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Wertpapiere Wackelige Aussichten für Mittelstandsanleihen

Trotz der ersten Insolvenzen bleibt die Ausgabe von festverzinslichen Wertpapieren im Mittelstand ein wichtiges Mittel zur Finanzierung . Doch die richtige Vorbereitung ist bedeutender denn je.

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Neuer Rückschlag für Solarworld
SolarworldDer Bonner Solarmodulhersteller kommt nach seinem scharfen Kapital- und Schuldenschnitt vom Frühjahr nur langsam wieder in Tritt. Die konzernweite Absatzmenge sei im ersten Halbjahr nach vorläufigen Zahlen zwar um mehr als die Hälfte auf 357 Megawatt gestiegen, teilte Solarworld mit. Hierzu habe aber vor allem das Auslandsgeschäft beigetragen. In Deutschland sei der Markt weiter schwach. Das Umsatzziel für 2014 von mehr als 680 Millionen Euro werde deshalb wahrscheinlich nicht erreicht. In den ersten sechs Monaten wuchs der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 228 Millionen Euro, blieb dabei aber leicht unter den Erwartungen des Unternehmens. Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sowie bereinigt um Sondereffekte des internen Umbaus kam Solarworld auf einen leichten Gewinn von einer Million Euro (Vorjahreshalbjahr: -37 Millionen Euro). Ein insgesamt positives operatives Ergebnis erwartet das Unternehmen weiterhin für 2015. Mit der Restrukturierung hatte Solarworld seinen Schuldenberg um mehr als die Hälfte auf 427 Millionen Euro verringert. Dabei mussten Aktionäre und Gläubiger hohe Verluste hinnehmen. Erst vor kurzem hatte sich der Konzern mit einem wichtigen Rohstoff-Lieferanten auf neue Verträge geeinigt - musste im Gegenzug aber viel Geld in den Wind schreiben. Quelle: dpa
Nordex Der Windkraftanlagenbauer Nordex will seine Geschäfte in Südamerika ausbauen. Schon heute verkaufe Nordex vor allem in Uruguay mit einigem Erfolg, sagte Vorstandschef Jürgen Zeschky. Auch in Chile werde Nordex aktiv sein. „Diese Länder haben einen ungestillten Hunger nach Energie und zahlen für Strom aus heimischen Kraftwerken gutes Geld.“ In den USA habe sich Nordex dagegen bescheidene Ziele gesteckt. „Ich würde nicht so weit gehen, diese Strategie "Rosinen picken" zu nennen, aber dem härtesten Wettbewerb gehen wir so aus dem Weg“, sagte Zeschky. Der Umsatzanteil Amerikas liege bei 18 Prozent. Nach einem guten ersten Quartal hatte Nordex seine Prognose für 2014 zuletzt angehoben. Erwartet werden nun ein Auftragseingang von 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro und ein Umsatz von 1,5 bis 1,6 Milliarden Euro. Die Ebit-Marge für 2014 - also das Verhältnis von operativem Ergebnis und Umsatz - wird laut Zeschky 4 bis 5 Prozent betragen. Nordex werde sein Werk in Rostock für rund 25 Millionen Euro ausbauen, kündigte Zeschky an. Dort sind etwa 1400 Mitarbeiter beschäftigt. Insgesamt wolle Nordex bis 2016 rund 50 Millionen Euro in seine Kerntechnologie „Rotorblatt“ investieren. Hintergrund sind die größeren Dimensionen der Rotorblätter und zugehörigen Werkzeuge, die den Umbau der bestehenden Produktionshallen notwendig machen. Quelle: dpa
SolarworldDie Sanierung ist planmäßig abgeschlossen, die Verluste sind eingedämmt (auf 427 Mio. Euro) - jetzt müssen nur noch die Umsätze wieder fließen. Der Photovoltaikkonzern Solarworld sieht sich nach dem drastischen Kapital- und Schuldenschnitt wieder gut aufgestellt. „Wir kommen nicht nur in ruhigeres Fahrwasser, wir nehmen auch massiv Fahrt auf“, sagte Konzernchef Frank Asbeck im Mai bei der Hauptversammlung des Unternehmens in Bonn. Solarworld profitiere von dem Einstieg des Emirats Katar sowie von der Übernahme von Fertigungskapazitäten von Bosch in Thüringen. Der Unternehmenschef geht von einem Wachstum des globalen Photovoltaikmarktes aus, mit einem Schwerpunkt in Asien und in den USA. Allein im ersten Quartal seien in den USA fast so viele Neuanlagen installiert worden wie in dem rückläufigen Markt Deutschland für das ganze Jahr 2014 erwartet wird. Quelle: dpa
