Also sterben Berufe unterschiedlich schnell?
Es ist eine Frage der Entwicklungsgeschwindigkeit. Es gibt Berufe, da werden zu Beginn nur 40 Prozent des Jobs automatisiert werden können, aber 20 Jahre weiter werden es wahrscheinlich 60 bis 80 Prozent sein. Berufe lassen sich in Aufgaben aufteilen. Nach und nach wird entschieden, mehr und mehr Aufgaben in die Hand der Künstlichen Intelligenz zu geben.
Aktuell wird viel über den Wandel der Pflegeberufe gesprochen. Pflegeroboter sind mancherorts schon im Einsatz. Sehen Sie dort ebenfalls eine schnelle Ablöse bevorstehen?
Pfleger im Krankenhaus und der Altenpflege, Berufe in der Kindererziehung – sogenannte menschelnde Berufe werden vorerst weiterhin existieren. Das sind Jobs, in denen der Kontakt zu Menschen unabdingbar ist.
In der Kranken- oder Altenpflege wird mit Sicherheit der Roboter viele Aufgaben leisten können – pflegen und waschen etwa – währenddessen werden die Pfleger mehr Zeit für das persönliche Gespräch haben. Bestimmte Dinge wollen wir nämlich auch gar nicht automatisieren.
Ähnlich steht es um die Lehrer. Einen großen Teil der Wissensvermittlung können Roboter übernehmen. Geht es aber um Soziales lernen wir zwischen Menschen und nicht von Robotern.
Heißt, Lehrer verschwinden zwar nicht, müssen aber einen Wandel vollziehen, weil auch einen Teil ihres Jobs zukünftig Künstliche Intelligenzen übernehmen?
Definitiv. Das Bildungssystem wird sich grundsätzlich verändern. Bildung 4.0 wird eine gute Mischung sein zwischen online und offline – Lernen von Robotern und Menschen.
So gibt es häufig jemanden, der Algebra besser beibringen kann als der Lehrer, der gerade vor einem steht. Warum sollten nicht alle bei dem lernen, der es am besten beibringen kann? Online ist das möglich – oder künftig eben auch durch Robotik.
Bildung 4.0 muss heißen: Weg von Wissensanreicherung hin zu Methoden- und Sozialkompetenz. Denn Antworten findet der Computer. Wir müssen in der Lage sein, die richtigen Fragen zu stellen. So ähnlich wird es auch Ärzten und Forschern gehen.
Inwiefern?
Watson, die Künstliche Intelligenz von IBM kann schon heute bessere Vorhersagen über Energieverbräuche, klimatische Auswirkungen und Verläufe von Epidemien und Seuchen machen als Wissenschaftler es können.
Wo mancher Doktor drei Jahrzehnte und viel Erfahrung braucht, um ein Ergebnis zu berechnen, benötigt Watson nur ein paar Sekunden. Die Diagnose und Vorschläge für die bestmögliche Behandlung wird in Zukunft die Künstliche Intelligenz machen. Der Mensch muss die richtigen Fragen stellen. Die Rolle zwischen Doktor und Patient wird sich damit dramatisch verändern.





Letztendlich bleibt aber trotz allem der Mensch am Steuer. Er hat die Kontrolle über die Arbeit der Roboter und trifft Entscheidungen, oder?
Künstliche Intelligenzen werden überall vorhanden sein – und natürlich werden sie auch im Management Einzug halten. Das klingt weiter weg von unserer heutigen Realität als es tatsächlich ist. In China wurde eine Millionenstadt für ein Jahr lang in die Hand einer Künstlichen Intelligenz gegeben – ohne, dass es aufgefallen wäre. Statt von einem Bürgermeister verwaltete quasi ein Stück Software die Stadt.
Eine Künstliche Intelligenz kann alleine Optionen ausloten und Entscheidungen vorbereiten oder sogar treffen. Dadurch werden Hierarchien verschwinden. Kontroll-Management wird sich der hin zum Ermächtigungs-Management entwickeln. Die Künstliche
Intelligenz braucht weiterhin den selbstverantwortlichen, eigenständigen, mitdenkenden Menschen, der eigenmächtig Entscheidungen trifft.
Management der Zukunft
Mit der Initiative „Management der Zukunft“ zeichnen die WirtschaftsWoche und KPMG CEOs aus, die mit ihren Managemententscheidungen für Mut und Führungsstärke stehen. Kernidee der Initiative ist die Wahl des „EntscheidungsMachers“.
Weitere Informationen finden Sie unter entscheidungsmacher.wiwo.de
Wie stellen sich Berufstätige auf diesen harschen Wandel ein? Nicht jeder kann das Tempo der Digitalisierung mitgehen.
Um nicht von der Digitalisierung überrollt zu werden, wird das Wichtigste für Berufstätige sein, sich aktiv mit neuen Technologien auseinander zu setzen und offen zu sein für Weiterbildung.
Es geht hier nicht darum jede Neuerung in seiner ganzen Bandbreite zu verstehen, aber darum ein konstantes Interesse daran zu haben, wie bestimmte digitale Technologien die eigene Branche beeinflussen und welchen spezifischen Nutzen sie für den eigenen Job haben können.