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Exklusivranking Die innovativsten deutschen Mittelständler

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Platz 4: Rimowa – Koffer mit Datenmodul

Dieter Morszeck ist ein Fan des deutschen Flugzeugpioniers Hugo Junkers. Er kennt alle technischen Details der F 13, des ersten komplett metallenen Flugzeugs der Welt, das Junkers 1919 baute. Bis dahin waren Flugzeuge vor allem aus Holz und Stoff. Der 62-Jährige ist Chef des Kölner Kofferherstellers Rimowa – und definiert sich wie sein Idol Junkers als Tüftler und Erfinder. Sein Großvater gründete 1898 das Unternehmen, das mit geriffelten Aluminiumkoffern Weltruhm erlangte. Und Enkel Morszeck hat die Familienfirma – Umsatz: 250 Millionen Euro – tatsächlich zu verdanken, dass sie zu einem der innovativsten Mittelständler Deutschlands geworden ist. Mit seinen etwa 2000 Mitarbeitern zählt Rimowa zu jenen Unternehmen, die ihren Erfolg genialischen Eigentümern verdanken – wie etwa Dübelspezialist Fischer oder der Montagetechnikriese Würth.

Tüftler Morszecks neuestes Werk ist ein Koffer mit eingebautem Datenmodul, das funktioniert wie ein elektronischer Gepäckanhänger. Fluggäste können ihr Reisegepäck damit von zu Hause aus oder von unterwegs einchecken. „Das Anstellen am Flughafenschalter entfällt“, wirbt Morszeck. Ihre Gepäckdaten erhalten die Reisenden über die Lufthansa-App und leiten sie über die Bluetooth-Funktion des Smartphones an ihr Gepäckstück weiter. Die Informationen, die bisher auf dem angeklebten Papieranhänger zu lesen waren, sind nun im Datenmodul des Koffers elektronisch gespeichert.

Dieter Morszeck Quelle: Rimowa Oliver Schmauch

Das neue Koffermodell hat Morszeck gemeinsam mit der Lufthansa auf den Weg gebracht. Die Airline wird dafür Abgabestationen aufstellen – zunächst an den Flughäfen Frankfurt und München –, die das Gepäck binnen Sekunden aufnehmen. Anfang Januar läuft die Produktion der elektronisch aufgerüsteten Koffer bei Rimowa in Köln an.

Der digitale Koffer ist nur eine von vielen Innovationen, die Rimowa und Morszeck hervorgebracht haben. In den Siebzigerjahren arbeitete der Hobbyfotograf, der 1972 nach Abitur und Wehrdienst im Familienunternehmen einstieg, zwei Jahre lang an einem wasserdichten Fotokoffer. Immer wieder hielt er den Gartenschlauch drauf – und war jedes Mal enttäuscht, wenn Wasser in das Gehäuse eingedrungen war. Endlich fand er die Lösung – eine Kunststoffwanne sowie eine Schaumstoffplatte im Deckel. Seine Erfindung brachte dem Jungspund dann auch den Respekt seiner künftigen Mitarbeiter ein.

Als Morszeck 1981 mit Ende 20 von Vater Richard die Leitung übernahm, führte er Computer und EDV ein, schrieb fast die gesamte Software selbst. In den Neunzigern hatte Morszeck die Idee, Koffer aus Polycarbonat herzustellen, einem leichten, aber kaum zerstörbaren Kunststoff: „Man kann darauf mit einer Schrottflinte schießen, die Kugeln bleiben stecken.“

In Arbeit
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Nach der Jahrtausendwende entwickelte der Chef mit seinem Entwicklerteam den Vier-Rollen-Koffer. Dabei experimentierte er zunächst am Wochenende mit einem Gehäuse aus Holz, an das er im Baumarkt gekaufte Bürostuhlrollen montiert hatte.

Ab 400 Euro aufwärts kostet ein Rimowa-Koffer im Handel. Morszeck zielt auf die betuchte Kundschaft, den Massenmarkt überlässt er Konkurrenten wie Samsonite. Für einen Kofferhersteller ungewöhnlich: Rimowa hat in über 100 Städten eigene Läden eröffnet, demnächst eröffnen Filialen in Madrid, Barcelona, Amsterdam und Paris. Das belastet die Bilanz bislang nicht: Im ersten Halbjahr 2015 legte der Gewinn um 26,4 Prozent auf 22,5 Millionen Euro zu.

Ganz nebenbei hat der bekennende Kölner und FC-Fan Morszeck noch Zeit gefunden, sich seinem Hobby Flugzeugbau zu widmen. Gemeinsam mit weiteren Luftfahrt-Enthusiasten hat er die historische Junkers F 13 nachgebaut.

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