Festo-Chef Veit Maschinenbauern droht ein Teufelskreis

Eberhard Veit, Chef des schwäbischen Maschinenbauers Festo, erwartet für 20 bis 30 Prozent der Unternehmen seiner Branche ernste Probleme und fordert Staatsgeld für eine „Agenda 2025“.

WirtschaftsWoche: Herr Veit, die Euro-Zone kriselt, China schwächelt. Müssen sich die deutschen Maschinenbauer auf den Abschwung einstellen?

Eberhard Veit: Ja, das sollten sie. Aber ich bin sicher, er wird nicht so hart ausfallen wie 2008, weil es viele nicht so schwer treffen wird.

Inwiefern?

2008 waren 50 Prozent der deutschen Maschinenbauer in ernsten Schwierigkeiten, jetzt dürften nur 20 oder 30 Prozent richtige Probleme bekommen.

Das ist nicht wenig.

Stimmt, aber die meisten können neu entstehende Verluste überbrücken, weil sie Gewinne aus den Vorjahren angespart haben. Damit sind viele Firmen auch nicht mehr auf Banken angewiesen, die selbst genug Probleme haben und auch die Kreditanforderungen verschärft haben.

Deutschlands größte Werkzeug-Maschinenbauer
Platz 10: Niles-Simmons Quelle: dpa.
9. IndexDie Index-Gruppe gehört gemeinsam mit dem Tochterunternehmen Traub zu den führenden Herstellern von CNC-Drehmaschinen. Firmensitz ist Esslingen in Baden-Württemberg. Das Unternehmen blickt wie viele schwäbische Maschinenbauer auf eine lange Tradition zurück. Hermann Hahn legte 1914 den Grundstein und begann mit der Produktion von Revolverdrehautomaten. Heute zählen zu den Hauptabnehmern von Index-Drehmaschinen die Automobil- und Automobilzulieferindustrie, der Maschinenbau, die Elektrotechnik und Elektronikindustrie sowie Hersteller in der Fluidtechnik und dem Armaturenbau. Die Index-Gruppe setzte im Jahr 2012 432 Millionen Euro um (Vorjahr: 450 Millionen) und beschäftigte 2.100 Mitarbeiter. Quelle: Pressebild
Platz 9: Emag Quelle: pr
Platz 7: Körber - Schleifring-GruppeSchleifring gehört zum weltweit tätigen Körber-Konzern, der 30 internationale Technologieunternehmen unter seinem Dach vereint. Die Abnehmer der Schleifmaschinen stammen aus den Branchen Automobilindustrie und Zulieferer, Werkzeugindustrie, Kraftwerkturbinenbau, Werkzeug- und Formenbau, Medizintechnik, Maschinenbau, Uhrenhersteller sowie der Turbinenindustrie. Zu den größten Abnehmermärkten gehören, nebst Westeuropa, Asien (inklusive China) sowie Amerika. 2012 setzte die Schleifring-Gruppe 530 Millionen Euro (Vorjahr: 470 Millionen Euro) und beschäftigte 2200 Mitarbeiter. Quelle: Presse
Platz 5: Heller Quelle: Pressebild
Platz 5: GrobDas Unternehmen Grob mit Stammwerk in bayerischen Mindelheim produziert in Sao Paulo, Brasilien, im amerikanischen Bluffton/Ohio und im neugebauten Werk in Dalian in China. Eigene Service- und Vertriebsniederlassungen unterhalten die Mindelheimer unter anderem in Beijing, Shanghai und Mexiko. Seit Firmengründung im Jahr 1926 ist Grob im Familienbesitz und wird heute in dritter Generation geführt. Weltweit beschäftigt der Maschinenbauer rund 4.000 Mitarbeiter. 2012/2013 erwirtschaftete das Unternehmen 650 Millionen Euro (Vorjahr: 600 Millionen Euro). Quelle: Pressebild
Platz 6: MAG Europe Quelle: pr
Platz 3: Schuler Quelle: dpa.
Platz 2: Gildemeister
Platz 1: Trumpf Quelle: dpa

Welche Lehre haben Sie für Festo aus der Krise gezogen?

Wir haben gelernt, mit 20 Prozent weniger und 20 Prozent über Planumsatz umzugehen. Das funktioniert aber nur, weil auch unsere Lieferanten ihre Produktionsmethoden flexibilisieren mussten.

Heißt das, Sie verlagern jetzt mit der Marktmacht eines Umsatzmilliardärs Ihr Risiko auf die Zulieferer, so wie dies teilweise auch die Autoindustrie macht?

Das wäre fatal. Wie jedes Unternehmen sind auch wir nur so gut wie unsere Zulieferer. Wer Lieferanten in Krisenzeiten schlecht behandelt, darf sich nicht wundern, wenn diese einen in guten Zeiten schlecht behandeln. Das haben manche Unternehmen gerade schmerzhaft gelernt: Sie konnten den Aufschwung der Jahre 2010 und 2011 mangels Zulieferer nicht voll nutzen. Das war meist nicht böser Wille, sondern diese Zulieferer hatten schlichtweg nicht die Möglichkeiten.

Wie haben Sie Festo auf den Abschwung vorbereitet?

Wir haben unsere Arbeitszeiten und Kosten flexibilisiert. Festo setzt auf flexible Arbeitszeitmodelle und auf Leihkräfte, die, wenn es gut läuft, einen sicheren Arbeitsplatz haben. Aber sie wissen auch: Kommt eine Krise, müssen sie als Erste gehen. Das ist eine faire Ansage und besser, als Festangestellte in Notzeiten zu entlassen.

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