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Ex-Tesla-Manager und Northvolt-CEO Carlsson „In Europa wird es mindestens zehn Giga-Factories geben“

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Europa muss den Bedarf an Batterien selbst decken

Wann soll es so weit sein?
Wenn ich wählen dürfte, dann würden wir in fünf oder sechs Jahren die zweite Fabrik bauen.

Dafür werden Sie Kapital benötigen. Für die Northvolt Labs haben unter anderem Unternehmen wie ABB oder Siemens jeweils 10 Millionen gezahlt. Das dürfte für die Batteriefabrik nicht im Ansatz genügen.
Absolut, wir brauchen nun sogar eine signifikante Menge an Kapital. Ich schätze, dass wir ein bisschen mehr als 1,6 Milliarden Euro einsammeln müssen, um Phase Eins der Fabrik realisieren zu können. Wir sind gerade mitten in einer Finanzierungsrunde, die aus Darlehen und Investments besteht. Es sieht gut aus, dass wir die Runde im späten Frühling oder Frühsommer erfolgreich abschließen.

Ein weiterer strategischer Partner ist Volkswagen. Sie haben gerade die „European Battery Union“ auf die Beine gestellt, die sie mit VW leiten werden. Worum geht es dabei?
Wir wollen letztendlich herausfinden, wie wir die Europäische Batterieherstellung skalieren können.

2020 wollen Sie mit weiteren Partnern die Forschung dazu beginnen. Ist das nicht ein bisschen spät?
Es braucht selbstverständlich Zeit, ein solches Projekt aufzusetzen. Aber ich kann versprechen, dass jeder der Partner so schnell arbeitet wie nur eben möglich. Wenn die Zusammenarbeit noch zusätzlich beschleunigt werden könne, wären alle Partner glücklich darüber, das können Sie mir glauben.

Ihr Kooperationspartner VW hat kürzlich seine ambitionierte Elektro-Strategie vorgestellt. Für wie realistisch halten Sie eigentlich dieses Vorhaben?
Ich denke, dass Europa einfach in der Lage sein muss, den Bedarf an Batterien von Volkswagen und anderen europäischen Herstellern zu decken – möglich ist das. Es erfordert allerdings einen enormen Aufwand und Fokus von allen Beteiligten. Bei den Ambitionen von VW geht es nicht nur um die letztliche Batteriefertigung, sondern es benötigt eine deutliche Aufstockung des gesamten Ökosystems: von der Lieferung der Rohstoffe, über Separatoren, bis hin zu Elektrolyten. Und natürlich ist auch hier eine riesige Menge Kapital vonnöten.

Die Kooperation mit VW muss auf mehr beruhen als auf Forschung.
Über die European Battery Union hinaus ist es natürlich unser Vorhaben, in der Lage zu sein, Batterien an VW liefern zu können.

Gleichzeitig bewerben Sie sich auf die Förderung des Bundeswirtschaftsministeriums für den Bau einer Batteriefabrik in Deutschland. Das tun auch 30 andere Unternehmen. Haben Sie einen Tipp, wer das Rennen machen wird?
Diese Entscheidung überlasse ich Berlin. Die Bundesregierung war in unseren Gesprächen immer sehr vorwärtsdenkend und wird eine weise Entscheidung treffen.

Und was spricht für Northvolt als Gewinner der Förderung?
Deutschland wird wahrscheinlich der größte Markt für Batteriezellen in ganz Europa sein. Wir haben Berlin in unserer Bewerbung mitgeteilt, dass wir sowohl Entwicklung und Produktion sehr ökonomisch und kompetitiv angehen werden.

Und wenn es nicht für die Fördergelder reicht?
Ich sehe darüber hinaus keinen Grund, warum die Batteriefertigung in Deutschland nicht möglich sein sollte – so viel ist sicher.

Lassen Sie uns zum Ende einen Blick auf Europa im Jahr 2030 werfen. Wie werden wir bei der Batteriefertigung aufgestellt sein?
Wir gehen davon aus, dass der europäische Markt dann einen jährlichen Bedarf von 500 bis 600 Gigawattstunden haben wird. Bedenkt man den Fortschritt der Fabriken, dann denke ich, dass es mindestens 10 Gigafactories in Europa geben wird. Und ich hoffe, dass vielleicht drei davon von Northvolt sein werden.

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