Gipfeltreffen der Weltmarktführer "Deutschland ist bei der Digitalisierung weit hinten"

Walter Döring, Ex-Wirtschaftsminister von Baden-Württemberg und zusammen mit der WirtschaftsWoche Veranstalter des Weltmarktführerkongresses in Schwäbisch Hall, über den Rückstand deutscher Unternehmer bei der Digitalisierung.

Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Telekom AG, Timotheus Höttges (li.) und der ehemalige baden-württembergische Wirtschaftsminister Walter Döring beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer. Quelle: dpa

WirtschaftsWoche: Herr Döring, was sind Telekom-Chef Timotheus Höttges und EU-Digitalkommissar Günther Oettinger für Sie?

Walter Döring: Wahre Auf- und Wachrüttler. Für mich überbrachten die beiden, wie übrigens auch Elektroindustrie-Präsident Michael Ziesemer, dem Gipfeltreffen der Weltmarktführer in der vergangenen Woche in Schwäbisch Hall eine Botschaft, für die alle Teilnehmer noch sehr dankbar sein werden.

Und die wäre?

Deutschland, seine Unternehmer und damit auch die Mittelständler, ist bei der Digitalisierung weit, weit hinten dran. Es war für die Teilnehmer des Weltmarktführerkongresses alarmierend zu erfahren, dass 85 Prozent der Unternehmen in Deutschland sich mit dem Thema nicht oder nicht ausreichend befassen.

Das CEO-Vorabend-Event
Zukunftsfähigkeit sichern – Wachstumspotentiale realisieren – Von den Besten lernen. Das ist das Motto beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer. Am Dienstagabend trafen sich die CEOs bei der Optima Pharma GmbH zum Vorabend-Event. Quelle: Steffen Burger
Der geschäftsführende Gesellschafter der Optima Packaging Group, Hans Bühler. Quelle: Steffen Burger
Walter Döring, Wirtschaftsminister a.D. Baden-Württemberg und Inhaber der Akademie Deutscher Weltmarktführer, begrüßte die Gäste. Quelle: Steffen Burger
Auch WirtschaftsWoche-Chefredakteurin Miriam Meckel führte durch den Abend. Quelle: Steffen Burger
Zum Thema "Singapur - Ihre bessere Hälfte in Asien" referierte Ping Bu Loke, Centre Director Europe beim Singapore Economic Development Board. Quelle: Steffen Burger
Über die Erfahrungen von Rohde und Schwarz mit dem asiatischen Markt berichtete Geschäftsführer Peter Riedel. Quelle: Steffen Burger
Dazu gab es auch eine anschauliche Präsentation. Quelle: Steffen Burger
Ein Blick auf die Zuhörer im Saal. Quelle: Steffen Burger
Miriam Meckel beim anschließenden Kaminabend mit Jörg Sennheiser, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrats des gleichnamigen Unternehmens. Quelle: Steffen Burger
Jörg Sennheiser gab Einblicke in die Erfolgsgeschichte seines Familienkonzerns. Quelle: Steffen Burger
Die Themen waren unter anderem das Management des Spannungsfeldes zwischen Hochtechnologie und Emotionen sowie einer globalen Präsenz bei zugleich lokaler Verwurzelung. Quelle: Steffen Burger
Der Abend schloss in einem kulinarischen Get-together zum Networken. Quelle: Steffen Burger
Die Teilnehmer fanden sich zu angeregten Gesprächen an den Stehtischen ein. Quelle: Steffen Burger
Eine ideale Gelegenheit für die Geschäftsführer, neue Kontakte zu knüpfen. Quelle: Steffen Burger
Jörg Sennheiser ins Gespräch vertieft. Quelle: Steffen Burger
Sehen Sie nachfolgend weitere Bilder des Abends. Quelle: Steffen Burger
Quelle: Steffen Burger
Quelle: Steffen Burger
Quelle: Steffen Burger
Quelle: Steffen Burger

Und das brachte den Kongress zum Tanzen?

Bildhaft gesprochen, ja. Die Beispiele, die Höttges und Oettinger präsentierten, haben bei den Teilnehmern tiefen Eindruck hinterlassen. Allein dass im Koalitionsvertrag 72 Mal das Wort Digitalisierung vorkommt und in Deutschland sich fünf Ministerien mit dem Thema herumschlagen, wird vielen die Augen geöffnet haben, was bei uns im Argen liegt. Da kam schon bei vielen die Angst auf, daraus wird nix. Der Kalauer von Oettinger, was früher die Parkbank, sei künftig die Volksbank, sprich: dass viele zumeist ältere Kunden den Bankschalter vor allem als Ort für ein Schwätzchen betrachten und das künftige Bankgeschäft über das Internet läuft - das hat viele zum Lachen, aber auch zum Nachdenken gebracht.

Wie haben sich die Unternehmer Ihnen gegenüber dazu geäußert?

Leicht geschockt, insgesamt aber dankbar. Mir haben sehr, sehr viele Mittelständler, darunter auch Weltmarktführer und herausragende Unternehmerpersönlichkeiten, gesagt, sie hätten außerordentlich viel gelernt. Sie gaben zu, sie hätten sich selbst ertappt, wie viele Wissenslücken sie beim Thema Digitalisierung hätten. Und sie hätten einiges davon als Hausaufgaben mit genommen.

Zur Person

Zum Abheften oder zum Abarbeiten?

Ganz klar zum Abarbeiten. Einige haben mir gesagt, sie würden sich sofort darum kümmern, den Nachholbedarf aus der Welt zu schaffen. Ihnen leuchte ein, wie weit sie und Deutschland gegenüber Ländern wie den USA oder Südkorea hinterher seien. Wenn wir mithalten wollen, müssen wir uns sehr anstrengen. Was andernfalls droht, konnten viele wenige Tage später am Bespiel Voith studieren. Der schwäbische Maschinenbauer will knapp 1600 Stellen streichen, um sich für die Digitalisierung der Fertigung, sprich: Industrie 4.0, zu wappnen.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%