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Akku-Experte Suckow "Benzin ist zu billig"

Der Akku-Experte von Johnson Controls, Stefan Suckow, über die abflauende Elektroauto-Euphorie und deren gute Seiten.

Stefan Suckow, Akkuexperte bei Johnson Controls. Quelle: Pressebild

WirtschaftsWoche: Herr Suckow, das Interesse an der Elektromobilität scheint in der Autoindustrie abzukühlen. Erschreckt Sie das?

Suckow: Im Gegenteil: Ich freue mich über mehr Realismus. Ich bin froh, dass der Hype abgeklungen ist und wir jetzt ehrlich über das reden, was machbar ist.

Welche Erwartung meinen Sie? Dass 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren werden?

Mir ist nicht bekannt, dass wir uns von diesem Ziel verabschiedet haben. Nein, ich meine die Erwartung der Öffentlichkeit, dass es schon bald möglich sein werde, mit einem Elektroauto 600 Kilometer weit zu fahren, ohne nachzuladen.

Das müsste doch für einem Zulieferer von Hochleistungsakkus ein Ansporn sei.

Ja, wenn wir in der Lage wären, derartige Leistungsdaten darzustellen. Das können wir heute aber nicht.

Wo Tanken im Ausland teuer wird
ItalienKurz vor Ostern leiden die Italiener ganz besonders unter einem Rekord-Benzinpreis, der sie noch härter trifft als viele andere: Auf 1,90 Euro und mehr ist der Preis hochgeschnellt. In Rom lag er an manchen Tankstellen auch schon über der Schwelle von zwei Euro. Auch Diesel liegt nach der jüngsten Übersicht mit 1,795 Euro pro Liter auf Rekordhöhe. Das hat sofort neuen Streit ausgelöst, denn die Italiener sind durch die Steuererhöhungen und Sparmaßnahmen der Regierung von Mario Monti vielfach belastet. Quelle: dpa
Italien„Ein voller Tank kostet jetzt zehn Euro mehr als zu Jahresbeginn“, rechneten Verbraucherverbände vor. Das sei eine „unhaltbare Sache für die Familien, die ihr Geld schon wegen der unglaublichen Erhöhung der (sonstigen) Preise und der Steuern zusammenhalten müssen“. Man kenne das ja kurz vor Festen wie Ostern, kritisierte der Konsumentenverein Codacons: „Sind acht Millionen Fahrzeuge unterwegs, dann macht das bei einem Cent mehr pro Liter beim Volltanken vier Millionen Euro aus.“ Die Regierung solle ernsthaft diesen „Benzin-Notstand“ angehen. Quelle: dpa
ÖsterreichZumindest die Österreicher scheinen derzeit noch vergleichsweise günstig zu tanken: Sie zahlen im Schnitt 1,52 Euro für einen Liter Super. Die Preise schwanken jedoch stark, zwischen 1,37 in der Steiermark und 1,67 in Tirol. Der Dieselpreis liegt mit 1,47 Euro pro Liter fast auf europäischem Niveau. Quelle: dpa
BelgienDie Super-Preise sind auch in Belgien deutlich gestiegen und liegen derzeit bei durchschnittlich 1,74 Euro. Für den Liter Diesel zahlen Autofahrer an der Zapfsäule 1,55 Euro. Quelle: dpa
FrankreichAuch die Franzosen klagen über hohe Kraftstoffpreise – im März mussten sie im Schnitt 1,63 Euro pro Liter Super und 1,55 Euro pro Liter Diesel bezahlen. Wegen den hohen Kosten diskutiert wie die USA auch Frankreich, die Benzinreserven anzuzapfen. Deren Spritpreise liegen seit Jahren auf deutschem Niveau. Quelle: Reuters
SchweizMal eben in der Schweiz billig tanken gehen - wegen des starken Schweizer Franken ist das für deutsche Autofahrer in grenznahen Regionen derzeit nicht so attraktiv wie früher. Auch wenn der Abstecher über die Grenze angesichts teurer Benzinpreise in Deutschland verlockend erscheinen mag: „Die Schweizer liegen im Moment nur sieben Cent unter unserem Preis“, sagt ein Mitarbeiter einer Agip-Tankstelle in Konstanz. Früher konnte der Preisunterschied - auch bedingt durch die Ökosteuern - bei bis zu 30 Cent liegen. Mitte vergangenen Jahres stieg der Schweizer Benzinpreis sogar auf einen höheren Wert als auf deutscher Seite. Die Folge: Der Tanktourismus kehrte sich auf einmal um - und die Schweizer tankten billiger in Deutschland. Quelle: dpa
NiederlandeIm Nachbarland liegt der Preis für Super deutlich höher als in Deutschland – im Schnitt zahlen die Niederländer 1,83 Euro für einen Liter im März. Diesel kostet dort derzeit 1,51 Euro. Quelle: Reuters

Haben Sie nicht die Befürchtung, dass das Interesse an dieser Antriebsform wieder auf den Nullpunkt fällt?

Das befürchte ich nicht. Die zahlreichen Flottenversuche haben viele Deutsche an die Technik herangeführt und die sogenannte Reichweitenangst...

...die Angst, mit leerem Akku in einsamer Gegend liegen zu bleiben...

...deutlich gemindert. Auch sind nach den Flottenversuchen die Forderungen nach einem Netz von Schnellladestationen leiser geworden: Wir wissen heute, dass sie nicht benötigt werden, weil die Reichweite der Akkus meist nicht ausgeschöpft wird und auch Elektroautos den Großteil des Tages irgendwo herumstehen.

Wann wird nach Ihrer Einschätzung die Stunde der Elektroautos schlagen?

Die hat längst geschlagen: Die Autos sind alltagstauglich, auch bezahlbar. Es wird allerdings noch etwa 20 Jahre dauern, bis sie auch große Strecken von 500 Kilometern und mehr zurücklegen können.

Derzeit reicht eine Batterieladung für eine Strecke von rund 100 Kilometern.

Unter optimalen Bedingungen und im Stadtverkehr. Bei größeren Reichweiten wird die Batterie sehr groß, sehr schwer, sehr teuer. Auf Zellebene liegen wir heute bei einer Speicherkapazität von 120 Wattstunden pro Kilo Gewicht. Wir bräuchten für einen Langstrecken-Stromer aber die doppelte Dichte.

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