Wissenschaft Keine Angst vor Robotern

Eine neue Studie zeigt: Es werden nicht vermehrt Stellen wegen Digitalisierung abgebaut Quelle: imago

Mehrere neue Studien schüren Zweifel, ob die Digitalisierung tatsächlich so viele Jobs vernichtet, wie Skeptiker befürchten.

Das befürchtete Arbeitsmarktbeben durch die Digitalisierung fällt womöglich aus. Das legt eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln nahe, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt. „Es gibt keinerlei Anzeichen, dass besonders stark digitalisierte Unternehmen vermehrt Jobs abbauen“, sagte Studienautor Oliver Stettes der WirtschaftsWoche. Auch der Vergleich verschiedener Branchen widerlegt laut Studie die populäre These, wonach die digitale Transformation massenweise Arbeitsplätze vernichtet. Zu einer ähnlichen Einschätzung war bereits das Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung auf Basis von Betriebsbefragungen gekommen.

Nach den Ergebnissen der IW-Studie nimmt die Zahl der Arbeitsplätze mit hohem Automatisierungsrisiko zwar tatsächlich ab. Die Gründe dafür liegen laut Ökonom Stettes aber nicht nur im beschleunigten technologischen Wandel. Vielmehr gebe es in vielen Bereichen der Wirtschaft schlicht einen Nachwuchsmangel. „Es gibt offene Stellen, aber die werden nicht besetzt“, so Stettes.

Zu dem Schluss, dass Industrieroboter keine Jobkiller sind, kommt auch eine andere aktuelle Studie. Vier Forscher des Düsseldorfer Instituts für Wettbewerbsökonomie analysierten darin die Folgen der Automatisierung auf Jobs und Löhne in Deutschland zwischen 1994 und 2014. Ausgangspunkt war ein umfangreicher Datensatz der International Federation of Robotics. Demnach kamen 1994 auf 1000 Beschäftigte gut zwei Roboter, 2014 waren es bereits 7,6 Exemplare. Parallel dazu untersuchten die Wissenschaftler das regionale und branchenspezifische Beschäftigungswachstum.

Aus den Ergebnissen leiten Wolfgang Dauth, Sebastian Findeisen, Jens Südekum und Nicole Wößner ab, dass „Horrorszenarien einer unmittelbar bevorstehenden technologischen Arbeitslosigkeit übertrieben sind und einer soliden empirischen Grundlage entbehren“.
Zugleich scheint es allerdings Effekte auf die Einkommensverteilung zu geben. „Der steigende Robotereinsatz führt zu beträchtlichen Einkommensgewinnen bei hoch qualifizierten Beschäftigten mit Universitätsabschluss, vor allem in Forschungs- und Managementpositionen“, so die Studie. Doch bereits bei Arbeitnehmern mit mittlerer Qualifikation ließen sich „deutlich negative Auswirkungen auf Löhne und Erwerbseinkommen diagnostizieren“. Insgesamt fielen die vornehmlichen Erträge der Roboter „beim Faktor Kapital oder den Unternehmensgewinnen an, nicht beim Faktor Arbeit“. Der vermehrte Einsatz von Robotern trüge so zu einem tendenziellen Rückgang der Lohnquote bei.

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