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Hannover Messe Wie GE Siemens Marktanteile abjagen will

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Industrie 4.0 ist mehr als Automatisierung

Auch GE-Europa-Chef Hutchinson sieht eine starke Ausgangsposition der deutschen Industrie. Die kenne die Prozesse und habe industriell einen Vorsprung vor den USA. Doch sei die Kette bis zur Produktion des Produkts, auf der Siemens dominiert, nur ein kleiner Teil des Geschäfts. „Das ist auch wichtig, aber der Teil, den wir abdecken, ist noch wichtiger.“ 4.0 sei nicht in erster Linie Automatisierung. „Am Ende geht es vor allem um die Produktivität von Maschinen im Betrieb.“

Hutchinson nennt ein Beispiel. Für eine US-Eisenbahngesellschaft digitalisierte GE das komplette System mit unzähligen Sensoren. „Jeder Zug wurde zum mobilen Daten-Center“, so der GE-Manager. Mit Hilfe der gewonnenen Daten konnten die Lokomotiven effektiver eingesetzt werden, die Durchschnittsgeschwindigkeit stieg von 21 auf 23 Stundenkilometer. Nicht viel, sollte man denken. Doch konnten die Kosten laut Hutchinson so um 300 Millionen Dollar gesenkt werden.

Siemens hat Digital Enterprise und zusätzliche Lösungen auf dieser Basis, mit denen Kunden zum Beispiel eigene Apps entwickeln können. „Wir steigen nicht in den Wettbewerb mit unseren Kunden ein“, betont Helmrich. Es gelte das Motto: „Du behältst deine Daten, und wir liefern die Infrastruktur.“

Siemens will mit Digital Enterprise Maßstäbe setzen, GE hält dagegen. „Wir glauben, unsere Plattform Predix liegt im Wettbewerb vorn“, sagt Hutchinson. Im Februar vorgestellt will GE mit Predix in diesem Jahr bereits sechs Milliarden Dollar Umsatz machen, in vier Jahren sollen es schon 15 Milliarden Dollar sein. Predix sei maßgeschneidert auf die Kundenbedürfnisse. 8.000 Software-Ingenieure von Kunden und GE seien bereits damit beschäftigt, Anwendungen wie zum Beispiel Apps zu entwickeln. Mit Predix können etwa Windfarmen aus der Ferne gewartet und optimiert oder Flugzeugtriebwerke überwacht werden. Heutzutage könne von jeder Maschine ein digitaler Zwilling geschaffen werden, der zum Beispiel durch Simulationen die Optimierung des Betriebs ermögliche, so Hutchinson.

Die neue Einheit GE Digital – Siemens hatte seine Aktivitäten bereits früher in der Division Digitale Fabrik erfolgreich gebündelt – soll bei den Europa-Plänen der Amerikaner eine Schlüsselrolle spielen. GE kam im vergangenen Jahr in Europa auf 25 Milliarden Euro Umsatz. „Wir wollen organisch wachsen und Marktanteile gewinnen“, kündigte Hutchinson an. Natürlich will GE Siemens auch Marktanteile abjagen. „GE braucht einen starken Wettbewerber, und Siemens braucht einen starken Wettbewerber.“ Konkurrenz, so Hutchinson, belebe am Ende schließlich das Geschäft.

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