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Wertpapiere Wackelige Aussichten für Mittelstandsanleihen

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Eine Bank im Rücken

Hausbau Quelle: LAIF/Zenit/Paul Langrock

Mehr denn je brauchen Anleiheemittenten eine Bank im Rücken. Die sollte nicht nur den Weg ebnen zu institutionellen Anlegern wie Vermögensverwaltern oder Fonds, die größere Volumina zeichnen als Privatanleger: „Banken wissen meist besser als Mittelständler, welche Anforderungen diese Investoren an den Wertpapierprospekt stellen, und kennen ihre Erwartungen an einen Bond“, argumentiert Blättchen-Berater Hasler. Zudem sorgen Banken für ein Rating durch ein unabhängiges Analystenhaus, ohne das Profi-Investoren wie Fonds oder Vermögensberater kein Papier kaufen.

Für Emittenten könnte künftig auch eine andere Rolle der Banken wichtiger werden: das Risiko im Umgang mit Anlegeranwälten zu mindern. Zwar trägt am Ende in jedem Fall das Unternehmen das Risiko allein, wenn es die Zinsen nicht mehr zahlen kann oder gar insolvent wird. Doch ist eine Bank im Boot, fallen Fehler in der Regel früher auf, und sie hat am Gelingen der Emission ein gewisses Interesse: „Die Insolvenz eines von uns betreuten Emittenten ist für uns sicher kein Ruhmesblatt“, sagt ein Anleihenexperte.

Denn unabhängig davon , ob Q-Cells und Siag nun ein Fehler nachgewiesen wird: Gerade beim Anleiheprospekt sollten die ausgebenden Unternehmen besonders sorgfältig sein und alle möglichen Probleme auflisten. „Die Risikohinweise müssen absolut richtig und vollständig sein“, fordert Anlegeranwalt Dittke. Dazu gehört ein vernünftiges und umfassendes Risikomanagement, das trotz der gesetzlichen Pflicht für die vielen nach Handelsgesetzbuch bilanzierenden Mittelständler nach wie vor nicht selbstverständlich ist.

Gut organisiert sein

„Der Emittent muss alle Risiken im Blick haben und sicherstellen, dass auch seine Leute sie kennen und Investoren darüber zutreffend und vollständig aufklären“, rät Dittke. Hat der Vorstand sein Unternehmen schlecht organisiert, haftet er gegebenenfalls persönlich. Das gilt besonders, wenn die Ad-hoc-Mitteilungen genannten Nachrichten über wichtige Veränderungen wie geplatzte Großaufträge nicht korrekt sind. So teilte etwa Siag noch drei Wochen vor ihrer Insolvenz mit, das Unternehmen habe erhebliche Reserven, sodass der Bestand der Gruppe nicht gefährdet sei.

Die ersten Unternehmen, die Anleihen auf dem Markt bringen wollen, stellen sich bereits um. Beispiel Friedola: Der für Schwimmflügel, Klebefolien und Kunstleder für Autos bekannte Mischkonzern bietet seit voriger Woche ein Papier mit fünf Jahren Laufzeit zu 7,25 Prozent an. Und Geschäftsführerin Désirée Derin-Holzapfel hat bereits versprechen lassen, keinen Investoren schlechter zu informieren als bisher ihre Hausbank.

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Garantien

Andere wie die Hamburger Immobilienfirma AVW Grund setzen auf Garantien. Von ihrer 50-Millionen-Anleihe will der Mehrheitsaktionär der Muttergesellschaft AVW Immobilien, Frank Albrecht, ein Viertel kaufen, aber den übrigen Anlegern für den Fall einer möglichen Pleite den Vorrang lassen. Um mögliche Ansprüche daraus abzudecken, hat die AVW Grund die Mieteinnahmen aus den mit der Anleihe finanzierten Objekten an einen Treuhänder abgetreten.

Trotzdem bleiben die Aussichten für Mittelstandsanleihen am Ende immer noch ein wenig wackelig. Die Ungewissheit ist größer geworden, ob und wie schnell sich eine Anleihe tatsächlich verkauft. Zwar sammelte der Golfbekleidungshersteller Golfino am Tag der Siag-Insolvenz noch innerhalb eines Tages zwölf Millionen Euro ein. Doch AVW Grund musste die Zeichnungsfrist ihrer Anleihe verlängern. „Wir hatten uns schon mehr erhofft“, sagt AVW-Chef Andreas Uelhoff.

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