SMA SolarSchlechter Start ins Jahr 2014: Im ersten Quartal stand beim operativen Ergebnis des Solar-Technikherstellers ein Minus von 22 Millionen Euro in den Büchern - nach einem Verlust von 8 Millionen Euro Anfang 2013. Zudem brach der Umsatz deutlich ein. Grund dafür seien zum einen Unsicherheiten in Europa wegen der Ukraine-Krise, aber auch Projektverschiebungen in Nordamerika und Währungsturbulenzen in Indien, heißt es offiziell von SMA Solar. Auf der Hauptversammlung 2014 wurde beschlossen, für das Geschäftsjahr 2013 keine Dividende auszuschütten. Große Probleme hat das Unternehmen aber schon länger. Der Weltmarktführer bei Photovoltaik-Wechselrichtern hatte 2013 einen Verlust von rund 67 Millionen Euro eingefahren - nach einem Gewinn von 75,1 Millionen Euro 2012. Mit weiteren Sparmaßnahmen will SMA Solar nun wieder in die Gewinnzone zurückkommen. Schon im Jahr 2013 hat der Wechselrichter-Hersteller seine Kosten um 180 bis 200 Millionen Euro gesenkt. Zudem will das Unternehmen in Zukunft neue Märkte erschließen und neue Produkte einführen. „Im besten Fall“, so Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon, soll 2014 ein Ergebnisplus von 20 Millionen Euro erreicht werden. Ende Mai gab SMA Solar bekannt, das Solar-Wechselrichter-Geschäft vom Mitbewerber Danfoss komplett zu kaufen und eine strategische Partnerschaft anzustreben. Quelle: dpa
SunwaysBeim Fotovoltaik-Unternehmen aus Konstanz läuft seit Ende April das offizielle Insolvenzverfahren. Der Insolvenzverwalter hat damit begonnen, den Konzern zu zerschlagen. Als ersten Schritt zur Liquidierung beantragte Sunways am 19. Mai den Widerruf der Börsenzulassung an der Frankfurter Wertpapierbörse beantragt. Gleichzeitig trat der Vorstandsvorsitzende Hoong Khoeng Cheong zurück .Das Geschäft mit Wechselrichtern und gebäudeintegrierter Photovoltaik hat bereits der chinesische Solarkonzern Shunfeng übernommen. 40 Mitarbeiter können deshalb ihren Arbeitsplatz behalten. Alle anderen hätten ihre Kündigung bereits erhalten, teilte ein Sprecher mit. Ende 2012 waren bei Sunways noch 265 Menschen beschäftigt. Die Aktionäre müssen davon ausgehen, bei der Insolvenz komplett leer auszugehen. Sunways schrieb seit Jahren rote Zahlen und wies hohe Verluste aus. Wie im Mai bekannt wurde, waren die Geschäfte des Unternehmens schon mehrere Monate vor der Zahlungsunfähigkeit fast völlig zum Erliegen gekommen. Bereits 2013 befand sich das Unternehmen einmal in einem vorläufigen Insolvenzverfahren, nachdem mehrere Banken dem Unternehmen Kredite in Millionenhöhe gekündigt hatten. Durch eine Vergleichsvereinbarung wurde das eigentliche Insolvenzverfahren damals jedoch abgewendet. Quelle: dpa
S.A.G. Solarstrom AGDie Solarkrise hat den Anlagenbauer in die Knie gezwungen. Das Unternehmen stellte am 13. Dezember 2013 einen Insolvenzantrag. Die Solarstrom AG kann nach Ansicht des Insolvenzverwalters aber gerettet werden. Mit einer Zerschlagung des Solarunternehmens sei derzeit nicht zu rechnen, teilte eine Firmensprecherin am 16. Mai am Rande einer Gläubigerversammlung mit. Die Sanierung und die Suche nach Investoren laufe positiv und werde fortgeführt, sagte Insolvenzverwalter Jörg Nerlich. Einzelheiten hierzu nannte er nicht. Nerlich erwartet den Angaben zufolge eine Insolvenzquote von rund 50 Prozent. Ob Aktionäre Geld zurück erhalten können, sei aber weiter offen. Das Freiburger Unternehmen mit heute rund 170 Mitarbeitern zählt zu den Pionieren der Solarbranche. Es war 1999 eine der ersten börsennotierten Solarfirmen in Deutschland. Quelle: dpa
ProkonDer Windkraftanlagen-Finanzierer hat im Januar beim Amtsgericht Itzehoe Insolvenz angemeldet. Das Verfahren wurde Anfang Mai eröffnet. Die Zukunft für die insgesamt rund 1300 Beschäftigten ist ungewiss. Gut 75.000 Anleger hatten dem Unternehmen über Genussrechte rund 1,4 Milliarden Euro anvertraut. Sie müssen sich auf schmerzvolle Verluste einstellen. Insolvenzverwalter Dietmar Penzlin schätzt, dass sie zwischen 40 und 70 Prozent ihres investierten Kapitals verlieren werden. Das Geschäftsmodell des von Carsten Rodbertus 1995 gegründeten Windparkbetreibers stand seit langem in der Kritik. Quelle: dpa

