Der Fall Hertha BSC Das große Missverständnis

Hertha-BSC Investor-Lars Windhorst auf einer Pressekonferenz 2020. Quelle: dpa

Der Fußballclub aus Berlin liegt im Clinch mit seinem Investor Lars Windhorst, der viel Geld gab aber trotzdem kaum Einfluss hat. Der Vorgang ist ein Warnschuss für Vereine und potenzielle Investoren.

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Zunächst einmal sind die Bedingungen zu denen Privatleute oder Unternehmen bei einem deutschen Profiverein einsteigen können, durch die 50+1-Regel der Deutschen Fußball-Liga ziemlich klar geregelt.

Sie besagt, dass Investoren zwar die Mehrheit der Anteile einer Kapitalgesellschaft halten dürfen, in die ein Verein seine Profimannschaft ausgegliedert hat. Die Mehrheit der Stimmen steht ihnen allerdings nicht zu. Damit soll verhindert werden, dass Großunternehmen oder Oligarchen in Deutschland Profimannschaften kontrollieren können, wie es in anderen Ländern der Fall ist.

So hat Hertha etwa seine Profiabteilung in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien ausgelagert – die Hertha BSC GmbH & Co KGaA. Der Investor Lars Windhorst erwarb über seine Holding Tennor zwischen 2019 und 2021 die Mehrheit der Aktien an dieser Gesellschaft. In Summe investierte er rund 375 Millionen Euro in den Fußballclub. Im Gegenzug durfte er Posten im Aufsichtsrat und im Beirat besetzen. Über beide Gremien kann er die KGaA kontrollieren und gemeinsam mit anderen Mitgliedern beispielsweise Investitionen mitsteuern. Nur eines kann er nicht: Einfluss auf das Tagesgeschäft nehmen. Denn die Geschäfte der KGaA führt eine GmbH und die wiederum gehört zu 100 Prozent dem Verein. Obwohl die Regeln klar sind, gab es darüber immer wieder Streit. Werner Gegenbauer, der in dieser Woche als Präsident von Hertha BSC zurücktrat, sagt: „Einem Investor, der so viel Geld gibt wie Tennor, muss klar sein, wo sein Einfluss beginnt und wo er aufhört.“ Mit der Investmentgesellschaft KKR, die vor Windhorst bei Hertha engagiert war, habe es darüber nie Streit gegeben.

Dabei schien Windhorst zu Beginn der ideale Partner für Hertha. Er hinterließ den Eindruck, dass er keine schnellen Dividenden einstreichen will, sondern auf eine langfristige Wertsteigerung seines Engagements setzt – unter Umständen gekrönt mit einem Börsengang der KGaA. Mit ihm als Investor müssten sie also nicht jedes Jahr Gewinn erwirtschaften, so die Idee. Der Alltag soll sich dann aber anders dargestellt haben. Gegenbauer sagt: „Wenn jemand vorgibt, langfristig investieren zu wollen und gleichzeitig mehr Einfluss auf die sportliche Aufstellung eines Vereins verlangt, dann ist klar: Er will kurzfristige Erfolge erzielen. Damit führt er Vereinsmitglieder und seine eigenen Kapitalgeber hinters Licht.“

Ein Vertrag regelt den Alltag nur bedingt

Damit Klarheit herrscht, was der Investor darf und was nicht, hätten sie mit Windhorsts Firma Tennor „eine klare Investitionsvereinbarungen geschlossen“, sagt Gegenbauer. Diese Vereinbarung sah unter anderem ein regelmäßiges Reporting über die Finanzlage des Vereins vor und auch in welche Bereiche die 375 Millionen Euro der Tennor investiert werden. An diese Vereinbarung „haben wir uns gehalten“, sagt Gegenbauer. Ein Bericht des Wirtschaftsprüfers Mazars bestätigt dies inzwischen. Dennoch kam es zum Zerwürfnis, der darin mündete, dass Windhorst öffentlich kundgab, nicht genau zu wissen, was mit seinem Geld geschehen sei.

Der Fall Hertha zeigt, wie schmal der Grat für einen Verein ist, der sich auf einen Investor einlässt. Einem Geldgeber dürfte es regelmäßig kaum zu vermitteln sein, dass er zwar viel Geld geben, im Tagesgeschäft aber nicht mitreden darf – vor allem dann nicht, wenn es sportlich schlecht läuft, so wie bei Hertha. Mit den Windhorst-Millionen sollte der Mittelklasse-Verein entschuldet, durch Investitionen in den Kader aber auch zum sportlichen Erfolg geführt werden. Doch das gelang nicht. Stattdessen spielte Hertha gegen den Abstieg. Erst am Montag, im zweiten Relegationsspiel gegen den Hamburger SV, konnten die Berliner den Klassenerhalt sichern. Windhorsts Investment verpuffte. Seine Anteile wurden eher weniger als mehr wert. Der Investor machte die Vereinsspitze um Gegenbauer für die Misere verantwortlich.

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Hertha könnte nun gut noch eine Kapitalspritze gebrauchen und Windhorst hat in den vergangenen Monaten auch angedeutet, noch einmal Geld geben zu wollen. Im Verein kursiert ein Betrag von 150 Millionen Euro. Innerhalb des Vereins wird allerdings auch damit gerechnet, dass Windhorst nur dann noch einmal Kapital nachschießt, wenn er im Gegenzug mehr Einfluss erhält.

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