Christian Vollmann Was der e-Darling-Gründer als Nächstes vor hat

Vielfachgründer Christian Vollmann hat selbst erfahren, wie wichtig Netzwerke für den Unternehmenserfolg sind. Für seine neueste Idee, Nachbarn miteinander zu vernetzen, hat er sogar seinen festen Manager-Job gekündigt.

Nebenan.de-Gründer Christian Vollmann. Quelle: Götz Schleser für WirtschaftsWoche

Nein, so richtig idyllisch ist die Nachbarschaft des Unternehmens nicht. In der Umgebung des Berliner Bahnhofs Ost herrscht die vielerorts übliche Gewerbegebiets-Tristesse: Es gibt einen Trucker-Imbiss, eine Tankstelle und viele Lagerhallen.

Und doch will Gründer Christian Vollmann aus einem dieser Backsteingebäude heraus die Menschen im Land näher zusammenbringen, eine neue Nachbarschaftskultur schaffen. Zumindest digital sollen die Bewohner von Vororten und Kiezen sich näherkommen. Das von ihm mitgegründete Internetportal Nebenan.de bringt die Nutzer in einem Wohngebiet über eigene Nachrichten, einen Marktplatz und einen Veranstaltungskalender miteinander in Kontakt. Berlin, Hamburg, München und Düsseldorf hat Vollmann bereits abgehakt. Damit fehlen immer noch rund 90 Prozent des Landes. Vollmann ist fest entschlossen, auch die noch mit seinem Projekt zu erreichen.

Das Knüpfen von Netzwerken war schon immer ein wichtiges Erfolgsrezept in der bisherigen Karriere des Vielfachunternehmers. In der Berliner Start-up-Szene kennt man ihn. Anfang des Jahrtausends hat er als Praktikant bei Alando angefangen, einem von den heute für den Inkubator Rocket Internet bekannten Samwer-Brüdern gegründeten Internetauktionshaus. Alando verkauften die Samwers an Ebay. Vollmann tat es ihnen nach. Er gründete die Kontaktbörse e-Darling und die Onlinevideothek MyVideo, verkaufte sie und verdiente damit Millionen.

Sein persönliches Netzwerk ist weit verzweigt: Vollmann engagiert sich im Alumni-Netzwerk der Managementschmiede WHU, im Vorstand des Bundesverbands Deutsche Startups sowie im Beirat für Wirtschaft und Technologie des Bundeswirtschaftsministeriums. „Bring dich in die Szene ein, dann erhältst du auch etwas zurück“, lautet sein Motto. Dazu zählt auch, dass man einem alten Bekannten bei einem Kaffee in der Mittagspause mit unternehmerischem Rat zur Seite steht. Manchmal gehe es auch einfach nur darum, die richtigen Leute zusammenzubringen: „Wenn ich jemandem selbst nicht helfen kann, leite ich das Anliegen weiter.“ So entstehen Netzwerke.

Als Investor achtet Vollmann darauf, dass die Kennzahlen der Unternehmen stimmen. Vor allem aber darauf, dass Unternehmer „für ihre Idee brennen.“ In Nebenan.de hat er eigenes Geld investiert, zudem haben der Münchner Burda Verlag, Investor Klaus Hommels und zahlreiche Business Angels Geld in das Portal gesteckt. „Ich wollte beide Brillen aufhaben: die des Gründers und die des Investors“, sagt er. Seine alte Stelle als Vertriebsmanager, die er von 2014 bis 2015 beim Wissenschaftsnetzwerk ResearchGate hatte, gab er dafür auf: „Das war der falsche Job für mich. Ich bin Unternehmer, kein Manager.“

