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RWTH Aachen Hinter den Kulissen der Ingenieurschmiede

RWTH Aachen Campus

Die RWTH Aachen gilt als die Talentschmiede für Ingenieure und Elektrotechniker. Wie die Universität es schafft, dass die Unternehmen zu den Studenten kommen und nicht andersherum.

Marco Stieneker zeigt auf eine grüne Plane mitten in der großen Halle. „Dort liegt ein Geheimprojekt“, sagt er. Der Ingenieur erzählt von Windradturbinen-Tests und von Gleichstromnetzen. „Personen, die Ahnung von Elektrotechnik haben, können wir hier total beeindrucken“, fügt er hinzu und grinst. Was sich unter der Plane in der 1000 Quadratmeter großen Versuchshalle befindet, verrät er nicht. Was er verrät ist, dass der Versuchsaufbau einen wesentlichen Beitrag zur Erforschung von Gleichspannungsnetzen in Offshore-Windparks liefern wird.

Stieneker ist Ingenieur und promoviert an der RWTH Aachen. Eine Entscheidung, mit der er nicht allein ist. Mehr als 25.000 Studenten studieren an der Universität ein Fach der Ingenieurwissenschaften. Wer Karriere machen möchte, ist hier gut aufgehoben. Im Uni-Ranking der WirtschaftsWoche haben mehr als 500 Personaler die RWTH zur Nummer-Eins-Adresse für angehende Wirtschaftsingenieure gewählt. Beliebte Studenten-Städte wie Berlin und Hamburg folgen mit einigem Abstand.

Dass die Ingenieurschmiede ausgerechnet in Aachen ansässig ist, irritiert. Die Universität ist von den Hauptstädten der Branche weit entfernt. Nicht einmal eine gute ICE-Verbindung gibt es. Was also überzeugt die Personaler aus diversen Branchen so?
Als „The Aachen Way“ bezeichnet Anja Robert, was die Unternehmen anziehe. Robert leitet das „Career Center“ der Universität und steht mit vielen Arbeitgebern in Kontakt. Was sich hinter dem Marketingsprech verbirgt, ist vergleichsweise schnell umrissen

Das sind Deutschlands beste Unis
Das RankingFast 19.000 Studiengänge an knapp 400 Hochschulen gibt es in Deutschland. Bei so viel Auswahl tauchen schnell Fragen auf: Welche Uni oder Fachhochschule ist die beste? Welche verschafft mir den besten Start in die Karriere? Orientierung bietet dabei das exklusive Hochschulranking der WirtschaftsWoche. Mehr als 500 Personalverantwortliche fragte der Personaldienstleister Universum Global danach, von welchen Universitäten sie in verschiedenen Fächern am liebsten Absolventen rekrutieren. Die Top-Unis in den Bereichen BWL, VWL, Wirtschaftsingenieurwesen, Wirtschaftsinformatik, Maschinenbau, Elektrotechnik, Informatik und Naturwissenschaften im Überblick. Das große WirtschaftsWoche-Hochschulranking 2018 mit allen Ergebnissen für Universitäten und Fachhochschulen finden Sie hier. Quelle: dpa
RWTH Aachen Quelle: RWTH Aachen/Peter Winandy
RWTH Aachen Quelle: dpa
RWTH Aachen Quelle: RWTH Aachen/Peter Winandy
Ludwig-Maximilians-Universität München Quelle: imago
LMU München Quelle: LMU/Jan Greune
Uni Mannheim Quelle: Universität Mannheim/Norbert Bach

Der Schlüssel zum Erfolg liege in einer soliden Ausbildung der Studenten in den Grundlagen und der Fähigkeit, über das Bestehende hinauszudenken. „Spricht man die Studenten auf die Mathematik-Module an, verdrehen manche die Augen“, sagt Robert. Aber ohne eine solide Basis gehe es nicht. Entscheidend sei jedoch, dass es längst nicht bei der trockenen Theorie bleibe. Die Verzahnung von universitärer Forschung und Anbindung an die industrielle Praxis ist so eng wie an wenigen Universitäten sonst. Davon profitieren die Hochschule und ihre Absolventen.

Dass Marco Stieneker etwa an den Zukunftsfragen der Windenergie forschen darf, hat er der Praxisnähe der Ingenieurausbildung zu verdanken. Braucht ein Unternehmen eine Lösung für ein bestehendes Problem, kann es Forscher der RWTH beauftragen. Die Studenten werden in die Forschung mit einbezogen. Sie können sich als studentische Hilfskraft bewerben oder während ihrer Promotion Seite an Seite mit dem betreuenden Professor versuchen, Lösungen zu finden.

Wer erst einmal für ein Unternehmen geforscht hat, hat schnell ein Netzwerk von potenziellen Arbeitgebern aufgebaut: Hier eine Telefonnummer – da eine Visitenkarte – dort ein „melden Sie sich, wenn Sie Ihren Abschluss haben“. Die Liste der Unternehmen ist lang. Seit mehr als zehn Jahren ist zum Beispiel Miele Kooperationspartner der RWTH Aachen. Mehrere promovierte Ingenieure sind bei dem Haushaltsgerätehersteller gestartet, zum Beispiel als technischer Assistent der Geschäftsleitung. „Aachen ist für Miele von herausragender Bedeutung. Eine Reihe hochrangiger Führungskräfte haben in Aachen studiert und promoviert,“ sagt ein Sprecher des Unternehmens. Marco Stieneker kennt allein durch seine Forschungsarbeit 24 Unternehmen. Das sind zwei Dutzend potenzielle Arbeitgeber.

Von den Forschungskooperationen der RWTH profitieren aber nicht nur Unternehmen und Studenten, sondern auch die Universität selbst. Neben dem guten Ruf bringt die Forschung auch jede Menge Geld ein. Für jeden Euro von Unternehmen erhält die Universität einen größeren Anteil der leistungsorientierten Mittel vom Bund und vom Land Nordrhein-Westfalen. Die Grundfinanzierung, die jeder Hochschule zusteht, ist unverhandelbar. „Bei der Verteilung der leistungsorientierten Mittel stehen die Hochschulen im Wettbewerb“, sagt Aloys Krieg, Prorektor für Lehre.

Um leistungsorientierte Mittel zu erhalten, sei es von Vorteil, große Summen an Drittmitteln aus der Industrie oder öffentlichen Förderprogrammen beispielsweise von der EU für die Forschung zu bekommen. Die Bilanz der RWTH im Jahr 2017: 360 Millionen Euro hatte die Universität an Drittmitteln zur Verfügung, 92 Millionen davon kamen aus Industrie und Wirtschaft. „Die RWTH genießt völlig zurecht einen exzellenten Ruf“, sagt Hermann Lamberty, Sprecher des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW. Sein Ministerium entscheidet über die Höhe der Landesmittel, die jede Hochschule erhält. Die Zuweisungen an die RWTH betragen zwischen 2010 und 2020 fast fünf Milliarden Euro. „Das ist gut investiertes Geld“, sagt Lamberty. Die RWTH nutzt das Geld, um Forschung und Wirtschaft noch enger zu verzahnen.

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