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Digitale Revolution Telekom-Chef Höttges rüttelt den Mittelstand wach

Viele Mittelständler sind überzeugt, bei der digitalen Revolution gut aufgestellt zu sein. Telekom-Chef Timotheus Höttges beweist ihnen auf dem Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall das Gegenteil.

"Schätzen Sie doch mal, wie viel los ist im Internet pro Minute", fordert der hochgewachsene Timotheus Höttges die rund 400 Unternehmer im Auditorium auf. Eine rhetorische Frage. Denn dann schießt der Telekom-Chef schon wie aus der Pistole los: "Zur gleichen Minute laufen über das Internet vier Millionen Suchanfragen, 433.000 Tweets, 204 Millionen Mails, 72 Stunden Filme werden runtergeladen, 25.000 Waren geordert und noch mehr."

Das Publikum staunt und Höttges lächelt: "Meine Damen und Herren, das ist kein Spielzeug mehr, dass ist richtiges Big Business." Schade nur, findet der Telekom-Chef, dass die anderen, vorzugsweise die Amerikaner, daran das große Geld verdienen. So zeigten die neuen Apple-Zahlen dieser Woche, dass der Konzern 326.000 Dollar verdiene - pro Minute.

Telekom-Vorstand Höttges zum Stand der Digitalisierung


Nachdem die deutschen Unternehmen schon das Geschäft zwischen Unternehmen und Konsumenten verpasst hätten, liefen sie gerade Gefahr, auch die Kommunikation und Order unter Geschäftspartnern zu verschlafen. Das hört der schwäbische Mittelstand nicht gerne. Doch Höttges legt nach: "Bei der Softwareoptimierung für die Industrie 4.0 sind Sie sehr gut aufgestellt, aber die Wertschöpfung geht doch an den Deutschen vorbei."

"Die Revolution wird gnadenlos kommen"

Um das zu ändern, appelliert Höttges an die Unternehmerschaft, endlich vier Schritte einzuleiten.

In Kürze: die bessere Vernetzung von Produzenten und Anbietern, die zentrale Steuerung bei dezentraler Produktion, die Verwirklichung von Los 1-Fertigung zu Massenmarktkosten und alle Daten nicht nur zu analysieren, sondern in Echtzeit Nachfragern zur Verfügung zu stellen. Bei dem Leistungskatalog muss mancher Mittelständler an den weißen Tischreihen im Kongresszentrum schlucken.



Doch der energische Höttges setzt noch nach: "Die Revolution wird gnadenlos kommen, weil sie einen hohen Kundennutzen und Produktionsvorteil hat. Und irgendwer wird diese Chance nutzen, glauben Sie mir."

Seine Erfahrung mit der deutschen Wirtschaft nach 15 Jahren der ersten Welle der Digitalisierung ist klar: "Wir brauchen einen Wake-up-Call. Die europäischen Firmen als Anbieter fehlen doch ganz!"

Wieder legt er mit Zahlen nach. Weniger als zehn Prozent der globalen IKT-Umsätze würden von europäischen Firmen geschrieben. Ehemalige Marktführer würden von globalen Wettbewerbern geschluckt oder müssten Marktsegmente aufgeben. Selbst neue europäische Industrien seien zunehmend abhängig von nicht-europäischen Technikunternehmen.

Auch die deutsche und die Brüsseler Politik nimmt Höttges aufs Korn.

Die zehn besten deutschen Mittelständler


Es fehle an Einsatz für die wichtigsten Punkte zur Zukunftssicherung der deutschen Weltmarktführer genau so wie für Start ups.

Der Datenschutz müsse zum Standortvorteil Deutschlands werden. Offene Plattformen müssten die Entwicklung von Innovationen unterstützen. Die Deutschen sollten die Standards für Industrie 4.0 setzen. Cybersicherheit und die Telekommunikationsinfrastruktur müssten ausgebaut werden. Da grinst der Mittelständler, kann sich doch auch der Telekom-Chef den kleinen Werbeblock nicht verkneifen. Doch das Lächeln sitzt bei manchem schief, Höttges Weckruf scheint angekommen.

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