Daran scheitern Start-ups
Die Chance als einzelner Gründer Investoren zu finden, ist verschwindend gering. Quelle: Fotolia
Einen ungünstigen Standort wählen Quelle: Fotolia
Eine Nische wählen Quelle: Fotolia
Gründer-verkalkuliert-sich Quelle: Fotolia
Eine kreative Idee nachahmen Quelle: Fotolia
SturheitMangelnde Anpassungsfähigkeit kann Start-ups zerstören. Denn starre Prinzipien können Gründer blind machen, so Autor Vital. Durch diese Sturheit könnten sie leicht übersehen, was Anwender ihnen mitteilen wollen. Quelle: Fotolia
Einen schlechten Programmierer anheuernBesonders gute Programmierer sind Mangelware - deshalb werden oft die Inkompetenten eingestellt. Wer hier nicht in der Lage ist, die Spreu vom Weizen zu trennen, kämpft auf verlorener Front. Kompetente Programmierer sollten deshalb von fähigen Experten oder einem kompetenten Team ausgewählt werden. Quelle: Fotolia
Die falsche Plattform wählenDas Wachstumspotential des Start-ups wirkt sich maßgeblich auf den Unternehmenserfolg aus. Mit der falschen Plattform können Gründer schnell in einen Engpass geraten. Verbraucher bringen oftmals nicht die nötige Geduld auf und warten, bis vorhandene Probleme behoben sind. Quelle: Fotolia
Träger MarkteintrittVor der Produkteinführung tappen Gründer im Dunkeln darüber, ob ihr Start-up zum Erfolg wird. Je länger der Markteintritt aufgeschoben wird, desto mehr verzögert sich die Reaktion auf die Firmengründung. Stellen Sie sich die Frage nach dem Grund für die Verschiebung. Quelle: Fotolia
Verfrühter MarkteintrittEine zu frühe Produkteinführung auf dem Markt kann sich ebenfalls negativ auswirken, wenn Gründer noch nicht für schnelles Wachstum gewappnet sind oder - noch schlimmer – kein benutzbares Produkt vorstellen können. Quelle: Fotolia
Die spezifische Zielgruppe fehltIrgendwo wird sich irgendwer schon für Ihr Produkt interessieren. Sie wissen nur noch nicht, wer das sein soll? Klingt, als würde es diese Leute nicht geben. Machen Sie sich im Vorfeld bewusst, welche Zielgruppe das Produkt ansprechen soll. Quelle: Fotolia
Zu wenig verfügbare Geldmittel Von nichts kommt nichts. Sind die Geldmitteln zu spärlich, kann das volle Potential des Produktes nicht ausgeschöpft werden. Quelle: Fotolia
Zu viel Geld ausgebenGründer, die zu viel Geld ausgeben, bevor sie genug gespart haben, können die nächsten nötigen Investitionen nicht stemmen. Das Geld schwindet. Der Anfang vom Ende. Quelle: Fotolia
Zu viel Geld beschaffen Quelle: Fotolia
Schwaches Investor-Management Wer die Wahl hat, sich zwischen Investoren und Verbrauchern zu entscheiden, sollte sich in jedem Fall für den Verbraucher einsetzen. Sobald die Kunden zufrieden sind, werden auch die Investoren dankbar sein, da sie auf diese Weise ebenfalls Geldgewinne erzielen. Quelle: Fotolia
Sich für Gewinne statt den Verbraucher einsetzenGeld können Gründer immer noch später verdienen. Den Verbraucher glücklich zu machen, sollte dagegen immer an erstes Stelle stehen. Schließlich steht und fällt das Start-up mit ihm. Quelle: Fotolia
Die Hände nicht schmutzig machenNicht alle Probleme lassen sich mit netten Umschiffungen lösen. Geschäftsbeziehungen beruhen auf persönlichen Beziehungen. Gehen Sie unangenehmen Gesprächen nicht aus dem Weg und treffen sich unter vier Augen mit Geschäftspartnern, rät Vital weiter. Quelle: Fotolia
Streit zwischen GründernStreit zwischen Gründern kommt nicht selten vor. Da ihr Wesen von Natur aus ehrgeizig ist, vertreten sie fast zwangsläufig unterschiedliche Ansichten. Quelle: Fotolia
Halbherziger Ehrgeiz Nicht selten stellt mangelnde Entschlossenheit einen Grund für das Scheitern von Start-ups dar. Sollten neben der Gründung des Start-ups andere Berufsperspektiven in Frage kommen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Gründer unterbewusst noch an ihnen festhalten. Quelle: Fotolia

Hat er eine neue Idee, testet er sie ausgiebig, bevor er Investoren sucht. Dabei setzt er auf das sogenannte „Pretotyping“, ein Kombiwort aus „pretend“ (vortäuschen) und „Prototyping“. Mit der Technik wird ein Produkt möglichst kostengünstig als Probeversion hergestellt, um anschließend für eine Weile so zu tun, als würde man es schon verwenden. Das klappte auch bei Nebenan.de: „Ich habe damals eine günstige Internetseite aufgesetzt und bin dann durch meine eigene Nachbarschaft gegangen, um nach E-Mail-Adressen zu fragen.“ Von 20 befragten Haushalten erhielt er damals 19 Kontaktdaten – und machte sich an die Arbeit, seine Idee im großen Maßstab umzusetzen.

Wie Sie erfolgreich netzwerken

Eine Vorgehensweise wie aus dem Lehrbuch, findet der Düsseldorfer Gründungsberater Nikolaus Paffenholz. „Wenn ein angehender Unternehmer seine Idee Außenstehenden leicht vermitteln kann und sie dort Anklang findet, hat er schon die erste wichtige Hürde gemeistert.“ Denn auch Banken und Investoren wollen das Geschäftsmodell verstehen, bevor sie Kapital geben.

Für Nebenan.de hat sich Christian Vollmann zudem fünf Mitgründer ins Boot geholt. Denn mit Alleingründungen hat er eher schlechte Erfahrungen gemacht: „Es gibt dann niemanden, der einen in schwierigen Zeiten wieder nach oben zieht“, sagt er. Das gesamte Team von Nebenan.de zählt inzwischen 35 Mitarbeiter – nicht wenige davon hat Vollmann durch seine zahlreichen Netzwerke akquirieren können.

Und wer weiß: Vielleicht findet er den Gründungspartner für sein nächstes Projekt ja direkt in seiner Nachbarschaft.

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