Deutschland im Visier Chinesen kaufen in Europa so viele Firmen wie nie

Europa ist bei chinesischen Investoren so beliebt wie nie zuvor: Allein im Jahr 2013 kauften Investoren aus China und Hongkong 120 Unternehmen oder Beteiligungen in Europa.

Chinesen machen im deutschen Mittelstand fette Beute
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In den vergangenen zehn Jahren haben chinesische Unternehmen ihre Aktivitäten in Europa Jahr für Jahr ausgeweitet: 2004 wurden lediglich 34 Deals in Europa gezählt - sieben davon in Deutschland. Im Vorkrisenjahr 2007 waren es schon 51 - fünf davon in Deutschland. Seitdem hat sich die Zahl der Deals in Europa mehr als verdoppelt – in Deutschland sogar verfünffacht. Im vergangenen Jahr kauften Unternehmen aus dem Reich der Mitte jeweils 25 deutsche und britische Firmen.

Damit sind Deutschland und Großbritannien die mit Abstand beliebtesten Investitionsziele chinesischer Investoren. Im Vorjahr hatte Deutschland mit 26 Transaktionen noch leicht die Nase vorn gehabt, in Großbritannien wurden 2012 insgesamt 23 Deals gezählt. Erst mit deutlichem Abstand folgten 2013 Frankreich (15) sowie Italien und Schweden (jeweils 7) als Zielländer.

Chinesische Unternehmen waren im vergangenen Jahr der sechstgrößte Investor in Deutschland und der zweitgrößte außereuropäische Investor – hinter den USA, die sich mit 92 Transaktionen in Deutschland bei weitem am stärksten engagiert haben. Das sind Ergebnisse einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY.

Mehr Geld für deutsche Unternehmen

Yi Sun, Partnerin bei EY Deutschland und Leiterin der China Business Services Deutschland, Österreich und Schweiz, sieht vor allem zwei Gründe für das deutlich gestiegene Interesse chinesischer Unternehmen an Europa: „Die Werkbank der Welt zu sein genügt den chinesischen Unternehmen schon lange nicht mehr. Sie wollen selber im Ausland expandieren und sich neue Märkte erschließen. Zudem verfolgen sie das Ziel, sich verstärkt als Innovatoren zu positionieren – und benötigen dazu den Zugriff auf europäisches Know-how.“

Investoren aus Fernost schätzen Industrieunternehmen

Entsprechend zielen die meisten M&A-Deals chinesischer Unternehmen auf die europäische Industrie (24) bzw. auf die Automobilindustrie (13). Weitere Schwerpunkte liegen auf der Konsumgüterindustrie (21) und der Immobilienbranche (10). 

Gerade in Deutschland interessieren sich chinesische Investoren vorrangig für Industrieunternehmen, insbesondere für Automobilzulieferer. „Chinas Autobranche drängt auf den Weltmarkt und benötigt dafür das Know-how, die kompetenten Mitarbeiter und die Netzwerke europäischer und insbesondere deutscher Automobilunternehmen“, beobachtet Sun. 

„Dass die Zahl der Transaktionen in Deutschland im vergangenen Jahr nicht weiter gestiegen ist, ist keineswegs ein Anzeichen für fehlendes Interesse bei den chinesischen Investoren“, kommentiert Sun. Tatsächlich hätten chinesische Investoren bei mehreren großen Transaktionen im oberen dreistelligen Millionenbereich mitgeboten. Da sie jedoch nicht zum Zuge kamen, wurde das Interesse der Chinesen an diesen Transaktionen in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen.

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