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Finanzierung In China günstig an frisches Kapital kommen

Warum Geld in Deutschland für Investitionen in China pumpen, wenn dortige Banken bessere Konditionen bieten?

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Bankenviertel Pudong in Shanghai Quelle: REUTERS

Wenn’s ums Geschäft geht, macht Dieter Manz in China keine halben Sachen. Also entschied der Gründer und Vorstandsvorsitzende der Manz AG im schwäbischen Reutlingen: Wenn er schon Maschinen zur Herstellung von Solarmodulen und Bildschirmen in China für den dortigen Markt herstellt, dann auch richtig. Inzwischen arbeiten in den drei chinesischen Manz-Werken in Shanghai, in Shenzhen und Suzhou 460 Beschäftigte.

Ganz anders sieht das Manz-Finanzvorstand Martin Hipp. Um das neue Werk in Shuzou hochzuziehen, machte er in einem Fall sehr wohl halbe Sachen. Hipp besorgte sich die Hälfte des erforderlichen Kredits bei chinesischen Banken. „Unser laufendes Geschäft finanzieren wir in China ausschließlich mit lokalen Banken“, sagt Hipp.

Damit zählt Manz zur Avantgarde. Die Finanzierung ist für viele Unternehmen in China ein Engpassfaktor. Doch erst allmählich gehen Mittelständler zu ihren heimischen Geldinstituten auf Distanz und gehen fremd in der Fremde.

„Viele Unternehmer halten das inzwischen für eine gute Alternative, um an frisches Kapital zu kommen“, sagt Sascha Haghani, Partner und Leiter für Corporate Finance bei der Strategieberatung Roland Berger. Das Modell des China-Darlehens à la Manz könnte deshalb Schule machen. Denn deutsche Unternehmen wollen auch in Zukunft im riesigen Wachstumsmarkt investieren. 50 Prozent der dort tätigen Mittelständler planen nach Auskunft der deutschen Außenhandelskammer (AHK) in China eine Ausweitung ihrer Investitionen. Eine Finanzierung im Reich der Mitte hat eine Menge Vorteile. Die Wege zur Bank werden kürzer, die dortigen Kunden und Mitarbeiter arbeiten ohnehin lieber mit chinesischen Instituten. Und die Kredite sind alles in allem meist billiger.

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    Was Deutschland mit China verbindet
    Das kommunistisch regierte China ist mit gut 1,3 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde. Quelle: dapd
    Mit einer Fläche von knapp 9,6 Millionen Quadratkilometern ist es etwa 27 Mal so groß wie Deutschland. Quelle: Reuters
    Trotz eines Bruttoinlandsprodukts von 5,88 Billionen US-Dollar (2010) und einem Wachstum von 9,2 Prozent im vergangenen Jahr ist besonders die Landbevölkerung von Armut und Arbeitslosigkeit betroffen. Quelle: dpa
    2010 exportierten deutsche Unternehmen Waren für 53,6 Milliarden Euro nach China. Im Vergleich zum Jahr zuvor entsprach das einem Plus von 43,9 Prozent. Die Einfuhren lagen 2010 bei 76,5 Milliarden Euro (35,0 Prozent mehr als 2010). Quelle: dpa
    Aus der Bundesrepublik werden besonders Maschinen, Anlagen, elektrotechnische Produkte und Autos nach China verkauft. Quelle: dapd
    Von dort kommen vor allem Elektrotechnik und Kleidung. Quelle: dpa
    Die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen beliefen sich 2010 auf 697 Millionen Euro nach 857 Millionen im Jahr zuvor. Quelle: REUTERS

    Fixe Verwaltung

    Auch das Münchner Traditionsunternehmen Knorr-Bremse hat die Renminbi-Quellen entdeckt. Im Projektgeschäft, das der Bremssystemhersteller betreibt, fordern Kunden Bürgschaften, die von einem Kreditinstitut gewährt werden müssen. Hierbei greift der Leiter der Konzernfinanzierung, Sigurd Dahrendorf, gerne auf chinesische Banken zurück. Auch sonst hält er viel von ihnen: „Die chinesischen Banken haben gute Kontakte, und die Verwaltungsprozesse laufen schnell.“

