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Zahlungsmittel Der Yuan ist noch längst keine Leitwährung

China forciert die Internationalisierung des Yuans. Doch bis er den Dollar als Leitwährung ablöst, dürfte noch viel Zeit vergehen.

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Eine Angestellte einer chinesischen Bank zählt Dollarscheine, neben bÜndeln von Yuan-Noten Quelle: REUTERS

Die kleinen Wechselstuben im Norden der indonesischen Hauptstadt Jakarta gehören seit Jahren zum Straßenbild wie die Bäckereien und Restaurants mit ihren scharfen Chili-Gerichten. Doch bei den Geldwechslern in den Gassen der Großstadt hat sich in den vergangenen Monaten etwas verändert. Viele haben in ihren Schaufenstern neben die Dollar- und Euro-Logos ein weiteres Zeichen gestellt – ein „Y“ für den chinesischen Yuan, den die Chinesen selbst nur Renminbi (RMB) nennen – auf Deutsch „Volkswährung“.

Die Wechselstuben in Jakarta kaufen und verkaufen die chinesische Währung, und das nicht nur an Touristen und Geschäftsleute, die sich für die Reise nach China eindecken. Manche Geschäfte und Restaurants im Norden der indonesischen Hauptstadt, wo viele Chinesen leben, akzeptieren den Yuan sogar als Zahlungsmittel neben der einheimischen Währung, der indonesischen Rupie.

Finanzmarktregulierung wird löchrig

Bis vor Kurzem war das noch undenkbar. Chinas Finanzmarkt gilt als einer der am strengsten regulierten weltweit. Die Währung der aufstrebenden Supermacht ist noch immer nicht frei konvertierbar, obwohl China die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt ist und mit 3,2 Billionen USDollar über den größten Devisenschatz aller Länder verfügt. Doch die Mauer um Chinas Finanzmarkt wird löchriger. Die Regierung in Peking will sich aus der Abhängigkeit des amerikanischen Greenback befreien und treibt darum die Internationalisierung der eigenen Währung voran.

Entwicklung der US-Währung gegenüber dem chinesischen Yuan Quelle: Thomson Reuters

So können chinesische Unternehmen seit dem vergangenen Jahr Waren, die sie aus dem Ausland einführen, in Yuan bezahlen. Im Gegenzug können Kunden im Ausland die Rechnung für Produkte, die sie bei Herstellern in China einkaufen, in chinesischer Währung begleichen. Dafür brauchen sie lediglich ein Yuan-Konto.

Etliche westliche Banken, darunter die Commerzbank, bieten inzwischen Yuan-Konten an. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahres lag das Volumen des in Yuan abgewickelten internationalen Handels bei umgerechnet 146 Milliarden US-Dollar – ein Anstieg von 1300 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

HongKong ist Yuan-Stadt

Das Zentrum für den Handel mit Yuan ist Hongkong. Mitte vergangenen Jahres lagen auf Konten der früheren britischen Kronkolonie Yuan-Bestände im Umfang von umgerechnet 85 Milliarden US-Dollar. Bis Ende dieses Jahres, glauben manche Experten, könnten sich die Yuan-Bestände in Hongkong auf 340 Milliarden Dollar vervierfachen. Die chinesische Währung wird auch in Hongkong zunehmend zum allgemein akzeptierten Zahlungsmittel.

Viele Bürger tauschen bei den Banken ihre Hongkong-Dollar in Yuan um, weil sie mit einer Aufwertung der chinesischen Währung im Zuge der Internationalisierung rechnen. Um die Spekulation einzudämmen, haben die Behörden bereits Obergrenzen für den täglichen Umtausch festgelegt.

Der zunehmenden Nachfrage nach Yuan dürfte bald ein größeres Angebot folgen. Denn nach dem Warenhandel macht sich Peking daran, den Kapitalverkehr mit anderen Ländern schrittweise auf Yuan umzustellen. So dürfen chinesische Unternehmen seit dem vergangenen Jahr Investitionen im Ausland in Yuan vornehmen, etwa bei Übernahmen oder Fusionen.

