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Bauunternehmen Johann Bunte Deutschlands umstrittenste Baufirma

Baufirma Johann Bunte: Vorstandschef Manfred Wendt geht keinem Streit aus dem Weg. Quelle: Frank Beer für WirtschaftsWoche

Der Mittelständler Johann Bunte aus Papenburg ist Deutschlands umstrittenste Baufirma. Und eine Macht bei öffentlich-privaten Partnerschaften. Nun verklagt das Unternehmen den Bund.

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Die gewonnene Schlacht um den JadeWeserPort freut Manfred Wendt noch heute. Als der Chef des Papenburger Bauunternehmens Johann Bunte über Deutschlands einzigen Tiefseehafen spricht, den seine Leute 2011 fertiggebaut haben, lehnt sich der 59-Jährige lächelnd auf seinem Stuhl nach vorne. Mit seinem Stift tippt er energisch auf dem Schreibtisch. Dieses Vergabeverfahren habe ihn „sehr beschäftigt“. Eigentlich sollte Konkurrent Hochtief den öffentlichen Bauauftrag ausführen. Doch Wendts Unternehmen klagte gegen die Vergabe, gewann und sicherte sich so ein 500 Millionen Euro teures Vorzeigeprojekt. „Das war ein riesiger Akquisitionserfolg“, sagt er und lacht triumphierend.

„Akquisitionserfolg“, so heißt das in Wendts Welt, wenn man mal wieder auf dem juristischen Weg gewonnen hat. Das müsse man „auch sportiv sehen“, sagt er, nachdem er die Anekdote genüsslich geschildert hat. „Natürlich muss man auch mal klagen, wenn man die Vergaberegeln auf seiner Seite hat.“ Wendts Stimme wird lauter: „Ich muss doch dafür kämpfen, dass unser Unternehmen Aufträge bekommt.“

So geht das oft bei Johann Bunte, Deutschlands wohl umstrittenstem Bauunternehmen. Der Mittelständler aus Papenburg im Emsland gilt als verlässlich in puncto Bauqualität, aber auch als hartnäckig bis angriffslustig, wenn es der Durchsetzung der eigenen Interessen dient. Und das bekommt nun auch sein bisher wohl größter Gegner, der eigentlich auch sein Partner ist, zu spüren: die Bundesrepublik Deutschland.

Denn Wendt hat Johann Bunte in seinen 20 Jahren als Geschäftsführer nicht nur von einem regionalen Tief- und Wasserbauer mit zweistelligem Millionenumsatz zu einem der bundesweit erfolgreichsten Bauunternehmen mit Aufträgen im Wert von einer halben Milliarde Euro pro Jahr gemacht. Wendt will den Mittelständler auch zum Vorreiter in einem Geschäft machen, das in Deutschland schwierig und wenn überhaupt Großkonzernen überlassen ist: Er will bei öffentlich-privaten Partnerschaften (ÖPP) nicht nur bauen, sondern auch mitfinanzieren. Erste Großprojekte sind gesetzt.

Doch da hakt es. ÖPP ist ein junges Thema in Deutschland, doch Megadeals im Fernstraßenbau sind politisch umstritten und sie geraten durch Klagen gegen den Staat unter Druck. Auch Johann Bunte mischt da mit. Und so sagt der Aufstieg des Emsländer Mittelständlers viel über den Zustand der Baubranche und ihr Verhältnis zur öffentlichen Hand aus. Der eine kann nicht ohne den anderen. Und ausgerechnet Auftraggeber Staat droht in die Defensive zu geraten.

Zum Beispiel auf der Autobahn 1 zwischen Hamburg und Bremen, an dem Johann Bunte beteiligt ist. Der Betrieb läuft nicht so wie gedacht. Über die Modalitäten bei einem der ersten ÖPP-Autobahnprojekte muss nun ein Richter entscheiden, weil Bunte und sein Projektpartner den Bund auf „Vertragsanpassung“ und „Mehrvergütung“ verklagen.

Die Geschichte der Klage Bunte gegen Bundesrepublik beginnt, als das Jahrtausend noch recht jung ist. Berlin möchte eine 73 Kilometer lange Autobahn-Teilstrecke zwischen Hamburg und Bremen auf sechs Spuren ausbauen. Wie der Zeitgeist es seinerzeit verlangt, will der Bund den Bau und Betrieb aber nicht selbst, sondern lieber zusammen mit privaten Partnern machen. Diese sollen anschließend rund 30 Jahre lang bis 2038 den Teilabschnitt betreiben und dafür die Einnahmen aus der Lkw-Maut kassieren. Auftragsvolumen: rund eine Milliarde Euro.

Bis dahin sind die wenigen ÖPP-Großprojekte meist ein Geschäft zwischen Konzernen und Behörden, Mittelständler kommen allenfalls als Erfüller von Teilaufträgen vor. Doch für den Bau-David aus Niedersachsen ist kein Projekt zu groß. Johann Bunte ist angriffslustig, solide finanziert und scheut keine Risiken. Also bewirbt man sich zusammen mit dem Baukonzern Bilfinger Berger und dem britischen Infrastrukturfinanzierer John Laing und erhält den Auftrag.

Johann Bunte baut das Teilstück exzellent, wird sogar drei Monate früher fertig als geplant. Doch ein Jahr nach Eröffnung 2007 bricht wegen der Finanzkrise der Verkehr dramatisch ein – und damit die Mauteinnahmen, mit denen die Projektgesellschaft A1 Mobil vergütet werden sollte. Mittlerweile droht A1 Mobil die Pleite. Die Gruppe, die inzwischen nur noch aus Johann Bunte und John Laing besteht, hat den Bund auf Zahlung von 778 Millionen Euro Entschädigung für die Mindereinnahmen verklagt.

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