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Champions des deutschen Mittelstands Die neuen Strategien der Weltmarktführer

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Peter Lürßen - Der Jongleur

Mit seinen Erfolgen kann Peter Lürßen kaum werben. Dabei hat der Chef der Bremer Lürssen-Werft sogar einen Rekord aufgestellt. Sein Unternehmen hat die längste Yacht der Welt gebaut. Die Azzam ist mit 180 Metern fast so lang wie ein Marineschiff der Mistral-Klasse, das 700 Soldaten, 16 Hubschrauber und 40 Panzer aufnehmen kann. Im April 2013 lief die Azzam vom Stapel. Wer sie besitzt, was sie kostete – das alles darf Lürßen nicht sagen. Nicht einmal über technische Raffinessen oder die Ausrüstung mag er reden. Der Käufer – vermutlich ein saudischer Prinz - möchte es nicht.

Das Problem gehört für Lürßen zum Geschäft – wie die Fähigkeit, Flauten zu überstehen. Die erlebte die Werft seit ihrer Gründung vor 140 Jahren einige Male, zuletzt bei der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 und der folgenden Wirtschaftskrise. „Sie hat auch im Bereich Yachten zu erheblichen Einbrüchen geführt“, erinnert sich Lürßen, der das Familienunternehmen gemeinsam mit seinem Vetter Friedrich Lürßen leitet. „Aber es ist uns immer gelungen, schwierige Zeiten so früh zu erkennen, dass wir zusammen mit den Mitarbeitern kreative Lösungen gefunden haben.“

Lürßen produziert schon lange keine Frachter mehr

Die Krise der Frachtschifffahrt, die jetzt ins siebte Jahr geht, trifft Lürßen nicht. Die Familie gab den Bau von Frachtern schon in den Siebzigerjahren auf, als die Reeder solche Aufträge aus Kostengründen zunehmend nach Asien vergaben.

Fortan konzipierte die Werft Spezialschiffe. Zudem arbeiten die Lürßens seit den Fünfzigerjahren wieder für die Marine, ein Geschäftsfeld, das Ende der Siebzigerjahre so stark wuchs, dass den Eignern die Abhängigkeit von den Kanonenbooten unheimlich wurde. In manchen Jahren erwirtschaftete der Bereich bis zu 90 Prozent des Umsatzes.

Um sich den Militärs nicht total auszuliefern, zogen die beiden Cousins Ende der Achtzigerjahre eine neue Sparte hoch: den Bau großer Luxusyachten. Das erwies sich als weitsichtige Entscheidung. Denn mit dem Fall des Eisernen Vorhangs schrumpften die Militäraufträge, gleichzeitig orderten immer mehr Reiche Luxusyachten – bis zur Wirtschaftskrise 2008.

Nur Werften in Deutschland

Jetzt half Lürßen die Militärsparte. „Generell sind die Beschaffungsprogramme für Marinefahrzeuge und Küstenwachtboote sehr viel langfristiger“, sagt Peter Lürßen. „Wir tauschen die Beschäftigten je nach Auslastung zwischen Marine und Yachten aus.“

Der Unternehmer

Trotz Globalisierung besitzt Lürßen nur Werften in Deutschland. „Deren Leistungen machen aber heute nur 25 Prozent der Wertschöpfung aus“, sagt er. Die meisten Teile eines Schiffes kommen von Zulieferern, meist aus Deutschland. „Wir versuchen kleinere Betriebe in der Nähe an uns zu binden“, erklärt der Werftchef. Rund 1400 Mitarbeiter beschäftigt er derzeit, 600 bis 700 Millionen Euro setzt die Lürssen-Gruppe seit 2010 im Schnitt jährlich um.

"Wir haben stets darauf geachtet die Mitarbeiter beschäftigen zu können"

Zukäufe plant Lürßen nicht. „Wir sind über die Jahrzehnte eher organisch gewachsen“, sagt er. Übernahmen ergaben sich meist, wenn ein Kooperationspartner oder Zulieferer in Not geriet. Aber „wir haben stets darauf geachtet, die neuen Standorte auslasten und die Mitarbeiter beschäftigen zu können“.

Bisher geht Lürßens Konzept der zwei Sparten auf. Doch was tun, wenn in beiden Bereichen gleichzeitig das Geschäft abflaut, bei Marine und bei Yachten? „Diese Situation gab es noch nicht“, sagt Schiffbauer Lürßen, schiebt aber hinterher: „Dann müssen wir uns ganz schnell was einfallen lassen.“

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