Der Ernstfall begann mit gerade mal 14 dürren Worten. „Die Siag Schaaf Industrie AG, Dernbach, ist insolvent und wird in Kürze Insolvenzantrag stellen“, lautete die kurze Mitteilung, die der Windkraftzulieferer Siag aus dem Westerwald Mitte März verschickte.

Dieser Gang zum Amtsgericht Montabaur ist nicht bloß eine der rund 30.000 jährlichen Unternehmenspleiten in Deutschland. Er könnte am Ende eine ganze Säule der Unternehmensfinanzierung ins Wanken bringen: Mittelstandsanleihen.

Denn der Westerwälder Stahlbauer (Firmenmotto „Wir arbeiten an etwas ganz Großem“) ist das erste Unternehmen, das diese für Mittelständler relativ junge Form der Geldbeschaffung genutzt hat und nun in die Insolvenz geht. Prompt stürzte der Kurs der im vergangenen Sommer begebenen 50-Millionen-Euro-Anleihe auf unter zehn Prozent. Siags Insolvenzverwalter Jan Markus Plathner von der Sozietät Brinkmann & Partner in Frankfurt gab sich auf die Frage nach einem Ausfall der Anlegergelder vorsichtig: „Das hängt davon ab, wie das Insolvenzverfahren läuft und wie gut es mit der angestrebten Sanierung des Unternehmens klappt.“ Prompt wuchs an den Börsen und bei Finanzchefs die Furcht, die Anleger könnten die ganze Anlagegattung abstrafen, indem sie in großem Stil aus Mittelstandsanleihen flüchten. Dazu beantragte der Solarkonzern Q-Cells vergangenen Montag ebensfalls Insolvenz.

Siag Schaaf-Industrie Quelle: dapd

Nur wenige Anleihen mit Kursverlusten

Denn die Insolvenzen von Siag und Q-Cells treffen den Markt in einer kritischen Phase. Bereits in der zweiten Jahreshälfte 2011 mussten viele Unternehmen angesichts der Euro-Krise und einer drohenden Rezession ihre Pläne mangels Anlegerinteresses herunterschrauben oder die Ausgabe verschieben. Doch wegen der besseren Aussichten für Konjunktur und Euro ziehe die Nachfrage seit Februar wieder an, berichtet Andreas Uelhoff, Chef der Hamburger Immobilienfirma AVW Grund, die gerade eine Anleihe mit 6,1 Prozent Zinsen anbietet.

Bislang straften die Investoren nach der Siag-Pleite nur wenige Anleihen mit Kursverlusten, vor allem weitere Papiere aus der Windkraftbranche wie etwa Windsreich oder Eno Energy sowie die bereits vorher gebeutelten Solarunternehmen Solarwatt oder Payom Solar.

