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E-Mobilität Boom bei Elektromotorrädern

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Kein Auspuff und kein Tank

Die Zero S von Zero Motorcycles soll noch diesen Monat auf den Markt kommen. Quelle: Pressebild

Eines dieser sauberen Motorräder ist die Zero S. Schon durch das strahlende Rot fällt sie auf. Die Maschine ist eines der fünf neu vorgestellten, elektrischen Motorräder von Zero Motorcycles. Erst der zweite Blick offenbart, dass sie keinen Auspuff hat, keine Kupplung und keinen Tank.

Statt der herkömmlichen Ketten treibt ein schwarzer Riemen die Räder an. Und unter einer kümmerlichen Tankattrappe verbirgt sich ein mächtiger schwarzer Kasten: der Lithium-Ionen-Akku, der im Top-Modell mit dem kleinen Elektromotor für bis zu 183 Kilometer Reichweite und eine Höchstgeschwindigkeit von 142 Kilometern pro Stunde sorgen soll.

Steigt der Fahrer auf und dreht den Zündschlüssel, passiert – zunächst nichts. Das motorradtypische, röhrende Geräusch bleibt aus. Nur ein leises Klicken und eine grüne Kontrollleuchte rechts vom Tacho zeigen, dass die Maschine startbereit ist. Doch ein Dreh am Gasgriff reicht, und schon macht die Zero S einen Satz nach vorn. Die 28 PS fühlen sich nach deutlich mehr an, was vor allem am enormen Beschleunigungsvermögen liegt, das Elektromotoren typischerweise besitzen.

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Leistung als Herausforderung

Die Zero S ist Symbol des Umbruchs, in dem sich der Markt befindet. Bislang verkaufen die Hersteller vor allem E-Roller und Elektrofahrräder. Die sind mitunter so einfach herzustellen, dass es sogar Studententeams an Universitäten hinbekommen. Die Entwicklung eines Motorrades ist aufwendiger. „Leistungsstarke Elektromotorräder für den Straßenverkehr stellen die Entwickler vor enorme Herausforderungen“, sagt Christian Förster vom TÜV Nord.

Um 50 PS Leistung oder mehr zu erreichen, müssen die Motoren mit einer elektrischen Spannung jenseits der 60-Volt-Grenze versorgt werden. Das ist das Fünffache einer Autobatterie. Diese Technik unfallsicher in ein Motorrad einzubauen, sei anspruchsvoll, sagt TÜV-Ingenieur Förster. Denn: Bastelt ein Besitzer unsachgemäß an dem Motor, droht ihm im schlimmsten Fall ein lebensgefährlicher Stromschlag.

Gefährdet sind im Alltag auch Fußgänger. Mehrere Testfahrten in Hamburg und Bonn zeigten: Für Kinder, Erwachsene und Radfahrer sind die E-Bikes geradezu unerhört schnell – die Stromer sind kaum zu hören.

Trotzdem: Die Elektrozweiräder beschleunigen nicht nur flott und fahren ohne Abgase, sie überzeugen auch mit günstigen Verbrauchswerten. Eine Zero-S-Batterie ist in drei Stunden für 1,30 Euro aufgeladen. Anschließend fährt die Maschine rund 180 Kilometer weit. Damit sind die E-Bikes im Unterhalt deutlich billiger als Maschinen mit Verbrennungsmotor. Um den Mehrpreis für die Stromer herauszuholen, müssen die Besitzer allerdings rund 70.000 Kilometer fahren.

Lange stand die Haltbarkeit der teuren Akkus infrage. Zero Motorcyles glaubt nun, dass seine Akkus 3.000 Ladezyklen aushalten und ihre Leistungsfähigkeit dann erst auf 80 Prozent sinkt. Damit wären die Maschinen unglaubliche 500.000 Kilometer unterwegs – viel mehr als ein durchschnittliches Motorradleben.

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