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Anlagenbau Für die Chinesen gut genug

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Die größte Industrieschau der Welt
Produktschau, Ideenwerkstatt, Konzeptionsschmiede: Die Messe in Hannover gilt als das Schaufenster der deutschen Wirtschaft und strahlt als größte Investitionsgütermesse der Welt. Mit Themen wie Energietechnik, Energieeffizienz und Urbanität besetzt die Branchenschau die wichtigen Themen des 21. Jahrhunderts. Quelle: dpa
Industrial Automation: Über acht Hallen erstreckt sich die Messe für Prozessautomation, Fertigungsautomation und Systemlösungen. Hier werden vor allem Innovationen aus dem Maschinen- und Anlagenbau sowie der Robotik gezeigt. Darüber hinaus zeigen die Aussteller neue mobile Roboterlösungen, die in der Produktion, in öffentlichen Bereichen und im Dienstleistungssektor geeignet sind. Auch Flugroboter und automatische Reinigungssysteme für Photovoltaikanlagen werden gezeigt. Hallen: 7-9. 11, 14-17 Quelle: dpa
Energy: Von der Wind- und Bioenergie über Photovoltaik bis hin zur Solar- und Geothermie: Eine bedeutende Rolle spielen auf der Hannover Messe Energiethemen. Im Fokus stehen hier Technologien und Trends der konventionellen und regenerativen Energieerzeugung sowie die Themen Energieübertragung und -verteilung. Als weiteres großes Thema geht es auf der Energy um die Erneuerung der bestehenden Netzinfrastruktur (Smart Grids). Ein weiteres Highlight wird der Gemeinschaftsstand Wasserstoff + Brennstoffzellen sein. Hallen: 11-13, 27, Freigelände Quelle: dapd
Mobilitec: Projekte zum Thema Elektromobilität werden auf der Leitmesse Mobilitec vorgestellt. Experten aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft geben einen Einblick in den aktuellen Stand der Forschung und diskutieren technologische Herausforderungen und wirtschaftliche Chancen. Auf dem Freigelände können die Besucher Elektrofahrzeuge auf Herz und Nieren testen. Halle: 25, Freigelände Quelle: dapd
Digital Factory: Sie gilt als IT-Motor der Industrie - die Digital Factory mit einem breiten Spektrum, das weit über die üblichen Standartsoftwarethemen hinausgeht. Ein Highlight ist die Sonderschau "Technology Cinema 3D", die zeigt, dass 3-D-Visualisierung zunehmend Grundlage industrieller Entscheidungsprozesse ist. Hallen: 7 Quelle: Reuters
Industrial Supply: In vier Hallen sind Themen für die gesamte Prozesskette der Zulieferindustrie vertreten. Premiere feiert in diesem Jahr der Themenpark Klebetechnik. Besonderes Augenmerk der Industrial Supply liegt auf den intelligenten Werkstoffen und nachhaltigen Technologien - beispielsweise CFK-Werkstoffen, die im Flugzeugbau zum Einsatz kommen. Hallen: 3-6 Quelle: dpa
Coiltechnica: In Halle 25 zeigen die Hersteller von Spulen, Elektromotoren, Generatoren und Transformatoren ihre Innovationen. Im Fokus stehen erneuerbare Energien für die Elektroindustrie, Chancen der Elektroindustrie im Bereich Automotive und die Effizienzsteigerung elektrischer Maschinen. Halle: 25 Quelle: ZBSP

Bei Karl Christoph Caselitz, Vertriebschef des Schaltschränke- und Stromverteilungsexperten Rittal aus dem nordhessischen Herborn, fällt die Antwort eindeutig aus. Wo Rittal drinsteckt, steht Rittal drauf, so will es der Weltmarktführer. Caselitz warnt: „Egal, ob am obersten Ende oder bei Sonderprodukten für den zweiten Markt: Chinesische Kunden wollen angemessene Qualität. Wer dort Ramsch anbietet, verliert weltweit Reputation.“

Doch die sei auch auf dem mittleren Markt wichtig. „Chinesische Maschinenbauer können ihre Anlagen teurer verkaufen, wenn sie sie mit Rittal oder anderen guten Namen als Zulieferern bewerben können“, so Caselitz. Er ist skeptisch gegenüber einer Zweimarkenstrategie: „Den hohen und teuren Markenpflege-Aufwand unterschätzen viele.“

Doch auch wer heute solide im Good-enough-Markt positioniert ist, spürt schon Druck von unten. Caselitz erlebt es im Rittal-Werk in Shanghai : „Chinesische Anbieter drängen massiv in diesen Markt, denn der Absatz von Billigware wird selbst für sie unattraktiver.“ Das liegt auch daran, dass die Konkurrenz in Indonesien oder Vietnam längst billiger produzieren kann.

Strategie 3: Low End

Billig wird in China trotzdem noch lange gefragt bleiben. Deshalb tritt der Automatisierungsspezialist elexis, seiner Strategie folgend, alle Marktsegmente zu bedienen, auch hier auf. Aber unter anderem Namen. „Die deutsche Herkunft ist nicht mehr ohne Weiteres nachzuvollziehen. Der chinesische Kunde kauft von einem chinesischen Unternehmen, einem ,Member of the elexis-group‘“, sagt Vorstandschef Koepp. Der chinesische Billigmarkt lohne sich trotz niedrigerer Preise dank seiner schieren Größe. So viel gesicherter Absatz verbillige die Herstellung. „Wir betrachten das wie Handelsmarken im deutschen Supermarkt, schlecht sind die ja auch nicht“, sagt Koepp trocken.

Rittal-Vizechef Caselitz traut diesem dritten Weg weniger: „Das ist ein knochenharter Markt, auf dem die deutschen Hersteller bei chinesischen Zulieferern nicht die gleichen Einkaufspreise durchsetzen können wie einheimische Unternehmen.“

Da ist schon der staatliche Protektionismus vor.

Gut genug auch für Deutsche?

„Die Good-enough-Produkte für China werden bald den Weg zu uns zurück finden“, prophezeit Stefan Herr, Partner der Bonner Unternehmensberatung SimonKucher. „Das macht kein Hersteller freiwillig, aber es könnte zum notwendigen Übel werden.“

Seine Vier-Stufen-Theorie: „Zunächst zahlt der chinesische Kunde hohe Preise für deutsche High-End-Qualität aus Mangel an Alternativen. Sobald auf dem Markt Wettbewerb entsteht, kauft er deutsche, abgespeckte Produkte. Anschließend schließen die asiatischen Konkurrenten qualitativ und preislich auf. Und am Ende exportieren die Asiaten ausgereifte Gut-genug-Technik ins Ausland.“

Hannover Spezial



Sein Fazit: Deutsche Maschinenbau- und Elektrotechnikunternehmen müssten den Medium-Markt auch in Deutschland rechtzeitig bedienen. Sonst gingen sie gegenüber den asiatischen und insbesondere chinesischen Konkurrenten unter wie derzeit die deutschen Solar-Pioniere.

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