DIW-Korrektur Das DIW hat falsch gerechnet

Die deutsche Mittelschicht ist größer, als eine aktuelle DIW-Studie behauptet hat – auch die WirtschaftsWoche übernahm die unkorrekten Daten.

Mythos Mittelschicht? Quelle: Markus Schwalenberg für WirtschaftsWoche

Dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist ein gravierender Fehler unterlaufen: Die Berechnung der Einkommensschichten in Deutschland, Grundlage der Titelgeschichte der WirtschaftsWoche in der vergangenen Woche (19/2016), basierte auf einer fehlerhaften Berechnung des Medianeinkommens durch das DIW. Anstatt die Haushaltseinkommen entsprechend der Haushaltsgröße zu berechnen, wurden alle Personen so behandelt, als lebten sie in Drei-Personen-Haushalten. Auch andere Medien wie der „Spiegel“ und die Agentur Bloomberg hatten über die Studie berichtet.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher erklärte: „Um die Entwicklung in den USA mit der in Deutschland vergleichbar zu machen, haben wir unsere Berechnungen der US-Methode angepasst. Dabei ist uns ein Fehler unterlaufen, den wir bedauern. An den Kernaussagen des Berichts ändert sich nichts: Die Einkommensmittelschichten schrumpfen in Deutschland und den USA in etwa gleichem Tempo.“

Nach der Korrektur durch das DIW stellt sich die deutsche Mittelschicht allerdings deutlich robuster dar als ursprünglich von den Berliner Forschern behauptet. Im Untersuchungszeitraum 1983 bis 2013 sank ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung von 69 auf 61 Prozent, nicht von 62 auf 54 Prozent. Derweil vergrößerte sich der Anteil von Ober- und Unterschicht jeweils um vier Prozentpunkte.

Insgesamt ist der Bevölkerungsanteil der Mittelschicht an der deutschen Gesellschaft – anders als Fratzscher behauptet – deutlich größer als in den USA. Von einer Verkleinerung auf unter 50 Prozent der Bevölkerung – und damit amerikanischen Verhältnissen – ist Deutschland, anders als das DIW schlussfolgert, noch deutlich entfernt.

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