Risikominderung

Aber ganz ungeschoren wird die Anlageform am Ende nicht davonkommen, sagt Gerhard Rosenbauer von der Vermögensverwaltung Capital Forum mit Sitz in München und am bayrischen Tegernsee: „Die besonnene Reaktion der Anleger sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Markt aus dieser Pleite einiges lernen muss.“

Die erste Lektion lautet: Ein Unternehmen, das nach den aktuellen Insolvenzen eine Anleihe ausgeben will, sollte sich mithilfe von Experten und Banken gründlicher vorbereiten als bisher. Die zweite: transparenter auftreten. Dazu zählt nicht nur, dass die Emittenten vorab im Anleiheprospekt deutlich tiefere Einblicke ins Geschäft zulassen. Auch wenn die Anleihe erfolgreich am Markt platziert ist, raten Fachleute, die Anleger schneller und gründlicher zu informieren, etwa durch Quartalsberichte und Investorentage im Stil großer Aktiengesellschaften. „Das hält auch die Privatanleger bei der Stange“, sagt Lars Rosenberg, Mitarbeiter in der Handelsabteilung der Freien Internationalen Sparkasse aus Luxemburg.

Begehrte Papiere bei Anlegern

Die 20 innovativsten Mittelständler
Sear GmbH Quelle: Screenshot
Telegärtner Karl Gärtner GmbHDas Technologieunternehmen ist ein Unternehmensverbund mit Sitz in Steinenbronn. Das 1945 gegründete Unternehmen beschäftigt mehr als 450 Mitarbeiter und ist spezialisiert auf Vor- und Endprodukte für die Tele- und Datenkommunikation. Quelle: Screenshot
Jöst GnbH & Co.KGDie Jöst GmbH & Co. KG ist ein inhabergeführtes Unternehmen, das auf dem Gebiet der Schwingungstechnik tätig ist. Hauptsitz der Gruppe ist seit 1990 Dülmen-Buldern im westlichen Münsterland. Quelle: Screenshot
MAJA-Maschinenfabrik Hermann Schill GmbH & Co. KGDer Firma Maja hat bei der Herstellung von Eismaschinen für die Fleischindustrie und den Handel, das Thema der Hygiene aufgegriffen und verbessert, heißt es in einer Mitteilung von Munich Strategy. Durch Änderungen bei der Maschinenkonstruktion lassen sich alle wasserführenden Teile dadurch ausbauen und täglich oder bei Bedarf auch öfter reinigen. Sitz des Unternehmens ist Kehl-Goldscheuer an der französischen Grenze. Quelle: Screenshot
IBAK Helmut Hunger1945 wurde das Unternehmen aus der Technologiebranche als Ingenieurbüro gegründet. Heute ist es Hersteller und Vertreiber von Kanalisationssystemen mit rund 250 Mitarbeitern an den Standorten Kiel und den Zweigstellen in Krefeld, Georgsmarienhütte/Osnabrück und Illerrieden/Ulm. In diesem Jahr wurde zum 66. Geburtstag des Unternehmens eine neue Kundenhalle in Kiel-Wellingdorf eingeweiht Quelle: Screenshot
Galileo Lebensmittel GmbH & Co. KGDas Unternehmen wurde 1993 gegründet und stellt Tiefkühlkost her. Spezialisiert ist es auf Pizzen, Wraps und Crostinis - kurz gesagt auf Produkte der italienischen Küche. Sitz der Gesellschaft ist Trierweiler. Quelle: Screenshot
TECE GmbHAuf Platz 14 des Rankings liegt die Gesellschaft TECE, die Haustechnik-Lösungen national und international fertigt und vertreibt. Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück bis ins Jahr 1955 und ist inhabergeführt. Sitz der TECE GmbH ist Emsdetten in Nordrhein-Westfalen. Quelle: Screenshot

Zugleich mindert die höhere Transparenz das Risiko von Schadensersatzansprüchen, wenn das Unternehmen in wirtschaftliche Probleme gerät. „Wir sind bösgläubig“, sagt Anlegeranwalt Klaus Dittke von der Düsseldorfer Kanzlei Dittke Schweiger Kehl. Nach den Insolvenzen von Siag und Q-Cells gilt das mehr denn je.

Doch trotz des Dämpfers und höherer Anforderungen: Richtig vorbereitet, bleiben Anleihen für Mittelständler eine immer wichtigere Form der Unternehmensfinanzierung, urteilen Experten wie Ulrich Balz, Professor an der Fachhochschule Münster und Fachmann für Mittelstandsfinanzierung. Zum Jahreswechsel waren an den deutschen Börsen 40 Schuldverschreibungen von Mittelständlern mit einem Volumen von zwei Milliarden Euro notiert, davon 31 Anleihen über 1,5 Milliarden Euro aus 2011. „Die Zahl möglicher Papiere dürfte in den nächsten Jahren im unteren dreistelligen Bereich liegen“, schätzt Balz.

