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China-VW-Chef Neumann "Wir nehmen jeden Konkurrenten ernst"

Chinas VW-Chef über das Wachstum der Volksrepublik, die Expansionspläne von Volkswagen und die nachlassende Nachfrage.

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Karl-Thomas Neumann Quelle: LAIF Christian Burkert

WirtschaftsWoche: Herr Neumann, zu Jahresbeginn ging der Pkw-Absatz in China erst mal zurück. Glauben Sie, dass der Boom der vergangenen Jahre vorbei ist?

Neumann: Im Januar gab es zwar wegen der ungewöhnlich frühen Feiertagswoche zum Neujahrsfest eine Abschwächung, aber im Februar legten die Auslieferungen
des Volkswagen Konzerns in China schon wieder kräftig zu, bei Audi um 66 Prozent und bei der Marke Volkswagen um mehr als 40 Prozent. Ich rechne damit, dass sich das dynamische Wachstum Chinas auch in den nächsten Jahren fortsetzen wird, allerdings mit einer geringeren Rate als in den vergangenen Jahren.

Was heißt das für Volkswagen?

China ist und bleibt der größte Automobilmarkt für den Volkswagen Konzern. Wir sind dort mit unseren Fahrzeugen sehr erfolgreich. Unser Ziel ist es, 2012 die Position als Marktführer in China beizubehalten, unsere Fahrzeugauslieferungen erneut zu steigern und wieder stärker als der Markt zu wachsen.

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    Für chinesische Verhältnisse klingt das zurückhaltend.

    Das ist nicht zurückhaltend. Wir haben unsere gesamte Planung auf ein gesundes Wachstum ausgerichtet. Dazu bauen wir unsere Kapazitäten wie angekündigt deutlich aus.

    Wo sehen Sie denn in Zukunft das Wachstum in China?

    Das Wachstum der chinesischen Wirtschaft normalisiert sich insgesamt. Natürlich gibt es in manchen Megastädten – gefördert auch durch staatliche Regulierungen – eine gewisse Sättigung. So werden in Peking Autokennzeichen verlost, in Shanghai muss man sie ersteigern. Die größten Wachstumsimpulse werden daher in Zukunft eher von dem ländlichen Raum Chinas ausgehen, wo es aber viele Millionenstädte gibt. Darum haben wir unser Werk in Chengdu in der Provinz Sichuan erweitert und bauen eine neue Fabrik in Foshan in Südchina.

    Die größten deutschen Arbeitgeber in China
    Knorr-Bremse Quelle: Screenshot
    Heraeus Quelle: Foto: Heraeus
    Henkel Quelle: Pressebild
    Evonik Quelle: Pressebild
    Bertelsmann Quelle: dapd
    Schenker Quelle: dapd
    Freudenberg Quelle: Pressebild

    Muss man die chinesischen Hersteller inzwischen ernst nehmen?

    Ja, denn die heimischen Marken werden stark gefördert. Wir nehmen jeden Konkurrenten ernst, auch wenn die chinesischen Hersteller 2011 kein gutes Jahr hatten und Marktanteile verloren haben.

    Die chinesischen Hersteller First Automotive Works (FAW) und Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) arbeiten seit rund 30 Jahren mit Volkswagen zusammen. Warum sind die noch nicht in der Lage, ein ordentliches Auto zu bauen?

    Neumann: Ich kann nur für den Volkswagen Konzern sprechen. Volkswagen arbeitet mit FAW und SAIC seit Jahren eng und erfolgreich zusammen, wie die aktuellen Investitionen sowie die Einführung neuer Technologien und Modelle zeigen. Uns sind eine gute Beziehung zu unseren chinesischen Partnern und der gemeinsame Erfolg unserer Joint Ventures wichtig.

