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Wertpapiere Wackelige Aussichten für Mittelstandsanleihen

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Gründlich vorbereiten

ATU Quelle: Pressebild

Der dürfte weitergehen, auch wenn mit Siag und Q-Cells die ersten Emittenten insolvent sind. Doch Unternehmen, die künftig Anleihen auflegen wollen, raten Experten zu noch gründlicherer Vorbereitung.

Am einfachsten haben es trotz der Insolvenzen auch künftig etablierte Mittelständler mit bekannten Namen. So sammelte der Naturkostler Schneekoppe im Oktober 2010 mit einer Anleihe binnen drei Wochen zehn Millionen Euro ein. Autoteile Unger (ATU) platzierte in kurzer Zeit zwei Anleihen über insgesamt 450 Millionen Euro, obwohl das Unternehmen nach mehreren Besitzerwechseln und einem stockenden Geschäft finanziell nicht in Bestform war. „Die erfolgreiche Platzierung unterstreicht das Vertrauen unserer Investoren, die an den Erfolg unseres Geschäftsmodells glauben“, sagt ATU-Finanzchef Christian Sailer.

„Bei Mittelstandsanleihen kann man fast von einer Art Markenbeleihung sprechen“, sagt Peter Bartels, Vorstand für Familienunternehmen und Mittelstand bei der Beratung und Wirtschaftsprüfung PricewaterhouseCoopers (PwC). Soll heißen: „Wer einen großen Namen hat, zahlt erfahrungsgemäß bis zu 1,25 Prozentpunkte weniger Zinsen als ein unbekanntes Unternehmen“, sagt Peter Hasler, Vorstand der auf Mittelstandsanleihen spezialisierten Beratungsgesellschaft Blättchen & Partner aus München.

Grafik Was Mittelständler die Ausgabe einer Anleihe von 20 Millionen Euro kostet

Nebenkosten

Unabhängig davon sollten sich die Unternehmen auch über die Schattenseiten einer Anleihefinanzierung im Klaren sein. Bei Bonds fallen neben den Zinsen bis zu fünf Prozent des eingenommenen Geldes als Kosten für die Platzierung des Wertpapiers an. Dazu muss sich das Unternehmen Kontrollen durch Handelsbanken, die Börse und oft auch Ratingagenturen unterziehen. Die sind zwar weniger umfangreich als bei einem Börsengang. „Aber diese Nebenkosten könnten jetzt steigen und ein Maß erreichen, das gerade den im Mittelstand üblichen Familienunternehmen oft schwerfällt“, sagt ein mit Anleihegeschäften befasster Banker.

Zu den Nebenkosten zählen vor allem die Gebühren der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht für die Genehmigung des Wertpapierprospekts sowie Kosten von Beratern und Börse für die technische Vorbereitung, den Anleiheprospekt oder das Einsammeln des Geldes (siehe Tabelle).

Ein Experte im Haus

Diese Kosten haben in der Vergangenheit einige Unternehmen erfolgreich durch Eigenarbeit gedrückt. Die Helma Eigenheimbau AG aus dem niedersächsischen Lehrte etwa hat Anfang Dezember 2010 eine Anleihe über zehn Millionen Euro in Eigenregie begeben – für einen Bruchteil der üblichen Kosten. Möglich war dies, weil Finanzvorstand Gerrit Janssen zuvor für eine Kapitalberatungsgesellschaft gearbeitet hat und wusste, zu welchen Konditionen er das Papier erfolgreich an der Börse Düsseldorf platzieren konnte. Beteiligt waren statt des sonst üblichen Beraters nur eine Bank, die die Zeichnung umsetzte, und eine weitere als Zahlstelle. „Ein Mittelständler ohne Kapitalmarkterfahrung wird es ohne einen Berater oder Bankpartner aber nicht machen können“, ist Janssen überzeugt.

Und auch wer einen Experten im Haus hat, wird künftig wahrscheinlich mehr Hilfe von außen in Anspruch nehmen müssen. Einige Handelsplätze wie die Börse Stuttgart haben den Handel bei sich im Haus explizit daran geknüpft, dass die Unternehmen einen neutralen Experten engagieren. Dieser Coach prüft, ob das Unternehmen kapitalmarkttauglich ist, und berät es bei Emission und Notierung der Anleihe.

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