Thema, Sie meinen doch eher bundesweit relevante Fragen?
Ja, aber es gibt eine Allianz der gefühlten Mehrheitsfähigkeit. Und der Rest ist die schweigende Mehrheit, die hat keinen Anlass für die Unternehmer in die Bresche zu springen. Deswegen haben die anderen ein so großes Gewicht.

Wenn Sie vom Tiefpunkt sprechen, welchen Zeitraum haben Sie betrachtet?
Die komplette Merkel-Ära. Der Trend zur Mitte in der Union hat da eine große Rolle gespielt, Unternehmer fühlen sich dort nicht mehr zuhause. Es ist für die Politik nicht interessant, weil es nicht mehrheitsfähig ist, sich für Unternehmer einzusetzen. Gleichzeitig wird die lokale Umgebung wieder wichtiger. Und drittens entfalten soziale Medien eine große Wucht, die Unternehmer schnell verurteilen.

Sie konstatieren: Medien, Politik und Öffentlichkeit seien sich schnell einig, dass Unternehmer schuld sind, dabei sind sie doch das freundliche Antlitz des Kapitalismus, im Gegensatz zu den gierigen Managern oder den beratungsresistenten in Großkonzernen?
Ja, aber man muss diese Unterscheidung auch mal breiter verankern, die Unternehmer müssen ein kommunikatives gemeinsames Gegengewicht schaffen. Die Verbände sind da bislang zu schwach.

Die Stiftung Familienunternehmen und der Verband „Die Familienunternehmer“ werden doch gehört und haben Einfluss offenbar zum Beispiel bei der Erbschaftsteuer…
Ja, aber auch wieder negativ, weil die Unternehmer so viel zu vererben haben. Wenn ein Unternehmer bereit ist, sich über seine Firma hinaus zu engagieren, dann in einem Verband, meist ein Branchenverband. Er macht da eher Öffentlichkeitsarbeit für seine Branche, aber nicht fürs Unternehmertum.

Aber genau das tun „Die Familienunternehmer“ und die Stiftung Familienunternehmen, sie stellen den Wert der Familienunternehmer für die Gesellschaft heraus und geben viele wissenschaftliche Studien zum Thema heraus…
Das werden Sie beim Handelsblatt wahrnehmen, aber die breite Masse? Ich bin da skeptisch. Sie haben nicht genug Gewicht, um ein gesellschaftliches Umdenken zu erzeugen.

Ja, aber als größter Arbeitgeber hierzulande haben die Mittelständler doch einen guten Ruf….
In der Provinz stimmt das, aber in der Stadt sieht das schon anders aus.

Sie stellen die intellektuellen Städter als ziemlich blöd da: Sie könnten nämlich Unternehmer und Konzerne nicht unterscheiden.
Nicht blöd, aber unwillig. Aber die Leute, die den Unternehmern das Leben schwer machen, lesen ja nicht das Handelsblatt. Im Alltag ist der Unternehmer ein sperriger Typ, der lebt lokal respektiert und geachtet. Aber er ist nicht Everybody's Darling. In vielen Medien wird so getan, als sei der Mittelständler eine Filiale von Lehman Brothers. Fragt man die Arbeitnehmer, die sind ja alle zufrieden dort, es gibt eine hohe Loyalität, die sich absolut unterscheidet von dem medialen Bild, das sonst gezeichnet wird.

Also müssten die Unternehmer ihre Mitarbeiter anhalten, für sie zu werben?
Nicht werben, aber für mehr Kommunikation als Gegengewicht zur veröffentlichen Meinung sorgen.

Schwarze Schafe prägen das öffentliche Bild der Wirtschaft und Sie verurteilen, dass die inhabergeführten Unternehmen schweigen und es daher kein Gegengewicht dazu gibt?
In den Medien heißt es doch: Keine Geschichte ohne Feindbild, und da eignen sich Unternehmer doch.

Aber nochmal: Sie sprechen in Ihrem Buch ja auch von den großen Skandalen bei Lehman Brothers oder VW, da sehen sich viele Unternehmer ja nur in Sippenhaft genommen, aber nicht direkt angegangen.
Aber die Meinungsmacht der NGOs ist so groß, dass es da eine Asymmetrie gibt, gegen die Unternehmer nicht ankommen.

