Flüchtlinge Handwerk will mehr Flüchtlinge ausbilden

Exklusiv

Das deutsche Handwerk will mehr Flüchtlinge in deutschen Betrieben einstellen.

Ein Flüchtling arbeitet in einer Lernwerkstatt Quelle: dpa

„Die Ausbildungsbereitschaft gerade auch kleiner Betriebe des Handwerks wächst, je weniger Bürokratie für den Asylbewerber in Ausbildung anfällt“, sagte Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes Deutschen Handwerks, der WirtschaftsWoche. „Sie erwarten zum Beispiel Sicherheit über das Bleiberecht für die gesamte Dauer der Ausbildung. Auch sind frühzeitige Sprachkurse für Flüchtlinge unerlässlich für die erfolgreiche Aufnahme einer Ausbildung.“

Die neue Flüchtlingsprognose des Bundesinnenministeriums stellt laut Wollseifer keine Bedrohung dar, sondern eine Chance: „Nicht nur aus Syrien, sondern auch aus Afghanistan, dem Irak oder aus Afrika kommen zahlreiche junge Menschen, die bereits eine gute schulische Vorbildung mitbringen, oft sogar die Hochschulreife.“

Diese Berufe sind bei Jugendlichen unbeliebt
Drei Jahre dauert eine Ausbildung zum Hotelkaufmann, oder zur Hotelkauffrau - danach können sie im Hotel so ziemlich jede Tätigkeit übernehmen. Sie koordinieren das Zusammenspiel von Übernachtung, Restaurant, Küche, Lager und Verwaltung, übernehmen jedoch überwiegend kaufmännische Aufgaben. Mit ihrer Ausbildung könnten sie sogar in Privat- und Kurklinken arbeiten oder in Reisbüros - vielfältige Einsatzmöglichkeiten, trotzdem sind 13,8 Prozent der Ausbildungsplätze unbesetzt. Quelle: dpa/dpaweb
Gebäudereiniger leben genau wie Maurer, Dachdecker und Zimmerer besonders gefährlich, denn in diesen Berufsgruppen passieren die meisten aller meldepflichtigen Arbeitsunfälle, besonders in der kalten Jahreszeit. Die Ausbildung des Handwerksberufs dauert drei Jahre - und danach arbeiten die Menschen vor allem in Gebäudereinigungsunternehmen oder bei spezialisierten Dienstleistern. 16,4 Prozent aller Ausbildungsplätze waren 2013 unbesetzt. Quelle: dpa
Ein Zucchiniröllchen mit Kürbisfüllung hat der vegane Koch Attila Hildmann hier gezaubert. Er selbst lebt ganz ohne tierische Produkte wie Milch, Käse und Eier. Drei Jahre dauert auch hier die Ausbildung zum Koch oder zur Köchin. Danach sollte man in der Lage sein ganz unterschiedliche Gericht zu zu bereiten und sie anzurichten. Trotzdem bleiben 17,7 Prozent der Lehrstellen frei. Quelle: dpa
Es heißt umständlich
19,5 Prozent der Ausbildungsstellen zum Fachmann, zur Fachfrau für Systemgastronomie blieben 2013 unbesetzt. Sie sorgen dafür, dass in ihrer Filiale Angebot, Qualität und Service nicht von festgelegten Regeln abweichen. Wegen des starren Ablaufs arbeiten sie vor allem in Selbstbedienungsrestaurants und bei Fastfood-Ketten. Möglich wäre aber auch eine Beschäftigung in Mensen und Kantinen. Quelle: dpa
Das Bäckerhandwerk in Deutschland wird immer stärker von Großbetrieben dominiert, traditionelle Bäcker haben häufig eine langjährige Tradition und sind Familienbetriebe. Der Beruf des klassischen Bäckers scheint also ohnehin auszusterben. Allerdings stellen sie nicht nur Brot, Torten und Feinbackwaren her, sondern finden auch Beschäftigung in der Gastronomie und im Catering-Bereich. 2013 blieben 22,8 Prozent der Ausbildungsplätze leer. Quelle: dpa
Der Klempner ist ein klassischer Männerberuf, der Frauenanteil liegt bei weniger als drei Prozent. Unter der Berufsbezeichnung versteht man einen Handwerker, der mit Metall arbeitet und Blechbauteile für Hausdächer und Fassaden herstellt, sie anbringt und repariert. Knapp ein Viertel aller Ausbildungsplätze blieb hier leer. Quelle: dpa

Einige Ausbildungsberufe, in denen bereits heute Fachkräftemangel droht, sind laut Wollseifer besonders aufnahmefähig für Flüchtlinge.

„Junge Menschen mit technischen Talenten finden zum Beispiel Plätze im Elektrohandwerk oder als Anlagenbauer im Sanitär, Heizung, Klima-Bereich. Dort ist die Zahl der unbesetzten Lehrstellen aktuell sehr hoch“, sagte der ZDH-Präsident der WirtschaftsWoche. „Begehrt sind auch Ausbildungsplätze in den medizinischen Handwerken – Zahntechnik, Augenoptik, Hörgeräteakustik oder Orthopädietechnik, die derzeit wachsen und qualifizierten Nachwuchs brauchen.“

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