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Dirk Abendroth Ex-Conti-Technikchef geht in die Luft: Das sind seine Pläne

Dirk Abendroth Quelle: Presse

Dirk Abendroth verlässt als Technik-Vorstand den Dax-Konzern Continental und wechselt zum „Team Global “ von Seriengründer Lukasz Gadowski. Hier soll er ein senkrecht-startendes Fluggerät entwickeln. Warum tut er das?

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Es ist ein spektakulärer Wechsel: Der Elektroingenieur Dirk Abendroth verantwortete seit Anfang 2019 im Vorstand des Hannoveraner Dax-Konzerns Continental (Umsatz: 37,7 Milliarden Euro) die Technologie-Entwicklung des Hauptgeschäfts mit den Zulieferungen an Autohersteller. Seit Juli arbeitet er nun im Team Global, einer Firma für Start-up-Beratung und -Finanzierung von Seriengründer Lukasz Gadowski (u.a. StudiVZ, Delivery Hero). Hier sei Abendroth „für alle Technik-, Forschungs- und Entwicklungsthemen zuständig“, teilte das Unternehmen mit. Zudem übernimmt Abendroth die Leitung eines noch namenlosen Start-ups aus der Luftfahrtbranche, das ein senkrecht-startendes Fluggerät entwickeln soll. Vor seiner Zeit bei Continental war Abendroth zwölf Jahre für BMW tätig und rund zweieinhalb Jahre für das chinesische Elektroauto-Start-up Byton im kalifornischen Santa Clara.

WirtschaftsWoche: Herr Abendroth, Sie wechseln von einem börsennotierten Weltmarktführer mit 235.000 Mitarbeitern zu einem Start-up-Investor mit 12 Angestellten. Wie fühlt sich dieser Wechsel an?
Dirk Abendroth: Da wird es sehr große Unterschiede geben, auf die ich mich auch freue. Ich arbeite mit Lukasz Gadowski maximal pragmatisch zusammen. Das ist wichtig, denn ich habe ja eine Doppelfunktion: Neben meiner CTO-Rolle bei „Team Global“ werde ich vor allem das neue Luftfahrtunternehmen leiten. Ein Teil meiner Arbeit wird also erfreulicherweise im Hangar stattfinden, denn wir werden sehr schnell in die Prototypen-Produktion gehen. Da will ich persönlich dabei sein. Das ist ein anderes Arbeiten als im Konzern. Meine vorherige Funktion beinhaltete auch Aufsichtsratsmandate in anderen Firmen sowie mediale Repräsentationen im großen Rahmen. Das fällt erstmal weg. In meiner neuen Aufgabe wollen wir das neue Produkt im Wortsinne ganz schnell zum Fliegen bringen.

Warum machen Sie diesen Schritt?
Ich habe bei BMW und Conti Konzernstrukturen kennengelernt, aber ich war als Byton-Gründungsmitglied auch bei einem Start-up. Es war immer schon mein Wunsch, irgendwann einmal ein Thema – mit Fokus auf Technologie – komplett von Anfang an in Gesamtverantwortung zu gestalten. Und diese einmalige Chance hat sich jetzt ergeben. Ich habe sie ergriffen. Außerdem, denke ich, bin ich im richtigen Alter dafür: Einerseits habe ich einige Erfahrung sammeln können, andererseits aber noch genügend Zeit, um so ein Projekt auf den Weg zu bringen. Dafür müssen natürlich die Rahmenbedingungen stimmen; die haben Lukasz und ich abgeklopft. Wir sind der Meinung, dass der Zeitpunkt jetzt optimal ist.

Über Ihr noch namenloses Luftfahrt-Start-up ist bislang nur bekannt, dass es „ein senkrecht startendes Fluggerät“ sein soll. Im Portfolio von „Team Global“ sind mit Volocopter und Archer bereits zwei Lufttaxi-Firmen – die wollen Sie wohl nicht einfach kopieren, oder?
Nein, die machen einen super Job. Wir bauen kein weiteres Flugtaxi, wir werden einen White Spot besetzen. Es geht um Punkt-zu-Punkt-Luftfahrt, um eine Premium-Mobilität auch über größere Distanzen. Mehr ins Detail gehen kann und möchte ich aber noch nicht; ich fange ja gerade erst an. Das Konzept ist im Entstehen. In etwa 100 Tagen werden wir eine Designskizze und auch einen Namen präsentieren.



Also ein Flugobjekt, in dem mehr als die für Flugtaxi-Konzepte üblichen zwei bis vier Passagiere Platz finden, und das weiter fliegen kann als von München nach Nürnberg.
In diese Richtung wird es gehen. Wichtig ist dabei: Es muss nachhaltig betrieben werden. Und dafür gilt es, nicht nur einen Prototypen, sondern auch die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen. Unsere bisher gewohnte Mobilität hat ihr Limit erreicht; eine Transformation ist unvermeidbar. Auf der Straße passiert das langsam. Ähnliches kommt auf die Luftfahrt zu. Neben der CO2-Neutralität spielt aus unserer Sicht das Kundenerlebnis eine zentrale Rolle: Und hier kommen die Kompetenzen der Portfolio-Unternehmen von „Team Global“ zum Tragen. Lukasz Gadowski hat systematisch in saubere Energieerzeugung und digitale Services investiert. Mit unserem neuen Unternehmen, das ebenfalls Teil des „Team Global“-Kosmos sein wird, wollen wir die teils noch verborgenen Synergien identifizieren und heben.

Für Ihr Unterfangen werden Sie gewiss Zulieferer benötigen. Werden Sie dazu auch bei Continental nachfragen?
Continental schnuppert auch an Luftfahrt-Themen. Das kann sich also ergeben. Dann werde ich sicherlich den persönlichen Kontakt nutzen und schauen, ob das zusammenpasst.

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