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Finanzierung Strenge Banken vermiesen das China-Geschäft

Chinesische Banken verfolgen die Devise: Kontrolle ist gut – mehr Kontrolle ist besser. Was deutsche Unternehmen beachten müssen, wenn sie sich für ihr China-Geschäft Kapital beschaffen.

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bernd Bublies Quelle: Hardy Müller für WirtschaftsWoche

Für Bernd Bublies ist es eine einfache Rechenaufgabe. Der Leitzins der chinesischen Zentralbank, der People’s Bank of China, liegt bei sechs Prozent. Die europäischen Leitzinsen Euribor und Libor dagegen schwanken zwischen 0,25 und 0,75 Prozent. „Vor allem langfristige Finanzierungen für unser China-Geschäft beschaffen wir uns da lieber in Deutschland“, sagt Bublies, Finanzmanager beim Ventilatorenhersteller ebm-papst in Mulfingen, östlich von Stuttgart. Über Banken in China finanziert das Familienunternehmen meist kurzfristige Ausgaben für Material oder Löhne.

Zwar nutzen immer mehr deutsche Firmen für ihr China-Geschäft Kredite aus dem Reich der Mitte, etwa über chinesische Banken oder Tochtergesellschaften ausländischer Banken in China. Doch bodenständige Mittelständler haben nach wie vor ihre Hausbank als Partner dabei – vor allem für Investitionen.

WirtschaftsWoche Die besten Mittelständler 2013

Denn in China eigenes Geld einzusetzen scheuen selbst Firmen, die Investitionen am liebsten aus der eigenen Kasse finanzieren. „Kein Unternehmen bringt gern Eigenkapital nach China“, sagt Bernhard Esser, China-Experte der HSBC in Düsseldorf. Denn einmal nach China übertragenes Eigenkapital bekommen die Unternehmen nach übereinstimmenden Berichten oft nur schwer wieder außer Landes. Also bedienen sie sich gern der Kredite ihrer deutschen Banken.

Wie auch immer die Unternehmen sich Geld beschaffen, die chinesischen Behörden haben stets ein waches Auge darauf, ob deutsche Unternehmen alle Auflagen einhalten. Und seien sie für europäische Manager noch so ungewöhnlich.

Die größten deutschen Arbeitgeber in China
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Bertelsmann Quelle: dapd
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Zugleich ist es für deutsche Mittelständler noch immer schwierig, sich in China Geld zu leihen. Dafür müssen sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. „Wer dort Kredite aufnehmen will, muss auf dem deutschen Stammmarkt nachweislich längere Zeit erfolgreich sein“, sagt Christoph Angerbauer, General Manager der Außenhandelskammer in Shanghai.

Gleichzeitig tun sich chinesische Finanzinstitute mit der Bewertung von Sicherheiten außerhalb Chinas schwer, wenn Unternehmen nach Krediten fragen. „Sie schätzen zum Beispiel eine Garantie des Mutterunternehmens oft nicht als werthaltig ein“, sagt Eddy Henning, Leiter Firmenkundenbetreuung der Deutschen Bank in China. Zudem seien chinesische Banken, die Töchter ausländischer Firmen finanzieren, meist auf die Ableger von Konzernen eingestellt.

Immer mehr Mittelständler in China

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Dabei ändert sich die ausländische Kundschaft der Banken im Reich der Mitte rasant. Inzwischen sind mehr als die Hälfte der deutschen Unternehmen mit Töchtern in China mittelständische Unternehmen. Vor zehn Jahren waren es nur 20 Prozent (siehe Grafik Seite 68). Und die Immigranten aus Deutschland brauchen immer mehr Geld für ihre Geschäfte. Die Hälfte von ihnen plant nach Auskunft der deutschen Außenhandelskammer in Shanghai ihre Investitionen auszuweiten. Fast alle nehmen dabei Fremdkapital auf. Denn das erspart den Firmen das aufwendige Kredit-Prozedere in dem 1,3-Milliarden-Einwohner-Land. „Die langwierigen Prüfungen von Finanzierungen sind manchmal existenzbedrohend“, sagt ein Insider. Wer Geld für Investition oder laufende Kosten braucht, muss das Kreditvorhaben von der Devisenkontrollbehörde SAFE (State Administration of Foreign Exchange) überprüfen lassen. „Sie dürfen mit dem Geld kein Beteiligungsverhältnis begründen, und Sie dürfen damit auch keiner Tochtergesellschaft Kredit geben“, warnt HSBC-Manager Esser.

Damit nicht genug. Oft gilt für die chinesischen Banken die Devise: Kontrolle ist gut – mehr Kontrolle ist besser.

Anteil der Mittelständler unter den Muttergesellschaften deutscher Unternehmen in der Volksrepublik

So kann es passieren, dass die chinesische Bank das Geld gleich selbst direkt an den Lieferanten überweist statt an den Antragsteller. Ebm-Papst-Finanzmanager Bublies etwa versuchte vergeblich, einen Passus, der der chinesischen Bank dieses Recht zugesteht, aus einem Kreditvertrag zu streichen. „In den vergangenen zwölf Monaten hat die Bank die Klausel auch schon einige Male genutzt“, sagt Bublies.

