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Gipfeltreffen der Weltmarktführer Europa ist digital fünf Jahre hinterher

EU-Kommissar Günther Oettinger will, dass Europa beim Internet künftig nicht der Kellner und Google der Koch ist. Um das zu erreichen, schockt er Unternehmer schon mal gern mit schonungslosen Vergleichen.

Erster Kongresstag beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer
Zukunftsfähigkeit sichern – Wachstumspotentiale realisieren – Von den Besten lernen. Unter diesem Motto findet dieses Jahr das Gipfeltreffen der Weltmarktführer in Schwäbisch Hall statt. Quelle: Steffen Burger
Reinhard Klein, Vorstandsvorsitzender der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG, begrüßte die Gäste am Mittwochmorgen. Quelle: Steffen Burger
Auch Managementexperte Bernd Venohr begrüßte die Teilnehmer. Er beschäftigt sich seit Langem mit dem Erfolgsmodell deutscher Weltmarktführer und ist auch beratend tätig. Quelle: Steffen Burger
Miriam Meckel, Chefredakteurin der WirtschaftsWoche, richtet ihre Grußworte an das Publikum. Quelle: Steffen Burger
Den ersten Vortrag des Tages hielt Timotheus Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom. Er referierte über die Industrie 4.0 und die Chancen für Europa. Quelle: Steffen Burger
Andreas Schmitz, Sprecher des Vorstands von HSBC Deutschland, hielt einen Vortrag darüber, wo der deutsche Mittelstand noch Wachstumschancen hat. Quelle: Steffen Burger
Michael Ziesemer, Präsident des ZVEI – Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. und COO der Endress+Hauser Gruppe, referierte ebenfalls über die Chancen der digitalen Revolution und die Schlüsselposition der Elektroindustrie. Quelle: Steffen Burger

Erst schockte Telekom-Chef Timotheus Höttges die Mittelständler beim Gipfeltreffen der Weltmarktführer mit der aktuellen Übermacht amerikanischer IT- und Internetkonzerne. Dann legte der neue EU-Digital-Kommissar Oettinger gegen Google, Facebook und Co. nach.

Die Deutschen seien "hysterisch" beim Datenschutz, polterte der Schwabe los, relativierte dann allerdings, dass das wohl aus der Erfahrung in der Nazizeit und später in der DDR herrühre. Die Volksbanken müssten aufpassen, dass sie die Digitalisierung  nicht verschliefen und zur "Parkbank" für Rentner würden. Und im künftigen Internet sei die Frage, wer im Zweifelsfall Vorrang haben solle, die Übertragung medizinischer Daten in den Notarztwagen oder der Videos auf Youtube.



Die anfänglichen Lacher, die Oettinger für seine Reißer erntete, verstummten schnell, als dem Kongress der WirtschafsWoche in Schwäbisch Hall seine Kernbotschaft übermittelte. Um sich auf die beginnende Digitalisierung fast aller Geschäfts- und Produktionsprozese einzustellen, hätten die Unternehmen nicht mehr viel Zeit: "Nur noch fünf  bis sechs Jahre."

Der ehemalige Ministerpräsident von Baden-Württemberg und CDU-Politker präsentierte sich auf der WirtschaftsWoche-Veranstaltung als Aufrüttler und Verfechter einer glasklaren Industriepolitik. Um den eigenen Unternehmen die Möglichkeit zu digitalen Geschäften zu erhalten, forderte er ein EU-weit einheitiches Datenschutzrecht.

Daran müssten sich künftig vor allem auch Google und Facebook halten. Die beiden US-Konzerne wüssten schon jetzt mehr etwa über die Autofahrer als deren Versicherung. Einer der Gründe seien die völlig zersplitterten Datenschutzbestimmungen in der EU. Gleichzeitig müsse die Versorgung mit Breitband-Datennetzen  schnellstens vorangetrieben werden.

Ausdrücklich stellte Oettinger die Gleichbehandlung aller Daten im Internet in Frage,  also dass Filme, Musik, die Steuerung autonom fahrender Autos und automatisierter Fertigungslinien oder die Übermittlung von Informationen in den OP-Saal gleich viel kosten und miteinander konkurrieren dürfen sollen.

Geht es nach Europas neuem Digital-Lotsen, soll diese sogenannte Netzneutralität künftig nicht mehr das  erste Gebot im Internet sein. Hinzukommen müsse der Vorrang wichtiger Dienste, für die  die Telekommunikationskonzerne dann auch mehr Geld verlangen dürfen.

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In den USA gehört dies schon zum Alltag. So  bezahlt der Internet-TV-Betreiber Netflix bereits dafür, dass er seine Filme ruckelfrei durch das Netz geschleust bekommt. Eine Entdemokratisierung des Internets, wie Kritiker dies bezeichnen,   sieht Oettinger durch ein Netz der unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Eintrittspreise nicht. Immerhin bleibe der große Teil des Datenverkehrs davon unberührt.

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