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Ex-Tesla-Manager und Northvolt-CEO Carlsson „In Europa wird es mindestens zehn Giga-Factories geben“

Peter Carlsson, Chef des schwedischen Unternehmens Northvolt. Quelle: imago images

Northvolt-CEO Peter Carlsson möchte Europas größte Batteriezellenfabrik bauen – im schwedischen Niemandsland. Er erklärt, wie das funktionieren soll. Und was er von der Elektro-Offensive seines neuen Partners VW hält.

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Herr Carlsson, Sie waren mehr als vier Jahre lang Manager bei Tesla. Was ist eigentlich das ambitioniertere Ziel: Elektromobilität massentauglich zu machen oder Europas größte Batteriefabrik zu bauen?
Ich denke, dass beide Vorhaben extrem herausfordernd sind. Während meiner Zeit bei Tesla habe ich eine Menge darüber gelernt, wie man komplexe Probleme angeht. Deshalb bin ich bei unserem Ziel sehr optimistisch.

Wie geht man bei Tesla oder Northvolt denn komplexe Probleme an?
Zuerst werden sie sehr strukturiert in einige untergeordnete Projekte mit klaren Zielen zerlegt. Außerdem muss man für die Projekte die absolut besten Mitarbeiter an Bord haben. Dafür reicht ein Blick auf den lokalen Arbeitsmarkt nicht aus. Die Frage muss lauten: Wo kriege ich die besten Leute aus der ganzen Welt?

Und wo ist Northvolt fündig geworden?
In unserem Team, das aktuell aus 200 Mitarbeitern besteht, sind 40 Nationalitäten vertreten.

So stellt sich Peter Carlsson die Northvolt Ett vor: Eine Gigafactory im nordschwedischen Skellefteå, 620 Kilometer von Stockholm entfernt. Quelle: Northvolt

Können Sie das ein wenig konkreter erläutern?
Wir haben eine Menge Talente in Japan, Korea oder China gefunden. Wenn es zu den Arbeitsabläufen kommt, lohnt sich ein Blick in europäische Industrien wie Medizin oder Chemie. Und unser Automations- und Softwareteam bringt Menschen zusammen, die schon für Firmen wie ABB, Siemens, Google, Spotify oder Ebay gearbeitet haben.

Neben Ihnen war auch Ihr Mitgründer Paolo Cerruti bei Tesla. Der Einfluss des E-Auto-Herstellers scheint groß zu sein.
Wir haben auch noch andere Leute von Tesla rekrutiert. Sie sind exzellent darin, Batteriesysteme wahnsinnig effizient zu bauen.

Sie wollen eine Fabrik für Europa bauen – nicht nur für Schweden oder Skandinavien. Müssen Sie eigentlich irgendwelche europäische Konkurrenz fürchten?
Natürlich gibt es da Varta aus Deutschland oder Saft aus Frankreich. Heute adressiert allerdings keines der beiden Unternehmen einen echten Volumenmarkt, wie wir ihn beliefern möchten. Das heißt natürlich nicht, dass sie das nie tun werden.

Also sind Sie schon deutlich weiter als Varta?
Diesen Vergleich würde ich mir nicht anmaßen. Vor dem Hintergrund, dass Varta seit langer Zeit Batterien entwickelt und wir noch ein junges Unternehmen sind, bin ich da sehr demütig. Wir sind vielleicht ein wenig vor ihnen, was unseren Plan einer Gigafactory angeht. So eine Fabrik wird in den nächsten Jahren vonnöten sein – gerade in der Automobilproduktion.

Und was ist mit den anderen Unternehmen?
LG baut Fabriken in Polen, Samsung und SK Innovation in Ungarn. CATL macht in Deutschland das Gleiche. Bei der Größe des europäischen Marktes ist allerdings Platz für jeden Hersteller. Wir brauchen gar noch ein größeres Ökosystem, wenn wir den europäischen Bedarf an Batterien decken wollen.

Und Sie wollen den Markt nun als kleines Start-up erobern.
Ich denke, dass jeder irgendwo anfangen muss, oder nicht? Wir haben bereits die ersten Schritte unseres Wachstumsprozesses getan.

Die da wären?
Ein starkes Team mit allen Fähigkeiten zusammenbringen und unsere Northvolt Labs in Vasteras aufzubauen – außerhalb Stockholms.

Was passiert in den Northvolt Labs?
Das ist eine Einrichtung für Forschung und Entwicklung samt der Demonstration einer Produktionsstraße, für die wir mehr als 100 Millionen Euro ausgegeben haben. Die Labs werden den Bau der bedeutend größeren Fabrik in Skellefteå ermöglichen.

Ihr Prestigeprojekt, das im tiefsten Norden Schwedens entstehen soll. Wie sehen die konkreten Pläne dafür aus?
In einer ersten Phase werden wir zwei Blöcke bauen. Die werden jeweils eine jährliche Kapazität von acht Gigawattstunden haben. Damit wären wir in der Lage jedes Jahr Batterien für 250.000 bis 300.000 Elektroautos zu produzieren. Für diese Kapazität sind wir beinahe ausgebucht mit Aufträgen von Kunden, mit denen wir Vereinbarungen geschlossen haben. Darüber sind wir sehr glücklich. Die Namen der Unternehmen kann ich zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht nennen.

Wenn wir über eine erste Phase sprechen, gibt es mit Sicherheit eine weitere.
Ganz genau. In der zweiten Phase verdoppeln wir die Kapazität auf 32 Gigawattstunden bis 2023 oder 2024. Dafür sollten wir in etwa 2500 bis 3000 Mitarbeiter und 1,5 Prozent der gesamten schwedischen Energieproduktion benötigen. Für alles, was nach den 32 Gigawattstunden kommt, würden wir eine zweite Fabrik bauen müssen.

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