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Maschinenbauer Trumpf "Veränderung ist wichtiger als Wachstum"

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"Man muss die Dinge so ansprechen können, wie sie sind."

Sie scheuen klare Worte nicht, wenn es um Politik geht. Auch nicht, als Russland die Krim annektierte. Da haben Sie Putin scharf kritisiert. Hat Ihnen das im Russland-Geschäft geschadet?

Leibinger-Kammüller: Hat es? Ich weiß es gar nicht. Aber es wäre mir auch egal.

Egal. Punkt?

Leibinger-Kammüller: Ja, genau. Man muss die Dinge so ansprechen können, wie sie sind.

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Das haben große Teile der deutschen Wirtschaft anders gehandhabt.

Leibinger-Kammüller: Ja. Aber wir nicht. Man muss auch mal Grenzen setzen. Und dann muss man eben auf Geschäft verzichten, so bitter das sein mag. Ich denke, das müssen wir Deutsche aus der eigenen Historie heraus besonders gut verstehen. Ich bin trotzdem der Meinung, dass man mit Russland immer im Gespräch bleiben muss. Das Schlimmste wäre, nicht mehr zu reden. Wie auch im Unternehmen. Es gibt immer gegensätzliche Meinungen. Wichtig ist aber, dass man im Gespräch bleibt.

Als Paar an der Firmenspitze, wie ist das eigentlich?

Leibinger-Kammüller: Sehr gut. Eben hatten wir einen Krach, aber mein Mann hat sich dann entschuldigt, dann war wieder alles in Ordnung (lacht) ... Nein, ganz ehrlich: Es geht sehr gut. Man muss gut kommunizieren, und zwar gerade dann, wenn es schwierig wird. Jeder hat bei uns seine Themen, in die sich dann der andere nicht einmischt. Ich habe meinem Mann das Feld der Digitalisierung in vielen Punkten überlassen, er lässt mich in anderen Bereichen machen. Aber wir haben die gleichen Grundüberzeugungen.

Reden Sie eigentlich auch zu Hause über die Firma?

Leibinger-Kammüller: Wir sprechen ständig über die Firma. Auch zu Hause, beim Abendessen, mit den Kindern. Die Firma ist immer mit am Tisch. Wir kennen das nicht anders. Aber das ist nicht schlimm. Unsere Kinder sollen ja da auch reinwachsen.

Angeblich ist in der nächsten Generation noch kein einziger Ingenieur in Sicht. Stimmt das?

Kammüller: Ja. Einen Betriebswirt gibt es da, einen Soziologen, einen Geologen und eine Tochter, die sich für Psychologie interessiert. Die Kinder sollen machen, was sie wollen. Das ist das Allerwichtigste. Ein Studium oder auch nicht. Und wenn ein Studium, dann das, was sie begeistert. In die Aufgaben in der Firma können sie hineinwachsen, auch ohne Ingenieurstudium. Wir haben aber eine klare Regel: Die Kinder müssen sich erst draußen, in einer anderen Firma beweisen, bevor sie hier Verantwortung übernehmen dürfen.

Als Literaturwissenschaftlerin, Frau Leibinger-Kammüller: Welche historische Figur hätte unsere heutige Zeit besonders nötig?

Leibinger-Kammüller: Vielleicht Rosa Parks, die Bürgerrechtlerin aus den USA, die in den Fünfzigerjahren im Bus nicht aufstand, um einem Weißen Platz zu machen. Was für ein Mut! Was für eine tolle Frau! Und was sich aus diesem Protest alles ergeben hat, welch ein Wandel in den USA! Und wie unfassbar, dass diese Diskriminierung noch im vergangenen Jahrhundert stattfand, quasi erst kürzlich. n

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