Zum einen sind die Papiere bei Anlegern begehrt, weil sie wegen des höheren Risikos im Durchschnitt höher verzinst sind als die Anleihen von Großunternehmen und erst recht im Vergleich zu Staatspapieren wie Bundesanleihen, die derzeit bei einer Laufzeit bis 2015 weniger als ein Prozent Rendite bringen. Die meisten Mittelstandspapiere rentieren mit sechs Prozent. Bei einem kriselnden Unternehmen wie der Fluggesellschaft Air Berlin rentiert die Anleihe vom vergangenen November mit Fälligkeit 2015 sogar mit mehr als zehn Prozent.

Geschäft in der Nische
Platz 16: Bremen181 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (0,9 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (auf dem Bild: Der Offshore-Windpark "Alpha Ventus" in der Nordsee, an dessen Ausbau sich das Bundesland Bremen beteiligt) Quelle: dpa
Platz 15: Saarland203 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (0,9 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Eine Solaranlage auf dem Gelände der ehemaligen Grube Göttelborn in der Nähe von Saarbrücken) Quelle: dpa
Platz 14: Hamburg670 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (0,9 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Das Unternehmen Nordex mit Sitz in Hamburg und Rostock, Mitarbeiter montieren das Maschinenhaus für eine Offshore-Windkraftanlage) Quelle: dpa
Platz 13: Sachsen-Anhalt727 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (1,6 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Das Hauptgebäude des Solarzellen-Herstellers Q-Cells in Bitterfeld-Wolfen) Quelle: dpa
Platz 12: Mecklenburg-Vorpommern814 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (2,0 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Ein Kühlturm vom ersten deutschen Erdwärmekraftwerk in Neustadt-Glewe)
Platz 11: Thüringen884 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (1,7 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Der Aufbau des Solarparks in Erfurt) Quelle: dpa
Platz 10: Berlin991 Unternehmen der Erneuerbare-Energie-Branche (1,0 % Anteil der Unternehmen an der Gesamtzahl) (im Bild: Die drehbare Fläche einer Photovoltaikanlage der Firma Solon in Berlin) Quelle: dpa

Auch für Unternehmen Vorteile

Aber auch für die Unternehmen haben Anleihen trotz des hohen Aufwands deutliche Vorteile gegenüber anderen Finanzierungsformen – besonders in Fällen wie der angeschlagenen Air Berlin. „Wir hatten bei der Ausgabe einen hohem Geldbedarf, aber wenig Chancen auf einen Kredit mit bezahlbaren Zinsen“, sagt ein Manager der Fluglinie. „Damals, bevor Etihad aus Abu Dhabi bei uns eingestiegen ist, war nicht klar, wie schwer der Winter für uns wird und ob uns in diesem Frühjahr überhaupt noch einer Geld leiht.“

Zudem gibt eine Anleihe dem Management mehr Freiheit im Tagesgeschäft. Denn die Käufer können sich weniger einmischen als etwa kreditgebende Banken oder Investoren, die Unternehmensanteile übernommen haben. Und zu guter Letzt hat das Unternehmen bei einer Anleihe das Geld für ein paar Jahre sicher. Denn im Gegensatz zu einem Kredit können die Gläubiger nicht plötzlich höhere Zinsen verlangen oder gar das geliehene Geld vorzeitig zurückfordern.

Nur wenige Mittelständler

Trotzdem zapfen bislang vor allem Konzerne wie die Deutsche Telekom, Lufthansa oder ThyssenKrupp den Anleihemarkt an. Zu den wenigen Mittelständlern gehört die Halloren Schokoladenfabrik aus Halle, die bereits 2004 und 2009 auf diesem Weg jeweils zehn Millionen Euro einsammelte.

Ansonsten scheuten Mittelständler lange die Bonds, weil sie die Papiere mangels eines echten Handelsplatzes nur schwer an die Anleger bringen konnten. Das änderte sich, als die Stuttgarter Börse im Sommer 2010 mit Bondm ein eigenes Segment für Mittelstandsanleihen schuf. Frankfurt, Düsseldorf, Hamburg/Hannover und München folgten mit ähnlichen Angeboten und sorgten so für einen Aufschwung der Mittelstandsanleihen.