    Keine Kunden für E-Autos

    Diese Autos sollen die Chinesen begeistern
    So ist es auch kein Wunder, dass die Volkswagen-Konzern bzw. Audi-Tochter Lamborghini ausgerechnet Peking wählt, um erstmals ein Concept Cars ihres neuen Luxus-SUV vorzustellen, das Urus heißt, benannt nach einer spanischen. Kampfstierrasse ... Quelle: dpa
    Lamborghini-Chef Stefan Winkelmann mit dem Urus Concept SUV. Bis zu 3.000 Fahrzeuge jährlich könnten produziert werden, heißt es. Unter der Motorhaube kommt ein Zwölfzylinder zum Einsatz, der den Viertürer mit der coupeartigen Dachlinie mit 600 Pferdestärken antreibt. Ob es bis zur Serienfertigung bei den kleinsten Außenspiegeln der Welt bleibt, darf allerdings bezweifelt werden ... Quelle: dpa
    Medienansturm auf den Lambirghini Urus am ersten Pressetag der Messe Auto China. Quelle: dpa
    Lamborghini Urus Concept SUV: Die Automesse in Peking begann mit einer Rekordausstellungsfläche, 990 Autos sind 220.000 Quadratmetern zu sehen, von den Herstellern wurden 120 Modell-Weltpremieren angekündigt. China gilt als äußerst wichtiger Wachstumsmarkt für die Autohersteller der Welt. Allerdings haben sich die Zuwachsraten beim Absatz deutlich verlangsamt, seit die Regierung Förderprogamme für den Autokauf zusammenstrich. Zudem haben einige Metropolen strenge Fahrauflagen erlassen, um der Umweltverschmutzung und den ständig wachsenden Staus auf den Straßen Herr zu werden. Die „Auto China“ findet abwechselnd in Peking und Shanghai statt. 2010 waren in der Hauptstadt 785.000 Menschen zu der Messe gekommen. Quelle: dpa
    Kurz vor dem Publikumsansturm: Letzte Aufräumarbeiten auf dem Volkswagen-Stand. Noch immer sind mehr als drei Viertel der chinesischen Autokunden Erstkäufer. Rund 100 Millionen Pkw waren zuletzt in dem Riesenreich mit rund 1,4 Milliarden Menschen registriert. Zum Vergleich: In Deutschland kommen auf fast 82 Millionen Bürger knapp 43 Millionen Autos. So niedrig wie heute in China war die Pkw-Dichte in der Bundesrepublik in den 1950er Jahren. Die damalige Situation in Deutschland ähnelt in manchen Punkten der heutigen in China: Der Wohlstand wächst quer durch die Bevölkerung rasant. Und der Hunger nach Mobilität sowie nach technisch hochwertigen und optisch ansprechenden Besitztümern ist schier unersättlich. Quelle: dpa
    Wenn es um Luxus-SUV und China geht, darf Maserati natürlich nicht fehlen. Die Nobeltochter des italienischen Fiat-Konzerns hatte mit der Ankündigung des Kubang zunächst überrascht, weil sie bislang ausschließlich flache Sportwagen baut. Aber seit dem Riesenerfolg des Porsche Cayenne suchen eben alle nach ähnlichen Modellen, um sportliches Markenimage auf neue Produkte zu übertragen. Der Neue wurde vom Maserati Style Center entworfen und ist auf den ersten Blick als ein Werk der Italiener zu erkennen. Das liegt vor allem an dem typischen Kühlergrill mit den Längslamellen und dem großen Dreizack in der Mitte. Die restliche Karosserie ist eine Mischung aus SUV und Coupé mit mächtiger Front und vehement nach hinten abfallender Dachlinie ... Quelle: dpa
    Viele Details verrät der italienische Hersteller mit dem Dreizack im Logo jedoch noch nicht über seinen neuen Viertürer. Lediglich, dass die Gänge über eine Achtstufenautomatik gewechselt werden, die exklusiv für den Kubang in Modena entwickelt wurde. Aus Sicht von Traditionalisten wird der Kubang nicht Maseratis einziger Stilbruch beiben: Auch Dieselmotoren wurden bereits angekündigt ... Quelle: dpa

    Volkswagen will in den nächsten Jahren 14 Milliarden Euro in China investieren. Wie soll das Geld eingesetzt werden?

    Wir werden in den nächsten Jahren jedes Jahr ungefähr acht neue, lokal produzierte Modelle auf den Markt bringen, und wir sind in China heute zu deutlich mehr als 100 Prozent ausgelastet. Unsere Fabriken sind für 250 Arbeitstage im Jahr ausgelegt, wir arbeiten momentan aber an mehr als 300 Tagen.

    SAIC und FAW sind starke, vor allem politisch bestens vernetzte Partner. Lässt Sie das ruhiger schlafen?
    Natürlich haben wir gute Partner mit einem ausgezeichneten Standing und politischer Rückendeckung, aber es gibt durchaus auch mal unterschiedliche Interessen und Meinungen – so wie in jeder guten Beziehung. Unsere beiden chinesischen Joint Ventures sind sehr erfolgreich, und wir wollen diese Partnerschaften erhalten und weiter ausbauen.

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    Die Regierung zwingt die ausländischen Hersteller nun, chinesische Marken für ihre lokalen Partner zu entwickeln. Was macht VW da?

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      Wir sehen das nicht als Zwang, sondern eher als Chance und haben in diesem Zusammenhang zwei Elektroautos angemeldet und experimentieren jetzt mit Testflotten und entsprechenden Markennamen. In jedem Fall werden wir aber auch Elektroautos unter unseren eigenen Marken in China anbieten. Dazu bringen wir unsere Konzerntechnologie nach China. Im Rahmen unserer Verpflichtungen werden wir auch eine Kernkomponente in China entwickeln. Bei E-Autos könnte das etwa der Akku sein. Aber die Entscheidungen sind noch nicht gefallen.

      Die chinesische Regierung hat schon vor Jahren ehrgeizige Pläne zur Elektromobilität vorgestellt. Passiert ist aber letztlich wenig.

      Auch in China hat man vielleicht die Herausforderungen in Sachen Elektromobilität unterschätzt. Vor allem aber: Bis jetzt gibt es keine für die Kunden attraktiven Elektroautos.

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