Aber was sollen sie denn konkret tun?
Es fehlt in der Öffentlichkeit da ein Gegengewicht, um auch einmal zu einer Deutungshoheit zu kommen. Unternehmer müssen sich immer wieder täglich und auch mal lauter gegenüber Managern abgrenzen und die Bühne nicht nur Herrn Grupp überlassen. Mehr Unternehmer sollen auch Diskussionen führen, die unangenehm sind. Es ist ja naheliegend, sich ums Tagesgeschäft zu kümmern. Sie fragen sich: Soll ich nicht lieber drei Kunden anrufen, statt den Leuten das Unternehmertum erklären?

Sie fordern also für die Unternehmer mehr Einfluss auf Massenmedien?
Ja, sie müssen auf Augenhöhe kommen, ihre Meinungskraft ist viel zu gering, sie müssen es kommunikativ versuchen aus der Defensive zu kommen.

Aber den einen homogenen Mittelstand gibt es ja gar nicht, dazu zählen ganz kleine Firmen und der große industrielle Mittelstand…
Ja, aber trotzdem sollten sich Mittelständler zusammentun und sich mal drei Themen vornehmen und sich da medial mal breit aufstellen.

Da sind sie schnell bei dem Lobbyvorwurf...
Aber Interessenvertretung ist legitim, Lobbyismus hat Hinterzimmergeruch, darum geht es mir nicht. Aber wenn man eine offene und öffentlichkeitswirksame Interessenvertretung betreibt, dann ist das nicht negativ behaftet

Sie werfen aber den NGOs Lobbyismus vor?
Nein, sie vertreten auch ihre Interessen, sie leisten ihren Teil einer demokratischen Gesellschaft.

Und sie haben die besseren Kommunikationskanäle?
Ja, sie sind besser in der Lage Öffentlichkeit herzustellen. Außerdem haben sie den Vorteil immer als David gegen Goliath auftreten zu können.

Und Ihre Bestandsaufnahme bei den Unternehmern lautet: Diese glauben mit Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen sei genug getan. Sie handelten im Verborgenen. Was sollten sie denn kundtun?
Viele glauben, dass sie nicht mehr als das kommunizieren müssen, sie verstehen nicht, dass sie für ihr Unternehmen noch werben müssen.

Aber durch den Fachkräftemangel tut sich da doch viel…
Ja, da findet gerade ein Umdenken statt, dass man das eigene tun erklären muss. Es gibt da gute Beispiele, es gibt aber auch Gegenbeispiele, wo Unternehmen und Sparkassen sehr rückwärtsgewandt den Unternehmer aufs Podest setzen.

Das meinen Sie damit, dass die Unternehmer zu wenig selbstreflektiert sind?
Unter anderem. Sie sollten ihr Selbstbild korrigieren und sich weniger als nicht verstandener Sonderling, der ja so viel leistet, sehen, – das schreckt nämlich zunehmend auch Nachfolger ab – , sondern als Teil der Gesellschaft.

Sollen die Unternehmer einen neuen Verband gründen?
Nein, sie sollen die Verbände besser machen. Sie sollen den Hype um die Startups nutzen, um selbst zu erklären, dass ihre Vorgänger mal genauso Start-up-Gründer waren, wie es die heutigen sind. Heutige Gründer werden zu wenig mit dem Thema Unternehmertum verbunden, sondern als neues Phänomen gesehen.

Die Start-ups sind Kinder der Digitalisierung und viele Unternehmer müssen sich besser und schneller auf ihre Kunden einstellen in dieser Zeit der Digitalisierung, das bedingt doch schon viel mehr Kommunikation als früher. In Ihrem Buch sprechen Sie von einer Kommunikationsstrategie 2050, bis dahin passiert noch viel…..
Grob gesagt müssen Unternehmen mit der Gesellschaft synchronisiert werden. Die Gesellschaft muss wissen, was die Unternehmen tun und auch umgekehrt. Zurzeit ist es noch so, dass der gesellschaftliche Trend und das Handeln der Unternehmer auseinanderdriften.

Deswegen sehen sie zurzeit also den Tiefpunkt des Unternehmeransehens oder den Höhepunkt des Unternehmerbashings?
Ich glaube schon, dass die Situation so zugespitzt ist wie noch nie. Es war noch nie so gefährlich für einen Unternehmer, sich nicht um die Wahrnehmung zu kümmern. Die Breite der Bevölkerung war noch nie so weit weg wie heute. Wenn sie schauen, welche Themen in den letzten Wahlkämpfen eine Rolle spielen, dann ist das ein Zeichen gesellschaftlicher Verlorenheit.

Herr Bachmeier, vielen Dank für das Interview.

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