Gründlich vorbereiten

ATU Quelle: Pressebild

Der dürfte weitergehen, auch wenn mit Siag und Q-Cells die ersten Emittenten insolvent sind. Doch Unternehmen, die künftig Anleihen auflegen wollen, raten Experten zu noch gründlicherer Vorbereitung.

Am einfachsten haben es trotz der Insolvenzen auch künftig etablierte Mittelständler mit bekannten Namen. So sammelte der Naturkostler Schneekoppe im Oktober 2010 mit einer Anleihe binnen drei Wochen zehn Millionen Euro ein. Autoteile Unger (ATU) platzierte in kurzer Zeit zwei Anleihen über insgesamt 450 Millionen Euro, obwohl das Unternehmen nach mehreren Besitzerwechseln und einem stockenden Geschäft finanziell nicht in Bestform war. „Die erfolgreiche Platzierung unterstreicht das Vertrauen unserer Investoren, die an den Erfolg unseres Geschäftsmodells glauben“, sagt ATU-Finanzchef Christian Sailer.

„Bei Mittelstandsanleihen kann man fast von einer Art Markenbeleihung sprechen“, sagt Peter Bartels, Vorstand für Familienunternehmen und Mittelstand bei der Beratung und Wirtschaftsprüfung PricewaterhouseCoopers (PwC). Soll heißen: „Wer einen großen Namen hat, zahlt erfahrungsgemäß bis zu 1,25 Prozentpunkte weniger Zinsen als ein unbekanntes Unternehmen“, sagt Peter Hasler, Vorstand der auf Mittelstandsanleihen spezialisierten Beratungsgesellschaft Blättchen & Partner aus München.

Grafik Was Mittelständler die Ausgabe einer Anleihe von 20 Millionen Euro kostet

Nebenkosten

Unabhängig davon sollten sich die Unternehmen auch über die Schattenseiten einer Anleihefinanzierung im Klaren sein. Bei Bonds fallen neben den Zinsen bis zu fünf Prozent des eingenommenen Geldes als Kosten für die Platzierung des Wertpapiers an. Dazu muss sich das Unternehmen Kontrollen durch Handelsbanken, die Börse und oft auch Ratingagenturen unterziehen. Die sind zwar weniger umfangreich als bei einem Börsengang. „Aber diese Nebenkosten könnten jetzt steigen und ein Maß erreichen, das gerade den im Mittelstand üblichen Familienunternehmen oft schwerfällt“, sagt ein mit Anleihegeschäften befasster Banker.

Zu den Nebenkosten zählen vor allem die Gebühren der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht für die Genehmigung des Wertpapierprospekts sowie Kosten von Beratern und Börse für die technische Vorbereitung, den Anleiheprospekt oder das Einsammeln des Geldes (siehe Tabelle).

Ein Experte im Haus

Diese Kosten haben in der Vergangenheit einige Unternehmen erfolgreich durch Eigenarbeit gedrückt. Die Helma Eigenheimbau AG aus dem niedersächsischen Lehrte etwa hat Anfang Dezember 2010 eine Anleihe über zehn Millionen Euro in Eigenregie begeben – für einen Bruchteil der üblichen Kosten. Möglich war dies, weil Finanzvorstand Gerrit Janssen zuvor für eine Kapitalberatungsgesellschaft gearbeitet hat und wusste, zu welchen Konditionen er das Papier erfolgreich an der Börse Düsseldorf platzieren konnte. Beteiligt waren statt des sonst üblichen Beraters nur eine Bank, die die Zeichnung umsetzte, und eine weitere als Zahlstelle. „Ein Mittelständler ohne Kapitalmarkterfahrung wird es ohne einen Berater oder Bankpartner aber nicht machen können“, ist Janssen überzeugt.

Und auch wer einen Experten im Haus hat, wird künftig wahrscheinlich mehr Hilfe von außen in Anspruch nehmen müssen. Einige Handelsplätze wie die Börse Stuttgart haben den Handel bei sich im Haus explizit daran geknüpft, dass die Unternehmen einen neutralen Experten engagieren. Dieser Coach prüft, ob das Unternehmen kapitalmarkttauglich ist, und berät es bei Emission und Notierung der Anleihe.

