WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Familienunternehmen Wie Chinas Mittelständler um Kredite kämpfen

Seite 3/3

Fehlende Qualität und Effizienz

Manche Chinesen versuchen gar nicht erst, im High-Tech-Segment zu konkurrieren, sondern nutzen die weltweit steigende Nachfrage nach „Good-Enough-Technik“, also den weniger hochwertigen, aber für den Bedarf vieler Kunden nach ausreichenden und günstigeren Produkten.

So agieren chinesische Maschinenbauer vor allem im unteren und mittleren Segment. „Nur wenigen gelingt es, eine marktbeherrschende Stellung einzunehmen“, sagt Georg Stiehler, Leiter der Unternehmensberatung STM in Shanghai. Bei Automobilzulieferern etwa gibt es bisher so gut wie keine chinesische Konkurrenz für deutsche Mittelständler. „Die Branche stellt höchste Anforderungen an Qualität, Logistik und Effizienz“, sagt Jochen Siebert, Chef der Shanghaier Beratung JSC. „Das können viele chinesische Unternehmen noch nicht liefern.“

Das Gleiche gilt auch für Lieferungen an den öffentlichen Sektor, also etwa an deutsche Bundesländer. Das chinesische Familienunternehmen Senken startete 1990 mit der Produktion von Polizeisirenen. Die sind noch immer das Hauptprodukt, daneben stellt das Unternehmen aus Wenzhou heute alles her, was eine Polizeistation so braucht: Handschellen, Absperrgitter, Schutzhelme.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

30 Prozent seines Umsatzes macht Senken im Ausland. Doch fast alles geht nach Asien und Südamerika. Auf dem deutschen Markt seien die Anforderungen an Qualität und Preis zu hoch gewesen, sagt Senken-Geschäftsführer Shun Sun.

Auch Kabelhersteller Xingle exportiert erst etwa zehn Prozent seiner Kabel ins Ausland, vor allem nach Südostasien und Afrika.

Ausverkauf deutscher Technologie?

Grundsätzlich aber will in den kommenden fünf Jahren mehr als die Hälfte von Chinas Familienunternehmen schnell und aggressiv ins Ausland expandieren, ergab eine Umfrage der Beratung PricewaterhouseCoopers. Nicht wenige sehen den Königsweg darin, ein ausländisches Unternehmen zu übernehmen oder ein Joint Venture einzugehen. Besonders deutsche Mittelständler stehen bei den Chinesen hoch im Kurs.

Mittelstand und Weltmarktführer



Mit dem Ausverkauf deutscher Technologie habe das nichts zu tun, sagt Wirtschaftsprofessor Ding. „Davon können beide Partner profitieren: Das ausländische Unternehmen erhält Marktzugang, das chinesische Know-how.“ Als erfolgreiches Beispiel nennt er die 50-prozentige Beteiligung der Familie Pan über den Werkzeugbauer Jinsheng Group beim deutschen Mitbewerber Emag aus Salach in Baden-Württemberg 2011. Aktuell soll die chinesische Anhui Zhongding Group am Kauf des Kasseler Gummi- und Kunststoffspezialisten Wegu interessiert sein.

Auch Autozulieferer Hantong sucht nach einer Kooperation mit einem Mittelständler. Vor allem Deutschland hat es Cai Li angetan – insbesondere, seit seine Schwester mit ihrem Mann im Schwarzwald lebt und ihm von der guten Luft vorschwärmt.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%