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Champions des deutschen Mittelstands Die neuen Strategien der Weltmarktführer

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Christoph Beumer - Der Pausierer

Ein Ziel will Christoph Beumer noch erreichen: die Ausstattung von Flughäfen in den USA mit seinen Förderbändern. Dann reicht es dem 52-jährigen Unternehmer erst mal mit der Globalisierung. Tausende Koffer werden in den Vereinigten Staaten täglich von einem Gate zum anderen transportiert, und seine gleichnamige Firma im westfälischen Beckum hätte gerne einen Anteil daran. Vor einem Jahr kaufte er deshalb extra einen Konkurrenten auf, den US-Gepäckspezialisten Glidepath.

Zehn Jahre lang nahm Beumer alle Chancen mit, die die Globalisierung ihm bot. „Wachstum“, so lautete seine Mission, die er 2003 in einem Strategiepapier festschrieb. Für den Förderbänder- und Sortieranlagen-Champion bedeutete das: Wenn immer mehr Menschen und Waren um die Welt kreisen, müssen auch immer mehr Gepäckstücke, Pakete oder Baustoffe transportiert werden.

Der Unternehmer

Beumer-Gepäckanlagen transportieren Koffer auf der ganzen Welt

Also expandierte der Münsterländer. Beumer baute eine Produktion in China auf und drängte in die Schwellenländer vor. Unerschrocken von der aufziehenden Finanz- und Weltwirtschaftskrise kaufte er Konkurrenten in Dänemark, Indien und den USA auf. So wurde das Beckumer Unternehmen König der Transportbänder. Hunderttausende Koffer an den Flughäfen in Frankfurt, München, Kopenhagen oder Singapur wandern täglich über Beumer-Gepäckanlagen. Tausende Pakete laufen jeden Tag über Beumer-Transportbänder in Paketzentren der Deutschen Post oder des Konkurrenten DPD. Und Zigtausend Tonnen Baumaterial schieben jeden Tag über Beumer-Förderanlagen, zum Beispiel durch Werke von HeidelbergCement.

Mittlerweile beschäftigt das Unternehmen 4000 Mitarbeiter und macht 750 Millionen Euro Umsatz im Jahr – rund sieben Mal mehr als 2003. Der Boom des Online-Handels verleiht zusätzlichen Auftrieb. Um zwölf Prozent soll der Einkauf im Internet in Deutschland in diesem Jahr wachsen, prognostiziert der Handelsverband HDE. Dazu brauchen die Paketdienste größere Sortieranlagen.

Zeit für eine Atempause

Doch Beumer ist Realist: Er weiß, die Phase der aggressiven Internationalisierung muss zu Ende gehen. „So ein hohes Wachstum wie in den vergangenen Jahren werden wir erst mal nicht mehr sehen“, sagt der studierte Maschinenbauer. Die Einkaufstour ist vorerst beendet. „Wir sind finanziell gut aufgestellt. Aber wir dürfen uns nicht übernehmen.“

Außer den Flughäfen in den USA will Beumer vorerst keine neuen Märkte erobern. Es ist Zeit für eine Atempause. Das Unternehmen müsse nun im Inneren gestärkt werden, sagt Beumer.

Er will die Landesgesellschaften stärker zusammenschweißen und den Einkauf und Vertrieb weltweit vereinheitlichen, Reibungsverluste und Kosten gleichermaßen senken. Alle zwei bis vier Wochen fliegt der Maschinenbauer bei seinen Mitarbeitern in China oder Indien ein, um sich vor Ort von deren Fortschritten zu überzeugen.

Um die neue Phase der Globalisierung einzuläuten, hat Beumer ein neues Strategiepapier verfasst. „Internal Excellence for external succes“, heißt der Titel, „Interne Exzellenz für externen Erfolg“.

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