Eine Bank im Rücken

Hausbau Quelle: LAIF/Zenit/Paul Langrock

Mehr denn je brauchen Anleiheemittenten eine Bank im Rücken. Die sollte nicht nur den Weg ebnen zu institutionellen Anlegern wie Vermögensverwaltern oder Fonds, die größere Volumina zeichnen als Privatanleger: „Banken wissen meist besser als Mittelständler, welche Anforderungen diese Investoren an den Wertpapierprospekt stellen, und kennen ihre Erwartungen an einen Bond“, argumentiert Blättchen-Berater Hasler. Zudem sorgen Banken für ein Rating durch ein unabhängiges Analystenhaus, ohne das Profi-Investoren wie Fonds oder Vermögensberater kein Papier kaufen.

Für Emittenten könnte künftig auch eine andere Rolle der Banken wichtiger werden: das Risiko im Umgang mit Anlegeranwälten zu mindern. Zwar trägt am Ende in jedem Fall das Unternehmen das Risiko allein, wenn es die Zinsen nicht mehr zahlen kann oder gar insolvent wird. Doch ist eine Bank im Boot, fallen Fehler in der Regel früher auf, und sie hat am Gelingen der Emission ein gewisses Interesse: „Die Insolvenz eines von uns betreuten Emittenten ist für uns sicher kein Ruhmesblatt“, sagt ein Anleihenexperte.

Denn unabhängig davon , ob Q-Cells und Siag nun ein Fehler nachgewiesen wird: Gerade beim Anleiheprospekt sollten die ausgebenden Unternehmen besonders sorgfältig sein und alle möglichen Probleme auflisten. „Die Risikohinweise müssen absolut richtig und vollständig sein“, fordert Anlegeranwalt Dittke. Dazu gehört ein vernünftiges und umfassendes Risikomanagement, das trotz der gesetzlichen Pflicht für die vielen nach Handelsgesetzbuch bilanzierenden Mittelständler nach wie vor nicht selbstverständlich ist.

Gut organisiert sein

„Der Emittent muss alle Risiken im Blick haben und sicherstellen, dass auch seine Leute sie kennen und Investoren darüber zutreffend und vollständig aufklären“, rät Dittke. Hat der Vorstand sein Unternehmen schlecht organisiert, haftet er gegebenenfalls persönlich. Das gilt besonders, wenn die Ad-hoc-Mitteilungen genannten Nachrichten über wichtige Veränderungen wie geplatzte Großaufträge nicht korrekt sind. So teilte etwa Siag noch drei Wochen vor ihrer Insolvenz mit, das Unternehmen habe erhebliche Reserven, sodass der Bestand der Gruppe nicht gefährdet sei.

Die ersten Unternehmen, die Anleihen auf dem Markt bringen wollen, stellen sich bereits um. Beispiel Friedola: Der für Schwimmflügel, Klebefolien und Kunstleder für Autos bekannte Mischkonzern bietet seit voriger Woche ein Papier mit fünf Jahren Laufzeit zu 7,25 Prozent an. Und Geschäftsführerin Désirée Derin-Holzapfel hat bereits versprechen lassen, keinen Investoren schlechter zu informieren als bisher ihre Hausbank.

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Garantien

Andere wie die Hamburger Immobilienfirma AVW Grund setzen auf Garantien. Von ihrer 50-Millionen-Anleihe will der Mehrheitsaktionär der Muttergesellschaft AVW Immobilien, Frank Albrecht, ein Viertel kaufen, aber den übrigen Anlegern für den Fall einer möglichen Pleite den Vorrang lassen. Um mögliche Ansprüche daraus abzudecken, hat die AVW Grund die Mieteinnahmen aus den mit der Anleihe finanzierten Objekten an einen Treuhänder abgetreten.

Trotzdem bleiben die Aussichten für Mittelstandsanleihen am Ende immer noch ein wenig wackelig. Die Ungewissheit ist größer geworden, ob und wie schnell sich eine Anleihe tatsächlich verkauft. Zwar sammelte der Golfbekleidungshersteller Golfino am Tag der Siag-Insolvenz noch innerhalb eines Tages zwölf Millionen Euro ein. Doch AVW Grund musste die Zeichnungsfrist ihrer Anleihe verlängern. „Wir hatten uns schon mehr erhofft“, sagt AVW-Chef Andreas Uelhoff.

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