Auch ein Kreditstopp, den die Regierung in Peking von Zeit zu Zeit für chinesische Banken ausspricht, kostet deutsche Manager nicht selten Zeit und Nerven. „Da kommt dann die Bankenaufsicht zum Tee in die Bank“, schildert HSBC-Banker Esser. Die Damen und Herren lassen sich die Kreditbestände zeigen und entscheiden dann beispielsweise: „Im nächsten Quartal bitte fünf Prozent weniger vergeben.“

Aus chinesischer Sicht ist das zwar nachvollziehbar, weil die Bankenaufsicht auf diese Weise die Inflation einzudämmen versucht. Zuletzt geschah das Ende 2007 und Anfang 2011. Doch die betroffenen Unternehmen tragen den Schaden. „Dann ist die Kreditlinie weg, und der Unternehmer muss sich eine neue beschaffen – was gerade zum Zeitpunkt des Kreditstopps schwierig ist“, sagt HSBC-Banker Esser.

Liquiditätsklemmen in China

Maschinenbau macht Kasse in China
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Schuler Quelle: dpa
Manz Quelle: PR
Waldrich Siegen Quelle: Screenshot
MAG

Oft kann in solchen Fällen nur noch ein kurzfristiges Darlehen der deutschen Muttergesellschaft die Lücke überbrücken. „Doch selbst das dauert dann statt der üblichen drei bis 14 Tage drei bis sechs Monate“, sagt Esser. Für deutsche Mittelständler wie für ihre Hausbanken, die dafür sorgen sollen, dass die Mittel so schnell wie möglich in Wuhan, Peking oder Shanghai ankommen, sind diese Prozeduren der blanke Horror.

Unternehmen, die sich über eine Bank in Deutschland oder über die eigene Muttergesellschaft finanzieren, müssen diese Art von Liquiditätsklemmen weniger fürchten. Und sie sparen sich viele Detailkontrollen der Banken und Behörden sowie Geld. Schließlich erzielen nur wenige Unternehmen in China ähnliche Konditionen wie an ihrem Heimatort.

Perspektiven für das China-Geschäft
Was erwartet deutsche Unternehmer in China? Das Interesse am Kongress der WirtschaftsWoche ist groß Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Wirtschaftsperspektiven für den Handel in China: Frank Appel sprach die Keynote Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Chefredakteur Roland Tichy moderierte den Kongress Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Gudrun Grosse von der IHK Köln Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
China ist einer der wichtigsten Märkte für die Deutsche Post - Konzernchef Frank Appel Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche
Frank Appel und Roland Tichy (l.) im Gespräch Quelle: Robert Poorten für WirtschaftsWoche

Doch im Sinne der chinesischen Regierung ist das nicht. Sie baut deshalb dem wachsenden ausländischen Fremdkapital vor. Dafür nimmt sie die Finanzierungslücke ins Visier, die nach Abzug des Eigenkapitals durch Kredite gedeckt wird, den sogenannten Borrowing Gap. Das heißt, die Regierung legt fest, dass ausländische Firmen, die in China ein Unternehmen gründen oder kaufen, einen bestimmten Teil der Investitionssumme als Eigenkapital einbringen müssen. „Den Rest können Unternehmen mit Krediten aus dem Ausland aufstocken“, erläutert Deutsch-Banker Henning, „entweder geliehen von einer Bank, per Euro- oder Renminbi-Anleihe etwa in Hongkong oder als Darlehen von der Unternehmensmutter finanziert.“

Die Spanne für die vorgeschriebene Eigenkapitalquote reicht von 33 Prozent bei mehr als 30 Millionen Dollar Investitionssumme bis 70 Prozent bei weniger als einer Million. Zu verhandeln gibt es da für die Unternehmen nichts. „Das muss echtes Eigenkapital sein, also in China vorhandenes Geld oder Maschinen, es darf auch kein Kredit von der Muttergesellschaft sein“, betont Esser.

Nicht tricksen

Chinesen machen im deutschen Mittelstand fette Beute
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Praktisch bedeutet die Vorschrift, dass der Fremdkapitalanteil immer weiter sinkt, wenn die Unternehmen ihren Kredit tilgen. Um die Fremdfinanzierung auf das ursprüngliche Maß auszudehnen, müssen Unternehmen einen neuen Antrag stellen. Und das dauert. „Deshalb müssen Manager ihre Investition von Anfang an bombenfest kalkulieren“, sagt HSBC-Manager Esser fest. Sonst reiche die Liquidität im Notfall nicht.

Experten raten Schlaumeiern dringend davon ab, das vorgeschriebene Prozedere auszutricksen. Der chinesischen Regierung entgeht nichts. Sie unterbindet Finanzspritzen aus dem Ausland durch strenge Devisenkontrollen und überwacht die im Land ausgereichten Kredite streng.

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Jakob Riemenschneider, Anwalt und China-Experte der internationalen Anwaltssozietät Taylor Wessing, weiß von einem Unternehmen, das seiner Tochter in China auf folgendem Weg ein Gesellschafterdarlehen beschaffte: Die Firma stellte schlicht eine höhere Rechnung an die Konzernmutter für eine konzerninterne Lieferung aus. So floss Geld nach China, ohne dass die Behörden dies erlaubt hatten.

Damit verstieß die Firma gegen die chinesischen Bestimmungen. Die Folgen bekam die Mutter in Deutschland bald zu spüren. Als sie den Betrag von ihrer Tochter in China zurückhaben wollte, unterbanden die Behörden den Transfer. „Das Unternehmen konnte später das versteckte Darlehen nicht an die Konzernmutter überweisen, weil dieser Kredit nicht ordnungsgemäß bei den chinesischen Behörden registriert war“, sagt China-Experte Riemenschneider.

In Deutschland hätte der Trick funktionieren können. In China nicht.

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