Seit Anfang 2011 bietet die Bank of China in New York Kunden außerdem Yuan-Konten an. Bis zu 4000 Dollar am Tag können sie in die chinesische Währung umtauschen. Seit Kurzem dürfen die Einwohner von Wenzhou, einer Stadt im Osten Chinas, im Rahmen eines Pilotversuchs ihre Yuan-Ersparnisse in Dollar wechseln und im Ausland investieren. Ein einzelnes Investment darf aber drei Millionen Dollar nicht übersteigen. Umgekehrt will Chinas Regierung auch im Ausland deponierte Yuan für Direktinvestitionen in China zulassen.

Ziel: Reservewährung des IWF

Zehn interessante Fakten über China
Täglicher Griff zur ZigaretteUngesunder Rekord: In jeder Sekunde werden 50.000 Zigaretten in China angezündet. Das berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Zahl der Raucher ist in den vergangenen Jahren immer weiter gestiegen. Inzwischen zünden sich 66 Prozent der männlichen Chinesen täglich mindestens eine Zigarette an. Bei den Frauen raucht nur jede Zwanzigste täglich. Quelle: rtr
Künstliche TannenbäumeKlar, China ist ein großes Land. Fast jeder fünfte Mensch lebt in dem Riesenreich, China ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde. Doch in einigen Statistiken liegt das Land überproportional weit vorne. So ist das Riesenreich nicht nur der größte Textilproduzent, sondern auch weltweit führend in der Herstellung von künstlichen Tannenbäumen. 85 Prozent alle unechten Tannenbäume – so National Geographic – stammen aus China. Texte: Tim Rahmann Quelle: dpa
SchweinereichIn China leben nicht nur die meisten Menschen, sondern auch die meisten Schweine. 446,4 Millionen Eber und Säue lebten 2008 im Reich der Mitte, so die UN. Damit leben dort mehr Schweine als in den 43 nächst größten Ländern, gemessen an der Zahl der Tiere, zusammen. Zum Vergleich: In Deutschland werden aktuell rund 26,7 Millionen Schweine gehalten. Quelle: dpa
Geisterstädte im ganzen LandIn China wurde in den letzten Jahren massiv gebaut – auch in ländlichen Gegenden. Doch die Landflucht ließ vielerorts Geisterstädte entstehen. Mehr als 64 Millionen Wohneinheiten stehen im ganzen Land leer. Auch das größte Einkaufszentrum der Welt, … Quelle: dpa
McDonald’s allein auf weiter Flur… die "New South China Mall", hat reichlich Gewerbeflächen zu vermieten. 1500 Geschäfte finden dort Platz, 70.000 Käufer sollten täglich nach Dongguan pilgern. Doch die Realität sieht anders aus: 99 Prozent der Flächen sind unbenutzt, berichtete die britische Zeitung "Daily Mail". Nur ein paar Restaurants befinden sich in dem Gebäude, unter anderem Mc Donald’s. Quelle: AP
Bauboom geht weiterDennoch bauen die Chinesen fleißig weiter. Die Folge: Kein Land verbaut mehr Zement als China. 53 Prozent der weltweiten Nachfrage stammt aus dem Reich der Mitte, so Michael Pettis, China-Experte und Ökonom der Peking-Universität. Quelle: dpa
Barbie ist zu sexyWenn in China gerade nicht gebaut wird, werden in den zahlreichen Fabriken Güter produziert. Neben Textilien vor allem Spielwaren. Rennautos, Barbie-Puppen und Kuscheltiere: Fast 80 Prozent der deutschen Spielwaren stammen aus China. Vor Ort selbst sind Barbie-Puppen übrigens kein Verkaufsschlager. Für die Chinesen ist die kurvige Blondine zu sexy. Dort verkaufen sich vor allem niedliche Puppen. Quelle: AP

Der „Financial Times“ zufolge strebt die Volksrepublik auf ihrem Weg, den US-Dollar als Leitwährung abzulösen, nun auch eine besondere Vereinbarung mit Schwellenländern an. Diese sollen Kredite in chinesischer Währung statt der bisher üblichen US-Dollar akzeptieren. Die China Development Bank verhandelt dazu zurzeit mit Geldinstituten in Brasilien, Russland, Indien und Südafrika.

