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Die Höhle der Löwen – eine Bilanz Warum der „Kaffeefilter to go“ keine gute Idee ist

Heute endet die zweite Staffel von „Die Höhle der Löwen“. Bei der Start-up-Show warben Gründer im TV für eine Mathe-App oder Hundefutter für null Euro. Zwei Kandidaten wollten für ihre Idee gleich mal zwei Millionen Euro.

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Der Deal mit dem bisher höchsten Betrag scheiterte in der zweiten Staffel. Quelle: PR

Düsseldorf Wenn er beim Spaziergang andere Hunde links liegen lässt oder den Postboten nicht anknurrt wie er es an anderen Tagen gerne macht: Dann verdient der beste Freund des Menschen ein Leckerchen, genauer gesagt einen „Premium Fleischstick“ oder einen „Cookie Goodies Geflügel“ und das für unschlagbare null Euro – zumindest wenn es nach Marvin Kruse geht.

Was sich eher nach einem ungewöhnlichen Low-Budget-Konzept anhört als nach einem tüchtigem Geschäftsmodell, ist dem 27-jährigen Gründer von Pfotenheld ernst. Gut angekommen ist Kruses Start-up in der „Höhle der Löwen“ (DHDL) nicht; der Vox-Sendung, in der sich immer mehrere Gründer fünf berühmten Investoren zum Fraß vorwerfen und ihre Ideen vorstellen:

Seriengründer Frank Thelen, Event-Unternehmer Jochen Schweizer, Touristik-Veteran Vural Öger, Jung-Unternehmerin und Jung-Politikern Lencke Steiner und Teleshopping-Queen und Kosmetik-Unternehmerin Judith Williams entscheiden dann, ob und zu welchen Konditionen sie investieren.

An diesem Dienstag läuft die elfte und letzte Folge der zweiten Staffel von DHDL. Bereits seit der ersten Staffel im vergangenen Jahr treffen sich Fans zum Rudelgucken oder twittern mit dem Hashtag #DHDL.

Ähnliche Phänomene gibt es sonst nur bei Formaten wie dem ARD-Tatort oder Shows wie „Ich bin ein Star, holt mich hier raus!“ und „Germany’s Next Topmodel“. Rund zwei Millionen Zuschauer sahen jeden Dienstagabend die Sendung rund um Investoren und Geschäftsideen.

Auch 2016 soll es weiter gehen. Vor einer Woche erhielt die Sendung den von den Industrie- und Handelskammern gestifteten Ernst-Schneider Preis in der Kategorie „Innovation/Unterhaltungssendung“.

Wirtschaftliche Zusammenhänge würden spannend, unterhaltsam und allgemein verständlich vermittelt. Darüber hinaus ist die Sendung in der Sparte Fernsehunterhaltung nominiert für die Auszeichnung der deutschen Akademie für Fernsehen. Die Preisverleihung findet am 28. November statt.

Insgesamt haben in der aktuellen Staffel 69 Start-up-Gründer ihre Produkte angepriesen, darunter waren auch zwei Brüder unter 20 Jahren. Maxim (19) und Raphael Nitsche (18) haben die Nachhilfe-App Math 42 entwickelt, die Schülern und Studenten komplizierte Rechenaufgaben detailliert erklären soll. 20 Prozent wollten sie abgeben. Dafür wollten sie zwei Millionen Euro.

Das wäre der Deal mit dem bisher höchsten Betrag gewesen und Vural Öger und Frank Thelen wollten zunächst die zwei Millionen Euro zahlen – allerdings für 30 Prozent der Firmenanteile.

Doch dann machten sie einen Rückzieher. Es schien, als hätten die Investoren Angst vor dem Vater der beiden Jungs. Thomas Nitsche führt als Geschäftsführer das Start-up seiner Söhne. Denn: Als den beiden die Idee für Math 42 kam, waren sie noch gar nicht volljährig. Im Interview mit „Gründerszene“ sagt Maxim Nitsche, es sei nicht alles Wichtige von der dreistündigen Verhandlung mit Öger und Thelen gezeigt worden.


Geld für Schoko-Puzzle?

Unterkriegen lassen sich die jungen Gründer offenbar nicht: Laut „Focus Online“ entwickeln Maxim und Raphael Nitsche eine Premium-Version der App auf Abo-Basis, welches monatlich zwischen 2,99 Euro und 8,99 kosten soll. Aktuell kann man Math 42 noch kostenlos herunterladen.

Jeder Gründer oder jeder, der schon mal eine Verhandlung geführt hat, weiß: Mit Investoren beziehungsweise Verhandlungsgegnern kann es durchaus zum Streit kommen. So kam es auch in der ersten Staffel DHDL zu mehreren Eklats. Einer davon war der Pitch von Knüppelknifte, einem Gastronomie-Start-up aus Bochum. Idee: Lagerfeuer-Atmosphäre an den Tisch bringen, Stockbrot im Großstadtleben eben. Erik Schwarzer und Florian Hermann wollten 200.000 Euro einsammeln. Dafür hätten sie dem oder den Löwen 15 Prozent ihres Gewinns aus dem ersten Jahr abgegeben.

Ein „Nein“ gab es nicht, dafür ein „Nicht so“. Die Star-Investoren schlugen vor, Knüppelknifte zum Mini-McDonalds zu machen. Schwarzer und Hermann dankten und gingen. Ohne Deal. „Man kann auf zwei Wegen Geld verdienen: mit Masse oder mit Qualität“, sagte Schwarzer damals im Gespräch mit dem Handelsblatt. In der zweiten Staffel hatten er und Hermann einen Gastauftritt.

Deals hingegen gab es dieses Mal einige. Wobei nicht jeder Deal, der gezeigt wurde, am Ende auch einer war. Beata und Chris Bahr hatten das Investment von Vural Öger sicher: Er wollte 150.000 Euro für 33 Prozent von Coffee Bags zahlen, einem Unternehmen für gefüllte Kaffeefilter to go: In die Tasse hängen, heißes Wasser drüber schütten, fertig. Doch letztendlich habe eine langfristige Bindung nicht funktionieren können, hieß es seitens der Bahrs einen Tag später im Interview mit „Wirtschaftswoche Gründer“.

Wie viele Start-ups beim Staffelfinale Kapital erhalten, zeigt sich am Dienstagabend. Unter anderem soll es um ein Unternehmen gehen, das Puzzle und Memory-Spiele aus Schokolade herstellt. Wenn der Gründer die Löwen für sich gewinnen kann, dann womöglich auch deshalb, weil er nicht nur mit den 5,99 Euro Versandkosten Geld verdienen will – so wie Marvin Kruse mit seinem Hundefutter.

Kruse bekam kein Investment von den Löwen. Vural Öger bezeichnete das Konzept gar als „lächerlich“. Allein aufgrund der Tatsache, dass ein Paket für zwei Kilogramm bei DHL schon knapp fünf Euro kostet – abgesehen von Lohn- und Produktkosten – ist es fraglich, wie Kruses Modell funktionieren soll. Immerhin haben er und die rund 68 anderen Start-ups aus der zweiten Staffel eines erreicht: Aufmerksamkeit.

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