Energiewende und Handwerk: Sterben mit der Gasheizung auch die Heizungsbauer aus?
Wird es künftig noch klassische Heizungsbauer geben?
Foto: dpaHerr Schröder, gerade haben Sie sich für den Verkauf von Wärmepumpen mit dem japanischen Konzern Daikin zusammengetan. Warum nicht mit einem der deutschen Anbieter?
Philipp Schröder: Wir haben bereits eine Partnerschaft mit Stiebel Eltron, aber da geht es im Premiumbereich eher um kleine Stückzahlen. Bei den Verhandlungen jetzt haben wir vor allem darauf geschaut, wie gut wir unsere Software bei einem Partner einsetzen können. Und da sind viele Konkurrenten einfach nicht so weit wie Daikin, da hätte die Integration nicht so funktioniert. Und außerdem passt die Marktstellung von Daikin einfach sehr gut zu unserem Anspruch.
Was meinen Sie damit?
Daikin ist globaler Marktführer bei Wärmepumpen und Klimasystemen, weltweit hat der Konzern Millionen installierte Anlagen. Und wir sind ja in erster Linie eine Technologiefirma. Wir wollen, dass unsere Software auch auf möglichst vielen Bestandssystemen installiert wird. Und da bedeutet die Integration bei Daikin für uns: Millionen potenzielle Kunden.
Warum ist diese Software so wichtig? Wenn eine Wärmepumpe erst mal angeschlossen ist, läuft sie doch.
Klar, so kann man das machen. Aber das ist dann nicht wirklich effizient. Je mehr elektrische Verbraucher man in einem Haus einsetzt oder auch Strom erzeugt, desto wichtiger wird die koordinierte Steuerung.
Was heißt das konkret?
Der Strompreis variiert stark, je nachdem wie sich das Angebot an erneuerbarer Energie im Netz und die Nachfrage darstellt. Wer das für sich nutzt und Verbraucher intelligent steuert, kann massiv Geld sparen. So muss etwa die Wärmepumpe ja nicht andauernd oder zu Stoßzeiten laufen, sondern kann auch bevorzugt dann angesteuert und der Pufferspeicher beladen werden, wenn die Preise niedrig sind. Genau das ermöglichen wir den Kunden: Wer sein System über uns installiert, dem garantieren wir eine Halbierung der Stromkosten.
Sie wollen mit ihrem Unternehmen also nicht nur die Software stellen, sondern am liebsten von der Wärmepumpe bis zur Solaranlage auch alles installieren?
Das muss nicht sein. Aber wenn Kunden das bei uns buchen, dann können wir ihnen die niedrigen Preise tatsächlich auch garantieren.
Alles aus einer Hand anzubieten, damit wirbt nicht nur ihr Unternehmen, sondern im Grundsatz auch Konkurrenten wie Thermondo oder Enpal. Das bedeutet aber auch: Aus schlanken Start-ups werden sehr große Handwerksbetriebe.
Für uns gilt das auf jeden Fall. Wir haben schon deutlich mehr als 1500 Angestellte in sechs Ländern, und das sind vor allem auch Handwerker.
Ein ganz schöner Block an Personalkosten. Warum machen Sie das alles selbst, lagern das nicht aus an lokale Handwerksbetriebe oder Franchisepartner?
Weil es nur mit einer perfekten Kombination von Produkten und entsprechender Software funktioniert. Wer das nicht sieht, hat die neue Energiewelt nicht verstanden. In der geht es vor allem um Betriebskosten. Entscheidend dafür, wie teuer mein E-Auto und meine Wärmepumpe am Ende sind, ist doch nicht mehr nur der Anschaffungspreis. Sondern das, was ich jedes Jahr für den Betrieb, also für Strom, bezahle. Und eine Halbierung dieser Kosten bekommt man nur hin, wenn alle Geräte und auch die Steuerung vollkommen aufeinander abgestimmt sind. Das geht nur mit Profis, die perfekt zusammenarbeiten. Ohne entsprechendes Fachpersonal kommen sie da nicht weit.
Bei Ihnen arbeiten dann Dachdecker, Heizungsbauer, Installateure, Elektrotechniker zusammen. Wenn sich das Modell durchsetzt, was bedeutet das langfristig für die klassischen spezialisierten Handwerksbetriebe?
Naja, das ist wie mit den Buchläden, als Amazon kam. Ein paar Spezialisten wird es mit Sicherheit noch brauchen, aber ich bin überzeugt, dass die Zukunft vollintegrierten Betrieben gehört.
Aber die meisten Kunden, die über eine neue Heizung nachdenken, rufen ja erst mal den Betrieb ihres Vertrauens an.
Das ist richtig. Aber es wird sich ändern, denn die Vorteile von Produkt, Software und Service aus einer Hand sind unschlagbar. Wie läuft das denn derzeit: Handwerker bauen irgendwas von der Marke ein, die ihr Großhändler vertritt. Wenn der nicht liefern kann, muss der Kunde warten. Und zwei Jahre nach Einbau sind sie raus aus der Gewährleistung, und wie sich die Kosten beim Kunden dann entwickeln, ist egal. Das Problem wird gerade sogar noch schlimmer, aber das werden die Kunden nicht dauerhaft mitmachen.
Was passiert da?
Im schlimmsten Fall das, was vor einiger Zeit in Australien unter dem Schlagwort „crap solar“ berühmt wurde. Da wurden in größter Eile von Laien tausendfach billige Solaranlagen installiert. Und ein paar Jahre später waren zahlreiche Dächer morsch, da bei der Installation gepfuscht wurde. Wer sich jetzt eine Wärmepumpe eines Billigherstellers von Laien einbauen lässt, der riskiert ähnliches. Wir arbeiten deshalb nur mit Profis zusammen und setzen zudem auch wegen der Datensicherheit ausschließlich auf Partner aus der westlichen Hemisphäre.
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