Auch in den internationalen Organisationen soll der Yuan eine stärkere Rolle spielen. So fordert Chinas Regierung von den anderen Mitgliedsländern des Internationalen Währungsfonds, dass die chinesische Währung Bestandteil des Währungskorbs wird, der den Wert der Sonderziehungsrechte festlegt, eine Art Reservewährung des IWF. „Ende dieses Jahrzehnts oder Anfang des nächsten Jahrzehnts könnte der Yuan die wichtigste Reservewährung sein“, prophezeit der in den USA lebende Ökonom Arvind Subramanian. Dass Peking gerade jetzt seine Bestrebungen verstärkt, die eigene Währung international einzusetzen, hat einen Grund: die schwindende Bedeutung des US-Dollars. Denn gut die Hälfte seiner insgesamt 3,2 Billionen Dollar Devisenreserven hat China in amerikanischen Vermögenswerten angelegt. So hält die chinesische Notenbank allein sieben Prozent aller US-Staatsanleihen.

Status Weltreservewährung lässt auf sich warten

Solche Investments, mit denen China seine Währung im Exportinteresse niedrig hält, sind jedoch ein immer schlechteres Geschäft. Gemessen an einem Korb von Konsumgütern, hat der Dollar in den vergangenen vier Dekaden vier Fünftel seiner Kaufkraft eingebüßt. Zudem werfen die amerikanischen Staatsanleihen vergleichsweise geringe Zinserträge ab, weil die USNotenbank aufgrund der wackligen Lage der US-Banken weiter auf Rekord-Niedrigzinskurs ist.

Doch so schnell dürfte der Yuan den Dollar als Weltreservewährung nicht ablösen. Zwei Gründe sind es vor allem, die bedingen, dass Chinas Währung zunächst einen Platz einnehmen wird unter den anderen Währungen zweiten Ranges wie dem Euro, dem Schweizer Franken, dem Britischen Pfund und dem Yen: Der liberalisierte Kapitalverkehr ist bislang in erster Linie eine Einbahnstraße. Es fließen deutlich mehr Yuan aus China ab, als ins Land kommen. Bei mehr als 90 Prozent des in Yuan abgewickelten internationalen Warenverkehrs im vergangenen Jahr haben chinesische Importeure Güter aus dem Ausland in chinesischer Währung bezahlt – nicht umgekehrt.

Das aber verstärkt den Aufwertungsdruck auf den Yuan eher noch – was Peking im Interesse der eigenen Exportwirtschaft eigentlich verhindern will. Bezahlten die chinesischen Unternehmen bislang ihre im Ausland eingekauften Waren in Dollar, dämpfte das den Aufwertungsdruck des Yuan eher. Um den Yuan schwach zu halten, muss Chinas Zentralbank nun die Dollar-Reserven noch erhöhen, sodass die vorsichtige Öffnung des Kapitalverkehrs das Land nur noch enger an den Greenback kettet.

Finanzmarktreform nötig

Bevor der Yuan eine echte Alternative zum US-Dollar werden kann, muss China endlich ernst machen mit den von vielen Experten lange angemahnten Reformen des Finanzmarktes. Die Banken müssen ausreichend kapitalisiert sein, das Land braucht einen liquiden Bondmarkt, und die Behörden müssen es Investoren aus dem Ausland, etwa großen Fonds, gestatten, in China zu investieren. Alles das sind Voraussetzungen, die bislang nicht erfüllt wurden.

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Es sind vor allem die Interessen der politisch gut vernetzten Staatsunternehmer, die die nötigen Reformen am Finanzmarkt verhindern. Die Chefs der großen Exportunternehmen wehren sich gegen eine raschere Aufwertung des Yuan. Die Parteikader, die den großen Staatskonzernen aus dem Rohstoffsektor und dem Infrastrukturbereich vorstehen, wollen nicht auf die günstigen Kredite der Staatsbanken verzichten, für die die Kleinsparer in Form minimaler Einlagenzinsen Opfer bringen.

Dass China am Ende allerdings immer wieder in die alten Reflexe verfällt, zeigen die vergangenen Monate: Kaum dass die Exporte schwächer laufen und das Wirtschaftswachstum zurückgeht, bremst die Führung die schrittweise Aufwertung der Währung.

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