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Vernetzte Industrie Wie Forscher den Missbrauch künstlicher Intelligenz verhindern wollen

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Schluss mit der Abschottung

Ein erster Schritt in diese Richtung ist die Initiative Partnership on AI, zu deren Gründungsmitgliedern IT-Schwergewichte wie Google, Amazon, IBM, Facebook oder Microsoft gehören. Den Unternehmen scheint bewusst, dass maschinelle Intelligenz zu einer Bedrohung werden kann. Dass die Maschinen, statt menschliche Entscheidungen zu unterstützen, auch Katastrophen auslösen könnten – wenn sie manipuliert werden.

Auch in der Polizeiarbeit. Die Behörden suchen etwa nach Mitteln und Wegen, wie sie die Zahl der Wohnungseinbrüche in Deutschland senken können. Dabei setzen sie auch auf Methoden des „Predictive Policing“: Computer sollen mit statistischen Prognosen helfen, Einbrüche in gefährdeten Gegenden zu verhindern. In Baden-Württemberg nutzen die Beamten dazu in einem Pilotprojekt die Software Precobs des Instituts für musterbasierte Prognosetechnik aus Oberhausen. Noch zielt sie nur darauf, dass Polizeibeamte in Vierteln öfter Streife fahren, die als gefährdet identifiziert sind.

Künftig könnte Software vielleicht auch bei Kapitalverbrechen zum Einsatz kommen. In einigen US-Städten lässt die Justiz bereits die Rückfallwahrscheinlichkeit von Gefangenen von der Software berechnen, die dann empfiehlt, ob Anträge auf vorzeitige Entlassung abgelehnt werden sollen oder nicht. Was aber, wenn Kriminelle die Algorithmen steuern, die die Polizeiarbeit steuern?

„Roboter sind für den Einsatz am Kunden komplett unpraktisch“
Roboter Robby Pepper Quelle: AP
Die Gäste sind begeistert. „Er ist wie eine echte Person, er ist wirklich gut“, sagt etwa Mihail Slanina aus Moldau nach einer der ersten Schichten Robbys. „Er spricht, er hat mir sogar die Hand geschüttelt.“ Quelle: AP
Entwickelt wurde Robby von der japanischen Firma Softbank Robotics Quelle: AP
Die Verwendung von Robotern für Service-Aufgaben in Bereichen wie dem Tourismus kann die menschlichen Beschäftigten entlasten Quelle: REUTERS
Der Verband der Robotik-Industrie und Robotik-Forschungsinstitute ITR mit Sitz in Frankfurt rechnet damit, dass der Verkauf von professionellen Service-Robotern bis 2020 jedes Jahr um 20 bis 25 Prozent wächst. Im vergangenen Jahr wurden rund 79.000 Exemplare abgesetzt. Sie kommen nicht nur wie Robby für Informationszwecke zum Einsatz, sondern auch für Sicherheitsaufgaben, Reinigung, Medizin oder in der Logistik. Quelle: REUTERS
„Abgesehen davon, dass man die Kunden mit der technischen Neuerung vertraut macht, ist die aktuelle Verwendung von Robotern für den Einsatz am Kunden komplett unpraktisch und sehr einfach, weil die Vertreter der Künstlichen Intelligenz zu dumm sind für alles, was über die Zeit und das Wetter hinausgeht“, sagt Richard Windsor, Technologie-Experte aus London. Quelle: REUTERS
Die aktuellen Grenzen der Humanoiden würden auch von der Tatsache belegt, dass die beiden Hersteller der aus Expertensicht besten Systeme für Künstliche Intelligenz, Google Assist und das chinesische DuerOS, derzeit keine solchen Roboter bauten, sagt Windsor. Er erwartet, dass die heutigen Roboter verschwinden werden, wenn der Reiz des Neuen verflogen sei - um dann wieder aufzutauchen, wenn die Technologie besser sei. Dazu müsse man jedoch noch viele Daten sammeln. Quelle: AP

Die im Partnership on AI beteiligten Firmen setzen sich deshalb dafür ein, dass die Anbieter solcher Systeme tiefere Einblicke in ihre Technik gewähren. Abschottung funktioniere im digitalen Zeitalter nicht mehr. Standards müssen auch bei der künstlichen Intelligenz definiert und offengelegt werden: Was genau tut ein Algorithmus? Wie funktioniert er? Solche Fragen müssten Softwareentwickler mit Blick auf Datenschutz und Datensicherheit eindeutig beantworten, fordern die Partner. Doch bisher allerdings halten sich nicht einmal alle Firmen selbst an die sich selbst auferlegten Vorgaben.

Erfolg werden solche Industrieinitiativen ohnehin nur haben, wenn sich auch alle Nutzer des Internets der Dinge der Risiken einer hochgradig vernetzten Welt bewusst sind. Wenn sie nicht länger auf ihren Smartphones Schnüffeldienste zulassen und über x-beliebige Apps Auskunft darüber geben, wo – auf den Meter genau – sie sich gerade befinden.

Michael Kranawetter, Leiter der Abteilung Sicherheit bei Microsoft Deutschland, fordert mehr Aufklärung. Die meisten Leute wüssten schlicht nicht, wie wichtig es sein kann, mit Daten sparsam zu sein, und wie sie im Alltag weniger Datenspuren hinterlassen können. Daher sollten „Grundprinzipien der Programmierung Einzug in die Stundenpläne der Schulen erhalten“. In einer vernetzten Welt sei nur derjenige ein mündiger Bürger, der weiß, welche Spuren er hinterlasse – und der verbergen könne, mit wem er wo zu Abend isst. n

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