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Quelle: dpa

Die Zukunft kommt in Socken daher

Der Jahrhundertboom ist vorbei. Die Lage wird ungemütlicher. Wer überleben will, braucht genügend Reserven – und die Lust auf Anarchie.

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Mit oder ohne? Für viele Mittelständler ist es die Frage aller Fragen. Bis in den letzten Winkel des Landes hat sich herumgesprochen, dass die herkömmliche Businessuniform ausgedient hat. Jeder will jetzt ein bisschen locker sein, ohne etwas zu riskieren. Das Eintreten in die krawattenfreie Zone gilt als kalkulierbarer Bruch mit den Konventionen.

Das wird leider künftig nicht mehr reichen. An der Spitze der Bewegung zu stehen bedeutet inzwischen, alles zu geben, auch seine rahmengenähten Schuhe. Der Start-up-Chef von heute präsentiert Produkte gerne mal in Socken.

Ein bisschen schwanger ging noch nie, ein bisschen unkonventionell auch nicht mehr. Der Jahrhundertboom ist vorbei. Die Konjunktur flaut ab. Der Gebrauch des Wortes Rezession häuft sich. Und Starökonom Gabriel Felbermayr befürchtet gar eine Globalisierungspause. Für deutsche Weltmarktführer steht die Königsdisziplin vor der Tür: Angreifen im Abschwung. Wer schüchtern ist, scheitert. Dafür muss man sich mitunter mit Chaoten ins Bett legen, um am nächsten Morgen in einem neu geordneten Unternehmen zu erwachen. Die Lust auf Anarchie hilft, Verkrustungen über Bord zu werfen.

Viele haben das bereits begriffen. So mancher Traditionsunternehmer trifft sich ganz bewusst mit Start-ups, um von ihnen zu lernen, mit ihnen zu kooperieren oder sie gleich zu übernehmen. Dank der Frischzellenkur lassen sich die über Generationen entwickelten Fähigkeiten und Werte in eine zukunftsfähige Form bringen.

Ohne Risiko ist das nicht. Der Clash of Culture befruchtet entweder alle oder fruchtet gar nichts. Zum Glück sind die Deutschen gerade ausreichend solide finanziert, um den einen oder anderen Ausrutscher wegstecken zu können. Die Banken haben vor lauter Konkurrenzkampf beinahe alle Bedingungen in den Kreditverträgen weichgespült. Zudem saßen die Unternehmen noch nie auf so viel Eigenkapital wie heute. Sie haben ihre Lehren aus der letzten Finanzkrise gezogen. Laut einer Studie des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes konnte der Mittelstand über alle Branchen hinweg seine Eigenkapitalquote von 34,6 Prozent im Jahr 2008 auf heute 38,8 Prozent steigern. Das Vorsteuerergebnis verbesserte sich von 4,6 auf 6,1 Prozent.

Das macht widerstandsfähig und lässt Spielraum für Experimente. Für die hippen Socken braucht es übrigens nicht mal zusätzliche Mittel. Dafür sorgen ja die eingesparten Krawatten.

Diese 450 Unternehmen kämpfen um ausländische Märkte, kooperieren mit Start-ups, wagen mehr Vielfalt — und gehen neue Wege beim Klimaschutz:

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