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Till Reuter Kuka-Chef gegen Restriktionen gegenüber ausländischen Investoren

Exklusiv
Quelle: dpa

Die deutsche Regierung prüft eine härtere Gangart bei Firmenübernahmen aus dem Ausland. Doch Kuka-Chef Till Reuter hält dagegen und erklärt: „Wir im Westen sind mit unseren Produkten so gut, weil wir offen sind.“

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Die Bundesregierung prüft eine härtere Gangart bei Firmenübernahmen aus dem Ausland. Konkret geht es um eine Verschärfung der Außenwirtschaftsverordnung, mit der Käufe durch ausländische Unternehmen untersagt werden können, sofern sie die öffentliche Ordnung und Sicherheit gefährden. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) lässt derzeit in seinem Ministerium klären, ob die Regierung künftig bereits in Fällen einschreiten kann, wenn ausländische Investoren nur zehn statt der bislang geltenden 25 Prozent der Anteile an einem deutschen Unternehmen übernehmen. Darüber berichtet die WirtschaftsWoche in ihrer aktuellen Ausgabe.

Viele Politiker treibt die Sorge um, dass Unternehmen, die für Deutschland strategisch wichtig sind, zuhauf an chinesische Investoren verkauft werden. Ausgelöst wurde die Debatte als der Hausgerätehersteller Midea Anfang vergangenen Jahres den Roboterhersteller Kuka übernahm. Die Produkte der Augsburger gelten als Schlüsseltechnologie der Industrie 4.0.

Kuka-Chef Till Reuter hält schärfere Gesetze, um ausländische Investoren fernzuhalten, allerdings für den falschen Weg. „Wir im Westen sind mit unseren Produkten so gut, weil wir offen sind“, sagt er im Interview mit der WirtschaftsWoche. „Globaler Wettbewerb hat immer dafür gesorgt, dass wir innovativer und besser sind als andere. Jetzt stellen manche die Frage, ob wir diesen Ordnungsrahmen und dieses Wertesystem ändern sollen. Das halte ich für falsch.“

Vielmehr müssten sich die Europäer daran gewöhnen, dass China nicht mehr die verlängerte Werkbank des Westens sein wolle und auch von dort Innovationen kämen. „Wenn wir mithalten wollen, müssen wir einfach besser sein. Aber im Moment sehe ich bei uns häufig Angst“, sagt der Kuka-Chef. Die Sorgen kämen daher, dass Deutschland keine Antwort auf China habe. Reuter wünscht sich, dass Deutschland statt über Restriktionen zu reagieren, selbst mehr Industriepolitik betreibt. „China hat einen konkreten Plan, wo das Land im Jahr 2025 beziehungsweise 2050 stehen soll. So etwas brauchen wir in Deutschland meiner Ansicht nach auch“, sagt der Manager.

Er meint, dass Innovation zu wenig gefördert werde. „Wir haben eine starke Autoindustrie. Da müssten wir eigentlich ordentlich investieren als Staat.“ Stattdessen kämen die meisten Elektroautos aktuell aus USA oder China.  Ähnliche Defizite sieht er in Bezug auf die Medizintechnik. „Dort investieren wir auch nicht so viel. Das ist in China eben anders.“

Reuter meint, dass es für Kuka sinnvoll sei, einen chinesischen Großaktionär an Bord zu haben. Der könne den Roboterbauer dabei unterstützen die Nummer eins in China zu werden. Aktuell ist Europa der größte Markt für Kuka. Das werde sich ändern, meint Reuter. „Heute können wir 25.000 Roboter in Augsburg produzieren und bis zu 20.000 in China.“ Im Jahr 2024 sollen die Kapazitäten von Kuka in China fünf Mal so hoch sein wie aktuell.

Unternehmenskennzahlen der KUKA AG

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