    Die Regeln für die Kreditaufnahme durch ausländische Unternehmen sind streng in China. Denn die Asiaten verlangen, dass Investoren möglichst viel eigenes Geld einsetzen. Wer als Gründer einer Tochtergesellschaft in China beispielsweise zwei Millionen Euro als Investitionsvolumen ansetzt, muss 70 Prozent davon, also 1,4 Millionen Euro, als Eigenkapital aufbringen. Dieses Eigenkapital muss vom Mutterunternehmen etwa aus Deutschland kommen und unbelastet sein. Das heißt, es darf kein Darlehen sein. „Das ist freies Geld, das in China bleibt“, erklärt Marcus Wassmuth China-Chef der Landesbank Baden-Württemberg in Shanghai. Die restlichen 30 Prozent ergeben dann eine sogenannte Auslandsverschuldungsquote, in deren Höhe die Investition in China auf Pump finanziert werden darf.

    Scheitern an der Sprachbarriere

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    Ni hao Quelle: REUTERS
    Nin gui xing? Quelle: AP
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    Lao ban Quelle: dapd
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    Dass deutsche Mittelständler dies für eine Kreditaufnahmen in China nutzen, liegt an der Währungspolitik Pekings. Der Mittelständler könnte sich das Geld zwar daheim besorgen, etwa bei seiner Hausbank oder der Muttergesellschaft. Praktisch kommt dafür aber nur eine chinesische Bank infrage oder ein ausländisches Institut in China, das eine Renminbi-Lizenz besitzt. Denn Fremdwährungskredite etwa in Euro dürfen nicht einfach in Renminbi umgetauscht werden. „Dafür braucht man eine Einzelgenehmigung – und die gibt es faktisch nicht“, erklärt Bernhard Esser, China-Experte der HSBC in Düsseldorf.

    Der Maschinenbauer Manz finanziert sich im Reich der Mitte mithilfe mehrerer chinesischer Banken. „Bei den Chinesen liegt der Zinssatz oft deutlich unter dem der internationalen Banken“, sagt Finanzvorstand Hipp, auch die Gebühren seien geringer. Eine kritische Prüfung des Geschäftsmodells musste er nicht über sich ergehen lassen. Dass Manz in der zukunftsorientierten Fotovoltaik tätig ist, hat dem Unternehmen geholfen.

    Chinesisch ist Pflichtsprache

    „Um sich in China finanzieren können, muss man in Deutschland bereits erfolgreich sein“, sagt Christoph Angerbauer, General Manager bei der AHK in Shanghai. Das allein genügt nicht. So muss eine Firma der Bank ausführlich darlegen können, dass ihr Vorhaben etwas mit dem chinesischen Wirtschaftsraum zu tun hat. Darüber hinaus muss das Unternehmen in China bereits akkreditiert sein.

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      Nicht selten scheitert die Suche nach einem Kredit einer chinesischen Bank ganz simpel an der Sprachbarriere. Diese Erfahrung machten Knorr-Bremse und Manz. Ohne Dolmetscher oder chinesische Mitarbeiter wären sie mit den Banken erst gar nicht ins Gespräch gekommen. Denn nur wenige Sachbearbeiter bei den chinesischen Banken sprechen Englisch.

      Noch etwas treibt Mittelständler in die Institute aus dem Reich der Mitte. Denn zum eine verlangen internationale Banken vor Ort für einen Kredit in Landeswährung eine Absicherung durch den deutschen Mutterkonzern. Allein das macht den Kredit teurer, als wenn er von einer chinesischen Bank kommt. Die begnügen sich oft mit Sicherheiten vor der Haustür: gepachtete Grundstücke, Gebäude, Maschinen. Zum anderen dürfen ausländische Banken in China kein Privatkundengeschäft betreiben, wodurch ihnen die preiswerten Einlagen fehlen, die sie verleihen können.

      Mittelstand und Weltmarktführer



      Diese Besserstellung chinesischer Banken machte sich im Februar auch der Maschinenbauer Voith aus Heidenheim zunutze, als er sich bei lokalen und internationalen Banken einen Kredit in Höhe von 2,25 Milliarden Renminbi mit fünf Jahren Laufzeit besorgte – umgerechnet rund 270 Millionen Euro. In den kommenden Jahren will das Familienunternehmen rund 400 Millionen Euro in China investieren.

      Für HSBC-Manager Esser in Düsseldorf sind solche Deals zukunftsweisend. „Mittelständler müssen keine Angst vor chinesischen Banken haben“, sagt er. „Gerade die großen Institute arbeiten dort absolut professionell und stehen den ausländischen Banken in nichts nach.“

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