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China, Vietnam, Indonesien Südostasien lockt immer mehr Investoren an

Niedrigere Kosten als in China, kräftiges Wirtschaftswachstum, doch vor allem der Beginn des Binnenmarktes im kommenden Jahr locken den Mittelstand in die Region.

Erfolg mit Hochdruck: Für den Vertrieb seiner Reinigungsgeräte hat Kärcher eine Tochtergesellschaft in Indonesien gegründet. Quelle: Kärcher

Denkt Christian von Daniels über die Anfänge der Aktivitäten seines Unternehmens in Vietnam nach, fällt ihm als Erstes China ein. „Dort zeichnete sich damals, Anfang der Neunzigerjahre, eine echte Knappheit an Arbeitskräften ab“, erinnert sich der Chef des Hemdenherstellers van Laack. Außerdem sei das Interesse von staatlicher Seite an dem mittelständischen Textilhersteller aus Mönchengladbach mit einem Jahresumsatz von fast 55 Millionen Euro in Vietnam viel größer gewesen als in China. Die Behörden rollten van Laack den roten Teppich aus und halfen unter anderem bei der Grundstückssuche für die neue Fabrik in Asien.

Statt wie so viele deutsche Textilhersteller irgendwo in einem der Industrieparks im Süden Chinas ein Werk hochzuziehen, pflanzte van Laack seine Fabrik 1993 also in einen Vorort der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi. Bei der Grundsteinlegung war der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder dabei. Mit 90 Näherinnen haben die Deutschen damals angefangen, heute sitzen an den Tischreihen der Fabrik mehr als 500. Die Hälfte seiner gesamten Jahresproduktion fertigt van Laack inzwischen in Vietnam. Zwei weitere Fabriken betreibt das Unternehmen in Tunesien und am Stammsitz in Mönchengladbach.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

An Vietnam schätzt von Daniels unter anderem Fleiß und Fertigkeiten der Näherinnen: „Sie haben sehr gute feinmotorische Fähigkeiten“, sagt der van-Laack-Chef, „weil die Beschäftigung mit hochwertiger textiler Fertigung in den Familien gepflegt wird.“ Zudem ist der gesetzliche Mindestlohn mit umgerechnet rund 120 Dollar nur etwa halb so hoch wie in China. Van Laack zahlt den Näherinnen bis zu 50 Prozent mehr und hat trotzdem noch niedrigere Lohnkosten als beim großen Nachbarn im Norden. Und die Fluktuation ist viel geringer: Im Schnitt bleiben die vietnamesischen Mitarbeiter sieben Jahre bei van Laack – in China undenkbar.

Reformen in Indonesien

Nicht nur Vietnam mit seinen fast 90 Millionen Einwohnern zieht wieder mehr Interesse deutscher Unternehmen auf sich. Diese blicken nach einiger Zurückhaltung während der Finanzkrise jetzt verstärkt auf Länder wie Indonesien, das zuletzt mit mehr als sechs Prozent Wachstum glänzte, nach Singapur, das vor allem beim Urheberrechtsschutz als sicherer Hafen gilt, und sogar nach Thailand, wo nach heftigen politischen Turbulenzen allmählich Ruhe einkehrt. Gut 600 deutsche Mittelständler haben inzwischen Niederlassungen in Thailand. In Vietnam sind es 280, in Indonesien 300 und in Singapur 1400.

„Nicht nur das stabile Wachstum sorgt dafür, dass Unternehmen aus Deutschland wieder stärker Südostasien ins Visier nehmen“, sagt Jochen Sautter. Der Unternehmensberater aus Schwaben lebt seit fast 18 Jahren in Indonesiens Hauptstadt Jakarta. Ende der Neunzigerjahre baute er dort für die L-Bank aus Baden-Württemberg das German Centre auf, das deutschen Mittelständlern den Markteinstieg im viertgrößten Land der Erde erleichtern soll. Heute berät Sautter mit seiner Prime Consultancy deutsche und europäische Unternehmen bei ihren Indonesien-Aktivitäten.

Die steigenden Kosten in China, sagt er, vor allem aber der Abbau von Zollschranken in den zehn Ländern der Vereinigung Südostasiatischer Länder (Asean) sorge für steigendes Interesse an der Region. 2015 werden alle Asean-Mitglieder ihre Zölle für fast alle Produktgruppen abgeschafft haben. Es entsteht ein einheitlicher Wirtschaftsraum mit rund 500 Millionen Konsumenten. Doch auch zwischen Südostasien und Europa werden die Zollhürden allmählich fallen: Die EU und Asean verhandeln über ein Freihandelsabkommen.

Vom Abbau der Handelsschranken und rasch wachsendem Wohlstand profitiert auch Kärcher. Der Hersteller hochwertiger Reinigungsgeräte aus dem baden-württembergischen Winnenden mit 2013 gut zwei Milliarden Euro Umsatz hat seit 2013 eine eigene Niederlassung in Indonesien, der größten Volkswirtschaft Südostasiens. Bauen lässt Kärcher seine Reinigungsgeräte weiter in China. „Zwischen Indonesien und China gibt es Zollvorteile wegen eines bilateralen Handelsabkommens“, sagt Kärchers Indonesien-Chef Roland Stähler. „Da lohnt sich der Transport.“

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